Export-Club: Nur Freihandelszone zu wenig

- München - Muss die deutsche Wirtschaft das Scheitern des EU-Gipfels fürchten? Experten meinen eher nicht. "Für den Warenaustausch hat das keine direkten Effekte", sagte Ifo-Chefvolkswirt Gernot Nerb. Auch J. Peter Erwand vom Export-Club Bayern ist gelassen.

<P>Welche Folgen hat das Scheitern des EU-Gipfels für den deutschen Außenhandel?<BR><BR>Peter Erwand: Zunächst einmal hat das keine Folgen für den Außenhandel. Der Umtauschkurs von US-Dollar zu Euro ist eine andere Sache. Da spielen Tageseinflüssen eine größere Rolle und nicht die langfristige Frage der EU-Haushaltsfinanzierung.<BR><BR>Den sinkenden Euro müssten Sie doch begrüßen?<BR><BR>Erwand: Ein hoher Anteil unserer Exporte geht in die Euro-Zone. Die starken Ausfuhren insbesondere der Autoindustrie in Übersee, werden natürlich von einem eher schwachen Euro begünstigt.<BR><BR>Bei dem Streit ging es auch um die Ausgaben für die Landwirtschaft. Was sagen Sie dazu?<BR><BR>Erwand: Es ist ein jahrzehntealtes Problem, dass der größte Teil des EU-Haushaltes in Agrarsubventionen fließt. Dabei hat die Landwirtschaft in Deutschland und auch Bayern nur noch einen geringen Anteil an der Wertschöpfung. Er ist bei Weitem nicht so groß wie in Frankreich, Spanien, Süditalien oder Polen. Besser wäre es, wenn langfristig mehr Mittel in transeuropäische Netze - Stichwort Brennerbasistunnel - investiert würden. Leider gelingt uns das nicht. Natürlich möchte auch ich die kleinbäuerlichen Strukturen in Bayern erhalten. Wir müssen aber das gesamtwirtschaftliche Interesse im Auge behalten.<BR><BR>Was ist Ihnen lieber, eine politische Union oder eine Freihandelszone?<BR><BR>Erwand: Europa muss in außenpolitischen Entscheidungen mit einer Stimme sprechen. Aber wir haben uns immer dagegen gewandt, dass in Brüssel jedes Detail geregelt wird. Das führt nur zu mehr Bürokratie. Natürlich muss man die politische Einigung vorantreiben. Das ist enorm wichtig, eine Freihandelszone ist zu wenig. Aber ich bin gegen diese ständige Erweiterungswut. Um den engeren Kreis der EU-Mitglieder könnte man einen zweiten Kreis legen, mit wirtschaftlichen Erleichterungen, ohne das es Vollmitglieder sind.</P><P>Das Gespräch führte Christian Vordemann.</P>

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