Exporte lassen Wirtschaft wachsen: Doch ifo-Index geht im Mai zurück

- München - Die Konjunktur läuft ganz langsam wieder an. Das Bruttoinlandsprodukt legte im ersten Quartal 2004 leicht zu. Allerdings signalisiert der ifo-Geschäftsklimaindex im Mai eine leichte Eintrübung.

<P>Der Index sank - wie Experten dies bereits vorhersahen - von 96,3 auf 96,1 Punkte. Doch es gibt auch ein positives Zeichen: Der Erwartungsindex stieg leicht von 97,7 auf 97,8 Punkte. Offenbar komme die deutsche Wirtschaft mit dem derzeitigen Niveau der Ölpreise noch zurecht, bestätigte auch das ifo-Institut. Manche Unternehmen würden davon auch profitieren. "Die Ölpreise sind aber sicher im Moment die aktuelle Gefahr für den Aufschwung", meinte ifo-Chefvolkswirt Gernot Nerb. <BR><BR>Laut ifo-Erhebung entwickelte sich die Stimmung im Mai in den einzelnen Branchen unterschiedlich. Wegen der guten Nachfrage aus dem Ausland hellte sich das Geschäftsklima in der Industrie auf. "Es sieht auch so aus, als ob sich der Investitionsstau etwas auflöst", sagte Nerb. Im Einzelhandel habe sich das Klima auf niedrigem Niveau stabilisiert. Eine spürbare Verbesserung sei aber nicht in Sicht. Im Bauhauptgewerbe und im Großhandel trübte sich die Stimmung ein.<BR><BR>Der ifo-Index gilt als einer der wichtigsten Frühindikatoren der deutschen Wirtschaft. Er wird aus der Befragung von monatlich 7000 Unternehmen ermittelt.<BR>Experten hatten mit einem leichten Rückgang gerechnet. Doch beurteilten die Unternehmen nur ihre aktuelle Geschäftslage schlechter. Der entsprechende Index ging von 94,9 auf 94,4 Punkte zurück. Dagegen zeigten sie sich unerwartet zuversichtlich für die kommenden Monate.<BR><BR>Bislang halten die meisten Forschungsinstitute wie auch die Bundesregierung an ihrer Wachstumsprognose von 1,5 Prozent für 2004 fest - nach einem Minus von 0,1 Prozent 2003. Für das erste Quartal ermittelte das Statistikamt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent.<BR><BR>In den ersten drei Monaten haben die kräftig wachsenden Exporte die Wirtschaft in Fahrt gebracht. Als Bremse wirkte aber weiter der schwache Inlandskonsum.<BR>Die im dritten Vierteljahr 2003 begonnene leichte Erholung habe sich fortgesetzt, erklärte das Bundesamt, das seine frühere Prognose bestätigte. Im ersten Quartal gaben die Exporte mit einem Plus von 4,6 Prozent zum Vorquartal Gas. Da die Importe schwächer zunahmen (plus 2,9 Prozent), war der Außenbeitrag - der Saldo von Exporten und Importen von Waren und Dienstleistungen positiv. Er trug mit 0,8 Prozentpunkten zum Wachstum bei. Die staatlichen Konsumausgaben verringerten sich um 1,2 Prozent, der private Konsum stagnierte.<BR><BR>"Die deutsche Wirtschaft steht auf einem Bein, den Exporten", sagte Analyst Ralph Solveen von der Commerzbank. "Sie allein können aber nicht auf Dauer das Wachstum hoch halten." Dringend notwendig ist nach Ansicht von Ökonomen eine Belebung am Arbeitsmarkt und ein Anspringen des privaten Konsums. Im ersten Quartal erbrachten 37,7 Millionen Erwerbstätige die Wirtschaftsleistung, das waren 139 000 weniger als ein Jahr zuvor. Der Aufschwung sei zu schwach für eine Entlastung auf dem Arbeitsmarkt, erklärte Nerb. Der Stellenabbau werde abgebremst weitergehen.<BR><BR>Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement wertete den ifo-Index als Bestätigung des Aufwärtstrends. Es sei richtig, weiter von einer Besserung auszugehen. "Ich hoffe, es wird noch mehr."</P>

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