Exporte trotzen dem starken Euro

München - Trotz starkem Euro und der Eintrübung der Weltkonjunktur kamen die deutschen Exporte zum Jahresanfang wieder in Fahrt. Vielleicht könnte es sogar zu einer weiteren Runde als Exportweltmeister reichen.

Der Wert der ausgeführten Waren stieg im Januar im Vergleich zum Vorjahr um 9 Prozent auf 84,4 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Auch die Importe und der Überschuss in der Außenhandelsbilanz legten deutlich zu (Grafik). Eine derart starke Entwicklung hatten Experten nicht erwartet. "Nach einer Reihe von schwächeren Monaten zeigt sich damit, dass der Export weiterhin Impulse für die Wirtschaft gibt", erklärten die Volkswirte der Commerzbank. Angesichts der immer noch guten Konjunkturentwicklung in vielen Regionen der Welt dürften die Exporte in den nächsten Monaten noch zulegen.

Damit trotzt die deutsche Exportwirtschaft dem starken Euro. Warum? "Der Mittelstand konnte seine Trümpfe ausspielen", sagte Christian Dreger vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gegenüber unserer Zeitung. Die hierzulande mittelständisch geprägte Investitionsgüterindustrie sei weniger krisenanfällig als die Hersteller von Konsumgütern. Höhere Preise seien für sie weniger bedeutend. "Ihre Güter lassen sich nicht so leicht durch billigere Konkurrenzprodukte ersetzen", sagte er. Auch seien die Unternehmen durch die Lohnzurückhaltung der letzten Jahre besser in der Lage, solche Phasen zu meistern. Allerdings rechnet Dreger mit einer schwächeren künftigen Entwicklung.

Alexander Koch von Unicredit erinnert daran, dass die Aufwertung weniger heftig und auch im Ausmaß geringer sei als in entsprechenden früheren Zyklen. Außerdem verweist er auf das dicke Auftragspolster der Industrie, das abgearbeitet werden muss. Die Nachfrage aus Osteuropa und anderen Wachstumsregionen sei weiterhin stark. Dass drei Viertel der Exporte in Euro fakturiert werden, helfe dagegen nur kurzfristig. Koch rechnet deshalb in der zweiten Jahreshälfte mit einer deutlichen Verlangsamung.

Weil die Exportwirtschaft den schwachen Dollar noch wegstecken kann, könnte es sein, dass der Titel Exportweltmeister noch für ein Jahr erhalten bleibt. Rivale China schwächelt. Dessen Handelsüberschuss brach nach Angaben der Zollbehörden im Februar im Jahresvergleich von 23,76 Milliarden US-Dollar auf 8,56 Milliarden Dollar ein.

Die europäischen Nachbarn bleiben die wichtigsten Partner der deutschen Außenwirtschaft. An sie wurden im Januar Waren im Wert von 54,3 Milliarden Euro versandt, 7,7 Prozent mehr als im Januar 2007. Die Importe von dort stiegen um 11,2 Prozent auf 43,1 Milliarden Euro. Doch stärker kletterten die Exporte in Länder außerhalb der EU ­ um 11,5 Prozent auf 30,0 Milliarden Euro. Waren im Wert von 24,2 Milliarden Euro wurden von dort bezogen, das war ein Plus von 8,5 Prozent.

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