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Ein Rundum-Sorglos-Paket schnüren die Mitarbeiter von Interlab-Chef Hermann Schulz ihren Kunden.

Exportpreis 2011: Für die Medizin im Laufschritt um die Welt

München - Die Welt ist ihr Markt, grenzenlos sind ihre Geschäftsideen – das zeichnet die diesjährigen Sieger des Exportpreises Bayern aus. Unter den Gewinnern ist auch die Münchner Firma Interlab. Ein Besuch.

Es riecht etwas streng auf den mit Linoleum ausgelegten Fluren von Interlab. Ein Hauch von Desinfektionsmittel steht in der Luft, jede Menge Doktortitel zieren die Türschilder der Büros. Hier geht es um Medizinisch-Klinisches – das ist sofort klar. „Wir sind ein Dienstleister für Pharmafirmen, Biotechunternehmen oder auch forschende Hochschulen aus der ganzen Welt“, sagt Hermann Schulz, Doktor der Medizin, Gründer und Chef der Interlab GmbH.

Man könnte auch sagen, dass es hier vis-à-vis vom Münchner Hauptbahnhof um die Medikamente der Zukunft geht, schließlich organisiert das Unternehmen klinische Studien. Ganz simpel ausgedrückt.

Seit gestern blitzt der gläserne Sieger-Pokal des Exportpreises Bayern auf dem Schreibtisch des Firmenchefs im sechsten Stock. Er habe mit Interlab schier Unmögliches geschafft, beschreibt GfK-Chef Klaus Wübbenhorst bei der Preisverleihung die Arbeit des Mannes mit den markanten Augenbrauen. Schulz bändige einen Flohzirkus aus Wissenschaftlern, um so Daten mit hoher statistischer Aussagekraft zu bekommen. „Am meisten freut mich an diesem Preis, dass sich die Jury mit unserem komplizierten Firmenkonzept auseinandergesetzt und das Besondere an uns erkannt hat“, bedankt sich der Interlab-Chef für die Auszeichnung.

Schulz, in Barcelona aufgewachsen, Mutter Katalanin, Vater Bremer („daher der wahnsinnig spanische Name“) wagte vor rund 17 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit. „Ich war aber kein wirklicher Newcomer“, erzählt der heute 54-Jährige. Viele Jahre hatte der Kardiologe Forschungs- und Entwicklungsabteilungen führender Pharmakonzerne geleitet, machte sich so einen Namen in der Branche – und ärgerte sich immer mehr über die schlechte Laboranalytik der sündhaft teuren Medikamenten-Studien. „Die Laborergebnisse waren oft nicht vergleichbar, weil sie nicht einheitlich zustande kamen“, sagt der Mediziner. Das wollte Schulz ändern und gründete Interlab – einen zentralen Labor-Service, der weltweit nach internationalen Standards arbeitet.

Heute schulen die Münchner an den Prüfungen beteiligte Ärzte und Krankenschwestern vor Ort, damit die Probengewinnung bei den tausenden Studienpatienten in den verschiedensten Ländern einheitlich und studienspezifisch läuft. Sie organisieren zudem die Transportlogistik, die Laboranalytik, das Speichern der Daten und das Lagern der Proben. Eine eigens kreierte Software sorgt für eine gemeinsame Basis und Vernetzung zwischen allen Beteiligten.

„Wir können innerhalb von nur sechs Wochen mit einem Projekt beginnen – und das weltweit“, sagt Schulz. Das ermöglicht ein breites Netz an Partnern. „Wir selbst sind ja kein normales Labor“, betont Schulz, „das Entscheidende ist die Logistik um das Labor herum.“

Rund 100 neue Studien kommen jedes Jahr hinzu – und alle dauern im Schnitt drei bis vier Jahre. Weil die Patente für Medikamente nach zehn bis 12 Jahren auslaufen, sind die Kunden von Interlab gezwungen, ständig neue Medikamente zu entwickeln. Weil gleichzeitig die Anforderungen an die Studien steigen, schnellen die Kosten in die Höhe. „Heute ist ein Auftrag sechsmal so viel wert wie vor 15 Jahren“, sagt Schulz. Doch nur ein Viertel des Umsatzes entfällt dabei auf die eigentliche Laboranalyse.

Mittlerweile beschäftigt Schulz 45 Mitarbeiter am Münchner Standort – allein in diesem Jahr kamen sechs hinzu. Mit rund 70 Prozent kommen die meisten Projekte aus dem Ausland. „Dabei kam mir der Firmenname Interlab erst ein bisschen überheblich vor“, erinnert sich Schulz. Doch bereits ein Jahr nach der Gründung kamen Aufträge für Studien aus den USA, Argentinien, Australien und Südafrika. „Ich war anfangs nur unterwegs“, erzählt Schulz. Ähnlich dem Firmenlogo, ein schwarzes Comicmännchen, das im Laufschritt ein Labor-Gefäß balanciert.

Jetzt bündelt der zweifache Vater die Auslandstreffen auf rund sechs Wochen am Stück. „Da kommen dann rund hundert Termine zusammen“, sagt Schulz. Und er tingelt mit zwei Spezial-Tickets zweimal um die ganze Welt.

Stefanie Backs

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