Exportweltmeister: Dieser Titel ist Deutschland 2006 schon fast sicher

- Berlin - Dass die deutsche Fußballnationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land im nächsten Jahr den Titel gewinnt, glauben derzeit nur die großen Optimisten. Dagegen gibt es unter den Konjunkturexperten wenig Zweifel, dass Deutschland seinen Titel als Exportweltmeister 2006 zum vierten Mal in Folge verteidigen wird.

Institute und Verbände rechnen für das kommende Jahr mit einem Plus bei den Ausfuhren von mindestens sechs Prozent. Insgesamt wird Deutschland in diesem Jahr nach Schätzungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) Waren für 780 Milliarden Euro ausführen und einen Handelsbilanzüberschuss von 160 Milliarden Euro erzielen.

Der Konjunkturexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Alfred Steinherr, sieht gute Chancen, dass die deutsche Wirtschaft auch im kommenden Jahr von einer sich weiterhin sehr gut entwickelnden Weltnachfrage profitieren kann. In diesem Jahr hätten auch der wieder etwas schwächere Euro und die geringen Lohnsteigerungen die Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure gestärkt. Risiken seien ein möglicherweise wieder steigender Euro oder ein weltwirtschaftlicher Einbruch, den er aber nicht für sehr wahrscheinlich halte. Steinherr hält ein Exportwachstum von acht Prozent für möglich. Auch der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels, Anton Börner, ist optimistisch: "Wir sind gut vernetzt, wir sind gut präsent auf den Märkten, wir haben gute Produkte."

Trotz Globalisierung ist Europa nach wie vor der mit Abstand wichtigste Markt der deutschen Exporteure. Fast zwei Drittel aller Ausfuhren gehen in andere EU-Staaten. Dabei entwickelt sich das Geschäft mit den neuen Mitgliedstaaten nach Angaben des DIHK deutlich dynamischer als mit denjenigen des Euroraums. "Der Investitionsgüterexporteur Deutschland wird somit weiter vom Modernisierungsbedarf der neuen EU-Mitglieder profitieren", schreibt der DIHK. Auch der asiatisch-pazifische Raum lege in seiner Bedeutung als Handelspartner Deutschlands weiter zu, während der Anteil der USA an den deutschen Exporten (2004: 8,9 Prozent) leicht gesunken sei. Rund 60 Prozent aller deutschen Ausfuhren entfielen auf die Metall- und Elektroindustrie.

Angesichts einer schwachen Binnennachfrage dürfte die Ausfuhr von Maschinen, Anlagen oder Luxusautos auch 2006 Konjunkturmotor bleiben. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall warnt aber vor einer Überbewertung der deutschen Exporterfolge.

Die Ausfuhren enthielten immer mehr Vorleistungen aus Niedriglohnländern. Die hohen Exportzahlen der deutschen Metall- und Elektroindustrie sagten daher nur noch begrenzt etwas über die Wettbewerbsfähigkeit der Wertschöpfung in Deutschland aus. Produktion und Beschäftigung hätten in Deutschland nur dann eine Chance, wenn es gelinge, den Kostennachteil zu verringern.

Börner sieht jedoch nichts Negatives darin, dass die deutschen Ausfuhrgütern immer mehr importierte Vorprodukte enthielten.

"Sonst wären wir nicht mehr wettbewerbsfähig. Wir sind dringend angewiesen auf günstige Importe", sagt der BGA-Präsident. Dadurch, dass die deutsche Wirtschaft Produkte aus den Ländern beziehe, die günstigere Kostenstrukturen hätten, schaffen sie dort ja auch Wohlstand. "Und der Wohlstand führt dazu, dass man dort auch deutsche Produkte nachfragt", so Börner.

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