Exportwirtschaft: Keine Angst vor China

Frankfurt - Vom Siegerpodest muss Deutschland sich verabschieden. Der Titel des Exportweltmeisters ist 2007 vermutlich zum vorerst letzten Mal an Deutschland gegangen. Aufsteiger China könnte schon in den kommenden Monaten dank höherer Wachstumsraten an Deutschland vorbeiziehen.

Der Titelverlust bedeutet aber keineswegs, dass die deutsche Exportwirtschaft zurückfällt. Ökonomen bescheinigen den Firmen eine hohe Wettbewerbsfähigkeit. Spezialprodukte, gut ausgebildete Mitarbeiter und die geringen Lohnsteigerungen der vergangenen Jahre haben die Unternehmen weltweit konkurrenzfähig gemacht.

"Der Kampf um den Titel ist eine Rechenspielerei", sagt Ernst Leiste von der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai). "Die deutsche Wirtschaft ist sehr produktiv und erzeugt hohe Qualität." Deutschland exportierte 2007 Waren im Wert von 969 Milliarden Euro und glänzt mit Maschinen, Autos und chemischen Produkten ­ also genau den Investitionsgütern, die in den aufstrebenden Volkswirtschaften China, Indien und Russland sowie den Ölländern gefragt sind. Deshalb profitiert Deutschland von der Globalisierung überdurchschnittlich und hält seinen Welthandelsanteil von 9,5 Prozent. Der Außenhandel trug 2007 mehr als die Hälfte zum Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent bei.

Dank neuer Märkte kann sich die europäische Exportwirtschaft von den USA teilweise abkoppeln, wo die Finanzkrise Rezessionsängste hervorgerufen hat. Doch das langsamere Tempo der Weltwirtschaft und der starke Euro werden die Ausfuhren 2008 dämpfen. "Die Boomzeiten beim Export sind vorbei, wir kommen in ruhiges Fahrwasser und werden auch mal unterdurchschnittliches Wachstum sehen", sagt Ralph Solveen von der Commerzbank voraus. Auch der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet meint: "Die Abkühlung bei den wichtigsten Handelspartnern wird das Wachstum bremsen."

Dennoch bleiben die deutschen Exporteure an der Spitze. Ihre Leistung belegt schon der Größenvergleich. "82 Millionen Deutsche können nicht gegen 1,3 Milliarden Chinesen konkurrieren", sagt der Chefvolkswirt der Unicredit, Andreas Rees. Zudem verzeichne Deutschland Jahr für Jahr einen Rekordüberschuss in der Handelsbilanz ­ 2007 waren es 198,8 Milliarden Euro. Damit steht Deutschland weitaus besser da als die USA, die seit Jahren mehr einführen und konsumieren als exportieren.

Zudem überzeichnet der Wechselkurs den Zuwachs der chinesischen Exporte. Die chinesische Währung Renminbi ist an den US-Dollar gekoppelt und gilt als stark unterbewertet. Dadurch sind chinesische Exporte tendenziell günstiger ­ während zugleich die deutschen Ausfuhren unter dem starken Euro leiden, der 2007 massiv aufgewertet hat und derzeit um die 1,45 Dollar liegt. Immerhin 40 Prozent der deutschen Exporte gehen aber in den Euro-Raum, sind also von Wechselkursschwankungen nicht betroffen.

"China nimmt Deutschland keine Marktanteile weg", sagt Christian Dreger vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW. Zu den Exportschlagern im Reich der Mitte gehören Elektronik, Stahl, einfache Maschinen und Textilien sowie Spielsachen.

Für Deutschland bleibt aber ein Wermutstropfen: Die Statistik betrachtet nämlich nur den Export von Waren, nicht aber von Dienstleistungen. Rechnet man sie mit ein, läge Deutschland seit Jahren abgeschlagen hinter den USA. Die deutschen Dienstleister sind keine Exportweltmeister, nur 13 Prozent entfallen auf diesen Bereich.

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