Express-Kredit: Der sicherste Weg noch tiefer in die Schulden-Falle

- Das Schuldenkarussell in Deutschland dreht sich immer schneller: Im Schnitt steckt inzwischen jeder Haushalt mit knapp 6000 Euro in den Miesen. Fast drei Millionen Haushalten, die Hälfte davon Familien mit Kindern, steht das Wasser schon bis zum Hals. Sie gelten als überschuldet. Je drückender die Finanznot, desto mehr Kredithaie sehen ein gutes Geschäft.

<P>Jetzt, wenn die Urlaubssaison zu Ende geht, gehen ihnen wieder besonders viele Bürger ins Netz, befürchtet Heribert Rollnik von der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände in Berlin. "Schulden anhäufen geht ganz schnell: wenn mit knapper Kasse Urlaub gemacht wurde, schlimmstenfalls auf Pump, anschließend zu Hause die Waschmaschine kaputt geht, das Auto Öl verliert und einer den Job", berichtet Rollnik.<BR><BR>Wenn die Bank dann kein Geld mehr gibt, suchen Betroffene nach dem rettenden Strohhalm - und fallen immer häufiger auf dubiose Versprechen in Zeitschriften wie "Express-Kredit" oder "Bargeld sofort, bequem und diskret" herein. Seit geraumer Zeit werben angebliche "Schuldenregulierer" auch verstärkt im Internet, mahnt das Bundeskriminalamt (BKA) zur Vorsicht.<BR><BR>"Finger weg von Kleinanzeigen, die Kredite oder Geld vermitteln wollen", warnt Eva Raabe-Steinborn von der Verbraucherzentrale Hessen eindringlich. "Niemals reagieren."<BR><BR>Die Hoffnung, mit Hilfe "unbürokratischer Geldgeber" endlich aus der Klemme zu kommen, ende "eigentlich immer" im kompletten Finanzdesaster. Was als Ausweg aus der Finanzsackgasse angepriesen wird, ist in der Regel nur teurer Nepp.<BR><BR>Eine wirkliche Vermittlung von Darlehen ist meist gar nicht beabsichtigt, erläutert das BKA. Worauf es Kredithaien ankommt, ist der eigene Geldbeutel: Gegen Vorkasse werden da Unterlagen verschickt, von denen Verschuldete glauben, es sei der ersehnte Kreditvertrag.<BR><BR>Oder es wird zunächst im Voraus eine Vermittlungsgebühr per Lastschrift eingezogen, die zwischen sechs und 20 Prozent der Kreditsumme beträgt. Ausbezahlt wird am Ende oft gar nichts. Abkassiert wird auch über teure Faxabrufe und 0190er-Nummern, über die wertlose Listen "schufafreier Banken" verschickt werden. <BR><BR>"Das läuft nach dem Prinzip ,selbst bei den Ärmsten lässt sich noch was herausholen", berichtet Rollnik.<BR>Richtig übel wird es, wenn Hilfesuchende mit folgender Masche vollständig in die Miesen hineingetrieben werden, wie die Beraterin Eva Raabe-Steinborn erzählt: Den völlig abgebrannten Verbrauchern werden Lebensversicherungen und andere Finanzprodukte aufgedrängt. Mit der unsinnigen Begründung, damit könnten Sicherheiten für das dringend benötigte Darlehen nachgewiesen werden. Die Kreditwürdigkeit bei den Banken steige. "Tatsächlich werden Schuldenberg und Verzweiflung nur noch größer, die Vermittler kassieren Provision", warnt die Verbraucherschützerin. <BR><BR>Für sie ist völlig klar: "Wer bei der Hausbank kein Geld mehr kriegt, bekommt es nirgends." Statt auf Anzeigen zu antworten, sollten sich Betroffene gleich direkt an die offiziellen, seriösen Schuldnerberatungsstellen der Wohlfahrtsverbände, Kommunen oder Kirchen wenden.<BR><BR>Bei diesen wird ihnen grundsätzlich kostenlos geholfen. "Wer merkt, er kommt nicht mehr allein aus den Miesen, sollte sich so schnell wie möglich Rat holen", betont Raabe-Steinborn.<BR>Doch auch diese Stellen haben einen Nachteil: Wegen des Riesenandrangs haben viele Stellen jedoch Wartezeiten von bis zu einem halben Jahr, wie Rollnik erklärt. <BR></P>

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