Ex-Südmilch-Chef Weber zu zwei Jahren Bewährungsstrafe verurteilt

- Stuttgart - Der frühere Südmilch-Chef Wolfgang Weber muss nicht ins Gefängnis. Er wurde in Stuttgart wegen Untreue zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Gleichzeitig muss Weber eine Geldauflage von 100 000 Euro zahlen. Den "Gefährdungsschaden" zu Lasten der Südmilch-Tochter Sachsenmilch bezifferte das Gericht auf 19,4 Millionen Euro.

<P>Strafmildernd würdigte die Kammer, dass der 68-jährige Weber nach über zehnjähriger Flucht auf seine Rinderfarm in Paraguay sich am 16. September selbst gestellt und ein umfassendes Geständnis abgelegt habe. Die Bewährungszeit dauert drei Jahre. Die Staatsanwaltschaft hatte vor dem Landgericht ebenfalls zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung gefordert. Webers Anwalt hatte auf eine Strafe unter zwei Jahren auf Bewährung plädiert.</P><P>Schon vor Beginn des Prozesses war in den Medien berichtet worden, dass Weber nur zurückgekehrt sei, weil ihm die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe auf Bewährung in Aussicht gestellt habe. Dazu meinte der Vorsitzende Richter: "Der Prozess hätte nicht stattgefunden, wenn sich Weber nicht gestellt hätte. Im Übrigen wäre seine Tat in drei Jahren verjährt gewesen."</P><P>Wichtigster Punkt des Prozesses war ein Kooperationsvertrag zum Transfer von Know How zwischen der Südmilch in Stuttgart und der Sachsenmilch in Leppersdorf bei Dresden. Die Verluste der Südmilch im Jahr 1991 sollten mit dem Geld aus dem Verkauf von Know How an die Sachsenmilch in Höhe von 38 Millionen DM ausgeglichen werden, meinte der Richter. Das Know How sollte ein Generalunternehmer liefern, der noch nie ein Milchwerk gebaut hatte. Der Richter sagte dazu: "Das Ganze hatte ein Geschmäckle." Die Staatsanwaltschaft hatte das gelieferte Know How als "völlig wertlos" bezeichnet.</P><P>Dem früheren Südmilch-Chef Weber sei bewusst gewesen, dass die geplante Zahlung von 38 Millionen DM ein Risiko bedeutete, das allein bei der Sachsenmilch gelegen habe. Der Richter sagte: "Dies nahm Weber billigend in Kauf." Die Vereinbarung über den Kauf des Know How habe einen Vermögensnachteil der Sachsenmilch dargestellt. Deshalb habe sich der Ex-Südmilch-Chef der Untreue zu Lasten der Sachsenmilch schuldig gemacht. Die Sachsenmilch ging im Juli 1993 in Gesamtvollstreckung. Dei Südmilch AG in Stuttgart stellte kurz darauf Vergleichsantrag. Staatsanwalt und Verteidigung verzichteten noch im Gerichtssaal auf Rechtsmittel.</P>

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