Kostenfalle Flugzeug: Der Preis einer Reise kann durch Gebühren um ein Mehrfaches steigen.

Extra-Gebühren: So kassieren "Billigflieger" ab

Auch wenn das Ticket billig war, muss es der Flug längst nicht werden. Gerade „Billigflieger“ treiben die Kosten nachträglich mit zusätzlichen Gebühren in die Höhe.

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Noch müssen Fluggäste beim Toilettenbesuch an Bord keine Münze einwerfen. Oder sich mit Stehplätzen begnügen, nachdem sie ihre Koffer eigenhändig aufs Rollfeld bis zum Jet geschleppt haben. Vorerst denken einige Billig-Fluglinien offenbar nur laut darüber nach, wohin die Reise im knallharten Preiskampf über den Wolken gehen könnte. Doch schon jetzt wird Passagieren mit Billigtickets von Ryanair, Easyjet, Pegasus & Co. viel abverlangt.

Was früher selbstverständlich war, geht nun extra – von der Bordverpflegung bis zum Koffermitnehmen. Mit immer neuen Sparideen versuchen die Anbieter, auf ihre Kosten zu kommen. Das sei „wie beim Autokauf“, verteidigt Ryanair-Chef Michael O’Leary das Konzept der „No frills-Airlines“, der Fluglinien ohne Schnickschnack. Die Kundschaft müsse sich unbedingt schlau machen, was die vielen Extra-Gebühren angeht, rät Kerstin Hoppe vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Durch zahllose Aufschläge kann der günstige Flugpreis schnell auf das Doppelte bis Dreifache steigen.

Check-in

Das Abkassieren fängt schon beim Einchecken an: Weil der Schalterbetrieb an Flughäfen teuer ist und schon bald Geschichte sein soll, müssen viele Kunden ihr Ticket jetzt selbst ausdrucken – und dafür auch noch um die 10 Euro Gebühr zahlen. Wer sich – wie manchmal gefordert – nicht eigenhändig einchecken will, muss für den Check-in vom Schalterprofi bis zu 40 Euro hinblättern, für die einfache Strecke.

Gepäck

Auch das Gepäck fliegt nicht mehr automatisch gratis mit. Aufgeben muss es der Passagier in vielen Fällen selbst – und dann noch happige Aufschläge zahlen. Für den ersten Koffer zwischen 5 und 30, den zweiten und dritten jeweils 20 Euro, immer abhängig vom Gebührenmodell der Airline.

Wer nicht genau auf die vorgegebenen Gewichtsgrenzen achtet, die manchmal deutlich unter den üblichen 20 Kilo Freigepäck liegen können, muss Übergepäck berappen. Jedes Pfund zählt. Sperrige Sportgeräte können extra berechnet werden, müssen aber nicht. Bei Ferienfliegern wie Tui fly ist Golfgepäck bis 30 Kilogramm beispielsweise kostenfrei, bei Pegasus kostet es 40 Euro pro Strecke.

Platzwahl

Weil einige Billiganbieter keine Plätze mehr vergeben, gilt beim Einsteigen immer häufiger die Faustregel: Wer zuerst kommt, sitzt zuerst. Wollen Passagiere ohne Gedrängel und Geschubse in Ruhe in den Flieger einsteigen und zusammensitzen, müssen sie einen Aufpreis zahlen. Das gilt auch, wenn Kleinkinder dabei sind. Wunschplätze sind oft nur per Online-Reservierung zwischen 9 und 15 Euro pro Person zu haben. Bei manchen Gesellschaften kostet ein Platz am Notausgang bis zu 60 Euro extra.

Verpflegung

Wenn der Flieger abhebt, sollten die Passagiere schon mal die Geldbörsen gezückt halten. Essen und Trinken gibt es in der Regel nur noch gegen Bares. Selbst Fluggäste mit hochpreisigen Pauschalarrangements können nicht darauf bauen, dass die Verpflegung automatisch im Preis mit drin ist. Wer etwa einen Billigflieger zum Robinson-Cluburlaub erwischt hat, muss für Golfgepäck, Essen und Getränke an Bord extra zahlen – auch wenn andere Touristen zur gleichen Ferienzeit mit demselben Pauschalpaket in einem deutschen Ferienflieger ohne einen Cent Aufschlag gereist sind, wie TUI-Sprecherin Alexa Hüner erläutert.

Das sei inzwischen „üblich“ und im Katalog so ausgewiesen. Pech gehabt, wenn man beim Buchen nicht auf die Airline geachtet hat. „Den Trend zum abgespeckten Service kann man nicht verhindern, aber nicht alles ist zulässig“, betont Hoppe.

Dazu gehören Kreditkarten-Gebühren bei Online-Buchungen. Fluggesellschaften dürfen ihre Kunden nicht mehr zur Kasse bitten, wenn diese mit Karte ihre Rechnung zahlen wollen, entschied vor kurzem das Kammergericht Berlin (Aktenzeichen: 23 U 243/08). Auch eine Rollstuhlumlage, Servicegebühren fürs eigenhändige Buchen, Kerosinzuschläge in Zeiten fallender Ölpreise oder der Trick mit der voreingestellten Reiseversicherung bei der Internetbestellung sind den Verbraucherschützern ein Dorn im Auge, wie Carmen Gahmig, Reiseexpertin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz betont. Sie empfiehlt, noch stärker als bisher auf den Endpreis inklusive Steuern zu achten und ihn dann mit dem einer Linienverbindung zu vergleichen. „Das kann viel Ärger ersparen.“

Von Berrit Gräber

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