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Viele Kassen zahlen einen Zuschuss für Präventivangebote, wie zum Beispiel Sportkurse.

Extras von der Krankenkasse

Um Kunden zu gewinnen, locken Krankenkassen mit allerlei Zusatzangeboten – von Wahltarifen über Beitragsrückerstattungen bis hin zu Ernährungskursen. Dabei lohnt es sich, auf Details zu achten.

Offensive Werbung der Krankenkassen stiftet in diesen Wochen bei vielen Menschen Verwirrung. Die Vermittlung von Facharztterminen wird angeboten, eine medizinische Hotline sowie Wahltarife, mit denen man Geld sparen soll. „Einige Versicherte lassen sich verleiten, landen plötzlich in einem Wahltarif und merken dann, dass dieser eine dreijährige Bindungsfrist beinhaltet“, so Kai Vogel, Gesundheitsexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Die jüngste Gesundheitsreform soll den Wettbewerb unter den Kassen stärken. Was dem Verbraucher das bringt und wie das System funktioniert, haben aber viele „noch nicht richtig verstanden“, sagt Vogel.

Über 90 Prozent der Krankenkassenleistungen sind gesetzlich vorgeschrieben. Wenig Spielraum bleibt für Zusatzangebote. Doch genau diese können im Einzelfall eine große Wirkung haben: „Es sind immer stärker individuelle Faktoren, die die Kassenwahl beeinflussen sollen“, sagt Vogel. Dies sollten Verbraucher wissen:

Service: Die gute Erreichbarkeit der Krankenkasse und eine qualitative Beratung – telefonisch oder vor Ort – sind wichtig. „Es lohnt sich, einen Testanruf bei der Hotline zu machen“, rät Vogel. Hilfe beim Vereinbaren von Facharztterminen, eine medizinische Hotline, die Fragen zu Impfungen oder Behandlungsmethoden klärt, sind wichtige Service-Faktoren.

Wahltarife: Pflicht-Wahltarife müssen alle Kassen anbieten. Sie sollen eine bessere medizinische Versorgung bewirken. Hausarztmodelle („Arzt als Lotse“), integrierte Versorgung (Verzahnung der gesamten Versorgung bei Krankheit) oder spezielle Behandlungsprogramme für chronisch Kranke gehören dazu. Meist nimmt man für ein Jahr teil. Bei freiwilligen Wahltarifen gilt dagegen eine dreijährige Bindungsfrist, in der man nicht die Kasse wechseln darf. Dazu gehören Selbstbehalttarife, bei denen man einen Eigenanteil bezahlt und dafür eine Prämie erhält. Muss man dann doch zum Arzt, zahlt man allerdings schnell drauf. Beitragsrückerstattungs-Angebote sind sicherere Geldspar-Modelle. Benötigt man keinen Arzt, erhält man Geld zurück: Die Techniker gewährt bis zu einem Monatsbeitrag im Jahr, maximal rund 547 Euro. Bei der DAK sind die Erstattungen gestaffelt: 300 Euro im ersten Jahr, 420 im zweiten und 540 im dritten. Bei der Barmer gibt es dagegen nur maximal 200 Euro im dritten Jahr ohne Arztbesuch.

Präventionsangebot: Zahlreiche Sport-, Entspannungs- oder Ernährungskurse werden von den meisten Kassen finanziell bezuschusst. In der Regel erhält man 80 Prozent der Kursgebühren erstattet, wenn man sie bei einem zertifizierten Anbieter absolviert. Barmer und Techniker bezahlen zwei Kurse pro Jahr; die AOK-Bayern, die Gmünder Ersatzkasse und die Deutsche BKK dagegen vier.

Extras: Viele Leistungen werden nur von einzelnen Kassen angeboten: Die Barmer bietet erweiterte Kostenübernahme für Hospize an, die Techniker eine Transplantations-Hotline, die DAK hat Sonderprogramme für übergewichtige Kinder, die AOK-Bayern bietet einen Dolmetscherservice. Im Einzelfall können auch Modellprojekte interessant sein, bei denen Behandlungsmethoden bei bestimmten Krankheitsbildern getestet werden, beispielsweise ein Projekt zur Qualitätssicherung in der Brustdiagnostik der Barmer oder ein Projekt zur ambulanten Palliativversorgung der Deutschen BKK. Woher man weiß, welche Kasse was anbietet? „Anrufen und nachfragen“, rät Vogel. Den eigenen Krankheitszustand kann man ohne Scheu schildern. Denn anders als bei den privaten Versicherern müssen die Kassen jeden aufnehmen.

Mehr Informationen gibt es unter der Fax-Abrufnummer 09001/25 26 65 51 40 (6 Seiten, 1 Minute = 0,62 Euro) bis 8. Mai. Das Fax-Gerät auf „Polling“ oder „Sendeabruf“ stellen, Fax-Service-Nummer wählen und Starttaste drücken. Kein Fax? Dann senden Sie einen mit 0,90 Euro frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort „Extraleistungen der gesetzlichen Krankenkassen“ an: Versandservice, Lerchenstr. 8, 86938 Schondorf.

Annette Jäger 

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