1. Startseite
  2. Wirtschaft

EZB-Direktorin Schnabel: Klimawandel ist für Finanzsystem „beispielloses Risiko“

Erstellt:

Kommentare

EZB-Direktorin Schnabel
EZB-Direktorin Schnabel © Bernd von Jutrczenka / dpa

Banken müssen sich nach Ansicht von EZB-Direktorin Isabel Schnabel noch stärker als bislang mit Klimarisiken befassen.

Frankfurt am Main - "Der Klimawandel ist auch für das Finanzsystem ein beispielloses Risiko", sagte Schnabel dem Magazin "Focus". Rund ein Drittel der Kredite, die die Banken der Eurozone derzeit an Unternehmen ausgereicht haben, seien Risiken wie Extremwetter-Ereignissen "in hohem oder steigendem Maße" ausgesetzt.

Die Kredite könnten demnach ausfallen, wenn die Firmen von Hochwasser, Waldbränden oder Dürren betroffen sind oder wenn sie aufgrund des Klimawandels ihr Geschäftsmodell umbauen müssen. Das zeigt laut "Focus" ein makroökonomischer Stresstest, für den die Europäische Zentralbank (EZB) Daten von 2000 Banken und vier Millionen Unternehmen ausgewertet hat. Weitere Details dazu will die EZB demnächst veröffentlichen.

Noch würden die Geldinstitute sich allerdings nicht ausreichend mit Klimarisiken auseinandersetzen, sagte Schnabel. "Erste Analysen zeigen, dass bislang kein einziges Institut die Anforderungen vollständig erfüllt."

Die Ökonomin verteidigte die neue Strategie der EZB, den Klimaschutz künftig stärker bei ihren geldpolitischen Entscheidungen zu berücksichtigen. "Der Klimawandel hat tiefgreifende Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung und damit auf die Preisstabilität - das ist also unser Kerngebiet", sagte sie dem "Focus".

Noch erwirbt die EZB laut Bericht im Zuge ihrer Anleihekaufprogramme besonders viele Papiere von Unternehmen mit einem hohen CO2-Ausstoß. Das soll sich ändern: "Zum Beispiel könnten wir in Zukunft verstärkt Anleihen von Unternehmen kaufen, die sich den Zielen des Pariser Klimaabkommens verpflichten und damit zeigen, dass sie bereit sind, ihr Geschäftsmodell anzupassen", sagte Schnabel. Dass die EZB nur noch grüne Anleihen kauft, schloss sie allerdings aus. "Ein rein grünes Anleihekaufprogramm wäre derzeit unrealistisch." Auch wenn der Markt rasant wachse, gebe es dafür noch immer viel zu wenig grüne Anleihen.

ilo/cp

Auch interessant

Kommentare