EZB: Pause vor weiteren Zinserhöhungen

- Frankfurt/Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat nach ihrer Zinserhöhung vom Dezember eine Verschnaufpause eingelegt, steuert jedoch auf weitere Zinserhöhungen in den nächsten Monaten zu. "Wir werden alle Entwicklungen sehr genau beobachten und tun alles, was notwendig ist", sagte Notenbank-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Frankfurt und betonte auf Nachfragen mehrfach das Wort "sehr".

Der 18-köpfige EZB-Rat habe einstimmig entschieden, den wichtigsten Leitzins in der Eurozone zunächst bei 2,25 Prozent zu belassen. Die Erwartungen von Volkswirten wurden damit bestätigt.

Vor einem Monat hatte die Notenbank die Leitzinsen erstmals seit fünf Jahren moderat um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Die Zinsen liegen damit historisch betrachtet weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau und erleichtern den Unternehmen die Kreditaufnahme. Seither habe sich die Einschätzung bestätigt, dass das Wirtschaftswachstum in der Eurozone Schritt für Schritt auf die unter günstigen Umständen möglichen Zuwachsraten zusteuere, sagte Trichet. Die meisten Experten rechnen daher für Anfang März mit einer erneuten Zinserhöhung. Trichet hatte sich früher bereits gegen eine Serie von Anhebungen Monat für Monat wie in den USA ausgesprochen. "Unsere Botschaft ist angekommen", meinte der Notenbanker.

Angesichts des abgeschwächten Wachstums im vierten Quartal 2005 in Deutschland sagte Trichet, er erkenne keine Umkehr des konjunkturellen Aufwärtstrends im Euroraum. Allerdings blieben die stark schwankenden Ölpreise auf ihrem gegenwärtig hohen Niveau ein Risiko sowohl für das Wachstum als auch die Inflation. Auch müsse abgewartet werden, wie sich das Vertrauen der Konsumenten entwickele. Die britische Notenbank Bank of England hatte ihren Leitzins am Donnerstag ebenfalls unverändert gelassen, allerdings auf dem relativ hohen Stand von 4,5 Prozent.

Wenige Wochen vor Beginn der Tarifverhandlungen in der deutschen Metall- und Elektroindustrie ermahnte Trichet die Tarifparteien in der Eurozone erneut, keine übertriebenen Forderungen zu stellen. Hohe Abschlüsse würden sich negativ auf die Inflationsentwicklung auswirken und damit auch die Verbraucher belasten. "Wir verteidigen die Kaufkraft aller Haushalte", sagte Trichet. Aufgabe der EZB ist die mittelfristige Sicherung der Preisstabilität. Darunter versteht die Notenbank eine Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent. Im Dezember hatte sie im Euroraum bei 2,2 Prozent gelegen.

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