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Scharfe Kritik: Die Bundesregierung sehe tatenlos zu, wie Sparer durch die EZB-Politik Geld verlieren, so Nikolaus von Bomhard.

Harte Konkurrenz

EZB-Strafzinsen: Münchener Rück lagert Gold und Bargeld ein

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München - Niedrige Zinsen, harte Konkurrenz und das Sorgenkind Ergo drücken bei der Münchener Rück aufs Ergebnis. Der Rückversicherer stellt sich auf den dritten Gewinnrückgang in Folge ein – und beginnt Bargeld einzulagern.

Die Geldaufbewahrung im Tresor statt bei der Europäischen Zentralbank (EZB) ist nicht nur für so manche Sparkasse ein Thema: Auch die Münchener Rück will eine zweistellige Millionensumme Bargeld in zwei Währungen einlagern. Das kündigt Nikolaus von Bomhard, Chef des weltgrößten Rückversicherers, am Mittwoch in München an. Als Folge der negativen Zinsen habe man sich bereits Goldreserven zugelegt, nun folge Bargeld. „Es handelt sich um einen Test, schließlich entstehen auch hier Kosten für den Transport, die Einlagerung und die Versicherung“, erklärt Bomhard.

Ein drastischer Schritt, der deutlich macht, wie hart die Geldpolitik der EZB nicht nur Sparer, sondern auch Unternehmen wie den Rückversicherer trifft. Das zeigen auch die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr – und die verhaltenen Prognosen. Für das laufende Jahr gibt Bomhard ein Gewinnziel zwischen 2,3 und 2,8 Milliarden Euro aus. Im vergangenen Jahr waren es noch 3,1 Milliarden Euro. Damit wurde das Gewinnziel 2015 zwar übertroffen, dennoch ist das Ergebnis seit nunmehr zwei Jahren rückläufig. Bleibt die EZB bei ihrer Politik, dürfte sich daran auch künftig nichts ändern, so Bomhard. „Wenn die Zinsen nicht bald steigen, werden wir Federn lassen – bis ins Ergebnis hinein.“ Höhere Risiken werde man nicht eingehen, um die schrumpfenden Zinseinnahmen zu kompensieren, versichert Bomhard.

Wie stark sich die niedrigen Zinsen bereits jetzt auf die Bilanz auswirken, zeigt das Kapitalanlage-Ergebnis des Konzerns, das im vergangenen Jahr mit 7,5 Milliarden Euro bereits sechs Prozent weniger abwarf als 2014. Für das 2016 rechnet Bomhard mit einem weiteren Rückgang auf 7 Milliarden Euro.

Aktionäre tröstet der Versicherungsriese mit höherer Dividende

Zwei weitere Gründe für die getrübten Aussichten sind der harte Wettbewerb auf dem Rückversicherungsmarkt und das Sorgenkind der Gruppe: der Erstversicherer Ergo. Das Tochterunternehmen aus Düsseldorf hat 2015 (nach Abschreibungen auf Firmenwerte) rote Zahlen geschrieben. Markus Rieß, der 2015 von der Allianz zu Ergo wechselte, soll nun das Unternehmen umbauen. Details sollen noch im ersten Halbjahr 2016 bekannt gegeben werden. Bereits jetzt ist klar: Billig wird das nicht. „Wir hoffen aber trotz der Kosten unser Gewinnziel zu erreichen“, sagt Bomhard.

Die Aktionäre tröstet der Versicherungsriese mit einer höheren Dividende und einem erneuten milliardenschweren Aktienrückkaufprogramm. Nach der Hauptversammlung 2016 im April bis zum Aktionärstreffen 2017 will das Unternehmen bis zu 11 Millionen eigene Aktien im Wert von 1 Milliarde Euro zurückkaufen. Wie bereits im Februar bei der Bekanntgabe der vorläufigen Geschäftszahlen bekannt wurde, soll die Dividende von 7,75 Euro je Aktien auf 8,25 Euro steigen.

Trotz Niedrigzins, hartem Wettbewerb und hausgemachten Problemen bleibt Bomhard optimistisch was die Zukunft angeht. „Für Rückversicherer entstehen aus Risiken aber auch immer Opportunitäten“, sagt der Vorstandschef, der selbst bald von Bord geht. Am Dienstag war bekanntgeworden, dass Bomhard seinen Posten 2017 an seinen Vorstandskollegen Joachim Wenning abgeben wird. Sein Abtritt habe ausschließlich mit seiner persönlichen Lebensplanung zu tun, betont Bomhard. „Ich gehe nicht weil es immer schwieriger wird, aber zugegeben: Das Umfeld ist heftig.“

Einen Einzug in den Aufsichtsrat schließt er zudem nicht aus. Es würden allerdings noch keine Gespräche laufen, so Bomhard. Hält er die übliche Abkühlphase ein, wäre die Übernahme des Postens als Chefkontrolleurs in drei Jahren möglich – um nicht zu sagen wahrscheinlich.

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