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In Deutschland verharrte die Inflation im Oktober mit 0,8 Prozent im vierten Monat in Folge auf ihrem Jahrestief. Foto: Jens Büttner

Düstere Aussichten: Experten appelieren an Bundesregierung

Berlin/Washington (dpa) - Angesichts der eingetrübten Konjunkturaussichten verlangt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) von der Bundesregierung einen Aktionsplan für mehr Wachstum.

"Es wird Zeit für ein umfassendes Aufbruchssignal, den Investitionsstau in Deutschland zu lösen", sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer der "Welt" (Donnerstag). Auch die USA appellierten an Deutschland, die Wirtschaft anzukurbeln.

Die fünf Wirtschaftsweisen hatten am Mittwoch ihre Konjunkturprognose für Deutschland für 2014 deutlich von 1,9 Prozent auf 1,2 Prozent gesenkt. Für 2015 erwarten die Ökonomen nur noch ein Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent.

Zunächst solle die Regierung einen sofortigen Stopp für weitere Belastungen verhängen, forderte der DIHK. Zweitens sollten Union und SPD ein Programm auflegen, um Investitionen zu mobilisieren. Drittens müssten staatliche Investitionen erhöht werden - vor allem müsse mehr Geld in Infrastruktur wie Verkehrswege fließen, verlangte DIHK-Chef Schweitzer.

US-Finanzminister Jack Lew forderte die Bundesregierung auf, für eine stärkere wirtschaftliche Nachfrage zu sorgen und den Sparkurs zu lockern. Eine "Politik des Status quo" habe nicht zu starkem, nachhaltigem Wachstum geführt, sagte Lew dem "Wall Street Journal" zufolge in einer Rede vor dem World Affairs Council in Seattle. Die Welt könne sich ein verlorenes europäisches Jahrzehnt nicht leisten.

In einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) senkten 61 befragte Experten ihre Wachstumsprognosen. Die Fachleute gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Währungsraum in diesem Jahr um 0,8 Prozent (bisher 1,0 Prozent) wachsen wird. 2015 sollen es 1,2 Prozent (1,5 Prozent) sein.

Weitere Gefahr für die Konjunktur geht von der schwachen Inflation im Euroraum aus. Die von der EZB befragten Ökonomen schätzen, dass der Preisauftrieb im Euroraum auf Jahre gering bleiben und noch schwächer ausfallen wird, als bislang angenommen. Niedrige Inflationsraten können die Konjunktur zusätzlich bremsen: Unternehmen und Verbraucher könnten in Erwartung weiter sinkender Raten Investitionen und Konsum aufschieben.

In Deutschland verharrte die Inflation im Oktober mit 0,8 Prozent im vierten Monat in Folge auf ihrem Jahrestief und dem niedrigsten Stand seit Februar 2010. Grund ist vor allem der starke Rückgang der Preise für Heizöl und Sprit auf Jahressicht.

EZB-Monatsbericht

Mitteilung Inflation Deutschland 10/2014

Bundesamt zu vorläufigen Zahlen Inflation 10/2014

Eurostat zur Inflation im Euroraum 10/2014

Hintergründe und Informationen zur Verbraucherpreisstatistik

WSJ-Bericht

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