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Der Börsengang von Facebook ist ein Desaster: Ein erster Anleger klagt bereits.

Facebook-Börsengang: Erster Anleger klagt

New York - Ging beim Börsengang von Facebook alles mit rechten Dingen zu? Einige Anleger sind der Überzeugung, sie wurden abgezockt. Ein erster Anleger hat jetzt Klage eingereicht.

Der verpatzte Börsengang von Facebook wird zum Fall für Aufsichtsbehörden und Gerichte. Die US-Börsenaufsicht SEC will die Umstände der Aktienplatzierung untersuchen. Ein Anleger reichte bereits Klage ein. Die Aktie fällt unterdessen immer weiter: Am dritten Handelstag sackte sie um rund 9 Prozent auf 31 Dollar ab. Während Facebook und die Alteigentümer 16 Milliarden Dollar einnahmen, verlor ein Investor, der ihnen die Aktien zum Ausgabepreis von 38 Dollar abgekauft hatte, bis Dienstagabend 18 Prozent seines Geldes.

Nachbörslich ging es für die Facebook-Aktie am Dienstag noch tiefer runter auf 30,50 Dollar. Damit legt das das weltgrößte Online-Netzwerk mit seinen inzwischen mehr als 900 Millionen Mitgliedern einen der übelsten Börsengänge der vergangenen Jahre hin. Im frühen New Yorker Handel legte das Papier am Mittwoch dann um rund 3,5 Prozent auf 32,08 Dollar zu. Damit ergibt sich allerdings immer noch ein deutlicher Abschlag zum Ausgabekurs von 38 Dollar.

Überdies rücken angebliche Mauscheleien Facebook und die am Börsengang beteiligten Banken in ein schlechtes Licht. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg muss sich auf einen juristischen Schlagabtausch einstellen.

Kritik: Wichtige Infos zum Geschäft verschwiegen

Die Kanzlei Glancy Binkow & Goldberg aus Los Angeles reichte am Dienstag bereits Klage vor einem kalifornischen Gericht ein. Die Anwälte werfen Facebook und den Banken im Namen ihres Mandanten vor, die Börsenunterlagen schlampig zusammengestellt und wichtige Informationen zum Geschäft und dessen Aussichten verschwiegen zu haben. Die Kanzlei fordert Wiedergutmachung im Namen aller Geschädigten.

Die Anwälte werfen der Gegenseite insbesondere vor, verheimlicht zu haben, dass die beteiligten Banken kurz vor dem Börsengang ihre Gewinnprognosen für das Soziale Netzwerk gesenkt hätten. Namentlich werden Morgan Stanley, JPMorgan Chase und Goldman Sachs aufgeführt. Das sind die drei sogenannten „Lead Underwriter“, also die wichtigsten Organisatoren des Börsengangs.

Bei ihren Vorwürfen stützen sich die Anwälte auf US-Medienberichte, unter anderem vom „Wall Street Journal“. Demnach haben nur eine Handvoll ausgewählter Kunden der Banken von den gesenkten Erwartungen an das künftige Facebook-Geschäft erfahren. Entsprechend vorsichtig seien diese Kunden dann beim Kauf von Facebook-Aktien geworden. Die Facebook-Hauptbank Morgan Stanley erklärte am Dienstag, alle Regularien eingehalten zu haben.

Das Blog „Business Insider“ ging am Dienstag sogar noch einen Schritt weiter: Ein Facebook-Manager habe den Analysten dazu geraten, ihre Vorhersagen nach unten zu korrigieren, hieß es unter Berufung auf eine ungenannte Quelle.

Ursprünglich sollte die Aktie für 28 bis 35 Dollar ausgegeben werden

Damit wirkt der Vorwurf, die Banken hätten sich bei der Nachfrage verschätzt und zu viele Papiere auf den Markt geworfen, noch am harmlosesten. Ursprünglich hatte Facebook einen Stückpreis zwischen 28 und 35 Dollar angepeilt. Dann jedoch stockte das Unternehmen den Ausgabepreis und die Zahl der Aktien kräftig auf - was sich nun als fataler Fehler herausstellt. Nach Informationen des „Wall Street Journal“ war es die Entscheidung von Facebook-Finanzchef David Ebersman, die Zahl der angebotenen Aktien um ein Viertel zu erhöhen. Zuvor habe ihm Morgan Stanley allerdings versichtert, dass die Nachfrage sehr hoch sei.

Nach Daten des Anbieters Dealogic, die das „Wall Street Journal“ veröffentlichte, ist kein anderer US-Börsengang im Milliardenbereich seit fünf Jahren so miserabel gelaufen. Das nächst schlechtere Unternehmen, der Vermögensverwalter Och-Ziff, war im Jahr 2007 nach drei Handelstagen auf ein Minus von 13 Prozent gekommen. Unter den Börsenverlierern findet sich auch der enge Facebook-Partner und Spieleentwickler Zynga mit minus 8 Prozent.

Die Technologiebörse Nasdaq gestand jetzt auch noch ein, sie hätte den Börsengang lieber abgeblasen, wenn ihr vorher das gesamte Ausmaß der technischen Probleme bewusst gewesen wäre. Wegen der Fehlfunktion wussten Anleger am Freitag zum Teil über Stunden nicht, ob ihre Aufträge erfüllt worden waren.

dpa

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