Damit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (r.) eine Krawatte anzieht, muss schon US-Präsident Barack Obama (l.) zu Besuch in die Firmenzentrale im kalifornischen Palo Alto kommen. Foto: Ap

Facebook - das Milliarden-Netzwerk

Palo Alto - Es ist ein raketenhafter Aufstieg: Vom kleinen Start-up-Unternehmen hat sich Facebook zu einer Multimilliarden-Dollar-Firma entwickelt. Doch es gibt erste Stimmen, die vor einer neuen Internet-Blase warnen. Auch die Fragen des Datenschutzes werden drängender.

Es ist so etwas wie der Ritterschlag: Der US-Präsident besucht die Zentrale von Facebook im amerikanischen Palo Alto. So wichtig nimmt Barack Obama das soziale Netzwerk inzwischen, dass er es vergangene Woche für einen der ersten Auftritte seiner Wiederwahl-Kampagne nutzt. „Mein Name ist Barack Obama und ich bin der Typ, der Mark dazu gebracht hat, ein Sakko und eine Krawatte zu tragen“, scherzt der Präsident. Mark, das ist Mark Zuckerberg, 26, Gründer von Facebook und wohl der jüngste Selfmade-Milliardär der Geschichte. Wenn ihn nicht der Präsident besucht, trägt er seine Markenzeichen: Badeschlappen und Kapuzenpullover.

So saß Zuckerberg auch in seinem Wohnheimzimmer an der Elite-Universität Harvard, als er 2004 das Netzwerk Facebook austüftelte. Die Idee war einfach: eine Plattform, auf der sich Studenten vernetzen und miteinander kommunizieren können. Doch was als exklusiver Zirkel begann, ist inzwischen das größte Netzwerk der Welt. Mehr als 550 Millionen Menschen haben ein Profil bei Facebook - allein in Deutschland sollen es fast 18 Millionen sein. Und es werden immer mehr.

Sie alle stellen Facebook freiwillig ihre Daten zur Verfügung: Name, Geschlecht, Alter, Beziehungsstatus, Hobbys. Sie weisen sich gegenseitig auf Seiten und Videos im Netz hin, zeigen die Fotos ihrer letzten Reise oder schreiben über ihre Befindlichkeiten. Diese Informationen sind das Kapital von Facebook: Unternehmen können im Netzwerk ganz gezielt werben. Dass viele Investoren diese Daten für extrem wertvoll halten, zeigt die Bewertung von Facebook. Was als Start-up-Unternehmen mit einem Budget von 1000 Dollar angefangen hatte, soll inzwischen bis zu 80 Milliarden Dollar wert sein. Zwar wird Facebook nicht an der Börse gehandelt, doch immer wieder konnten einzelne Banken und Anleger Anteile kaufen. Es wird spekuliert, Facebook könnte nächstes Jahr an die Börse gehen.

Doch einigen Investoren wird der rasant steigende Wert von Facebook langsam unheimlich. Angeblich gibt es eine Gruppe von Anlegern, die ihre Anteile im Wert von einer Milliarde Dollar wieder loswerden wollen. Sie fürchten, die hohen Summen, die derzeit für Internetfirmen gezahlt werden, könnten eine Blase sein - ähnlich der Dot-Com-Blase zu Beginn des Jahrtausends. Tatsächlich stützt sich die Bewertung von Facebook hauptsächlich auf Hoffnungen für die wirtschaftliche Entwicklung. Denn im vergangenen Jahr machte Facebook laut der Nachrichtenagentur Reuters in den ersten zehn Monaten nur einen Umsatz von 1,2 Milliarden und einen Gewinn von 355 Millionen US-Dollar. Da ist ein Firmenwert von 80 Milliarden schwer zu rechtfertigen. Facebook gibt selbst keine offiziellen Zahlen bekannt.

Wie fragil der Erfolg von Internetunternehmen und insbesondere sozialen Netzwerken ist, hat man in der Vergangenheit oft gesehen. Wie schnell die Internet-Gemeinde weiterzieht, hat auch der australische Medienmogul Rupert Murdoch erleben müssen. Er hatte mit seiner News Corporation mehr als eine halbe Milliarde in das Netzwerk Myspace investiert. Damals galt diese Plattform als Platzhirsch der sozialen Netzwerke, inzwischen ist es in der Bedeutungslosigkeit verschwunden, weil viele Nutzer zu Facebook wechselten. Damit es Zuckerbergs Netzwerk nicht genauso ergeht, muss Facebook insbesondere auf seinen Ruf in Sachen Datenschutz achten (siehe Kasten). Der Datendiebstahl bei Sony und die Empörung über die Speicherung von Bewegungsdaten bei Apples iPhone haben gezeigt, wie sensibel die Nutzer bei diesem Thema sind. Sollte Facebook einen ähnlichen Daten-GAU erleben, würden wahrscheinlich viele dem Netzwerk wieder den Rücken kehren - wohl auch Barack Obama.

Von Philipp Vetter

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