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Vor allem im Handwerk und in der Altenpflege herrscht Fachkräftemangel.

Vorwürfe vom IG-Metall-Chef

Fachkräftemangel bei Altenpflege und im Handwerk

Berlin - In der Altenpflege und im Handwerk gibt es einen eklatanten Mangel an Fachkräften. Der Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel, erhebt deshalb schwere Vorwürfe gegenüber der Politik.

In der Altenpflege droht nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit (BA) ein verschärfter Fachkräftemangel. „Es gibt derzeit einen gravierenden bundesweiten Mangel an Altenpflegekräften“, sagte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker der „Welt“ vom Mittwoch. Damit sich die Engpässe nicht weiter verstärkten, müsse nun gehandelt werden: „Wir müssen die Situation entschärfen.“

Laut einer neuen Analyse, die der Zeitung vorliegt, mangelt es vor allem an ausgebildeten, examinierten Fachkräften, die eine Berufsausbildung von mindestens zwei bis drei Jahren durchlaufen haben. Bei Altenpflegehelfern, die maximal ein Jahr ausgebildet wurden, zeigen sich demnach aktuell keine Engpässe.

Auf 100 gemeldete Stellen kommen nur 42 arbeitslose Altenpflegefachkräfte

Die Zahl der gemeldeten Stellen für examinierte Altenpflegekräfte habe die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen im Januar „deutlich überschritten“, heißt es nach Angaben der Zeitung in der Analyse weiter. Im Schnitt der vergangenen zwölf Monate seien auf 100 gemeldete Stellen nur 42 arbeitslose Altenpflegefachkräfte gekommen.

Neben einer verstärkten Anwerbung von ausländischen Pflegekräften setzt Becker auf bessere Arbeitsbedingungen in der Altenpflege. „Die Anforderungen an das Personal sind sehr hoch. Das macht sich durch lange Arbeitszeiten sowie große körperliche und psychische Belastungen bemerkbar. Ich glaube auch, man muss über die Bezahlung in diesem Beruf nachdenken.“

"Wir brauchen einen ehrlichen Dialog von Gewerkschaften, Politik und Arbeitgebern"

Der Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel, hat der Politik unterdessen vorgeworfen, zu wenig gegen das Problem des Fachkräftemangels in Deutschland zu tun. „Anstelle von Ankündigungspolitik und ideenlosen Gipfeltreffen brauchen wir einen ehrlichen Dialog von Gewerkschaften, Politik und Arbeitgebern“, sagte Wetzel der Deutschen Presse-Agentur. Er fügte hinzu: „Die IG Metall steht dafür zur Verfügung.“

Das Bundeskabinett will am Mittwoch ab 9.30 Uhr den von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) vorgelegten Fortschrittsbericht 2013 zum Fachkräftekonzept verabschieden. Zuletzt hatte das Handwerk über Schwierigkeiten geklagt, Nachwuchs zu finden.

Im bayerischen Handwerk fehlt der Nachwuchs

Allein im vergangenen Jahr blieben allein in Bayern gut 4200 Ausbildungsplätze unbesetzt. Das seien 13,5 Prozent des Lehrstellenangebots, wie der Bayerische Handwerkstag mitteilte. Besonders stark sei das Bäckerhandwerk und der Bau betroffen. „Der Schuh drückt uns gewaltig. Die Azubis, die wir heute nicht finden, sind die Fachkräfte, die uns morgen fehlen“, warnte Sprecher Rudolf Baier.

Gravierend sei die Situation in den Ballungsgebieten. In Städten wie München, Augsburg oder Ingolstadt hätten es die Handwerksbetriebe besonders schwer, Berufsanfänger zu finden. In München gebe es mittlerweile einen Ausbildungsakquisiteur, der speziell junge Menschen mit Migrationshintergrund anspricht.

An der Sicherung der Fachkräfte entscheide sich die Zukunft der Wirtschaft

Der IG-Metall-Vorsitzende Wetzel forderte auch die Unternehmen auf, ihre Personalpolitik auf die neuen Herausforderungen umzustellen. Für fehlende Fachkräfte in bestimmten technischen Berufen seien andere Lösungen nötig als bei Arbeitsplatzlücken in Dienstleistungsberufen, erläuterte er. In dem einen Fall müssten spezielle Qualifikationen gefördert werden, im anderen seien schlechte Arbeitsbedingungen zu verbessern.

An der Sicherung der Fachkräfte entscheide sich die Zukunft der deutschen Wirtschaft, warnte Wetzel: „Das gelingt nur, wenn man die Beschäftigten beteiligt und ihnen mehr Rechte einräumt - zum Beispiel mit tarifpolitisch verankerten Ansprüchen auf Qualifizierung und vor allem mit mehr Mitbestimmung.“

dpa

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