Fachkräftemangel in Bayern verschärft

München - Schneller als erwartet hat der Fachkräftemangel die bayerische Wirtschaft getroffen. In vielen Firmen bleiben offene Stellen unbesetzt, weil es keine oder keine geeigneten Bewerber gibt.

Der rasante Wirtschaftsaufschwung hat den Fachkräftemangel in Bayern deutlich verschärft. Mehr als 40 Prozent der bayerischen Firmen fänden zur Zeit keine geeigneten Mitarbeiter, berichtete der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) am Dienstag in München nach einer Umfrage unter 3800 Unternehmen. “Selbst bei Stellen ohne Qualifizierungsbedarf stoßen die Unternehmen auf Schwierigkeiten bei der Besetzung“, sagte BIHK-Chef Peter Driessen. Insgesamt rechnet er in den nächsten Jahren mit Zehntausenden neuen Jobs in der bayerischen Wirtschaft. Bei einem Viertel der befragten Firmen bleiben offene Stellen aber unbesetzt, weil es erst gar keine Bewerber gibt.

Von dem Problem ist auch die IHK München selbst betroffen: Auf eine Stellenausschreibung für einen IT-Experten habe sie seit Herbst keine Bewerbung erhalten, sagte Driessen. Einzelne Firmen müssten bereits Aufträge ablehnen, weil sie sie mangels Personal nicht erfüllen könnten. Im vergangenen Jahr hatte sich die bayerische Wirtschaft stärker als erwartet von der schweren Krise erholt. Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht: In der Umfrage beurteilten die Firmen ihre Geschäftslage so gut wie seit zehn Jahren nicht mehr. “Die Sonne scheint über Bayern“, sagte Driessen. Auch der Blick in die Zukunft fällt trotz des Fachkräftemangels und finanziellen Belastungen durch hohe Rohstoffpreise zuversichtlich aus. Nur neun Prozent der Firmen rechnen mit einem Abwärtstrend. Um offene Stellen zu besetzen, wollen die Firmen sich vor allem in der Weiterbildung engagieren.

Jedes fünfte Unternehmen kündigte aber auch an, mehr ältere Arbeitnehmer zu beschäftigen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Starre Regelungen zur Förderung von Frauen sind aus Sicht der Industrie- und Handelskammern aber der falsche Weg. “Eine Quote lehnen wir ab“, sagte Driessen. Der Mangel an Frauen in Führungspositionen resultiere daraus, dass sich viele Frauen in den für die Karriere entscheidenden Jahren der Kindererziehung widmeten und damit den Anschluss verpassten. Dieses Problem müsse durch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und mehr Ganztagesbetreuung gelöst werden. In Politik und Wirtschaft wird derzeit darüber diskutiert, wie mehr Frauen in Top-Positionen gebracht werden können. Bundeskanzlerin Angela Merkel stoppte einen Vorstoß von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU), eine 30-Prozent-Quote für große Unternehmen einzuführen. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) ist für eine “gesetzliche Pflicht zur Selbstverpflichtung“, wenn es bis 2013 nicht gelungen ist, den Anteil von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten zu verdreifachen.

dpa

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