Erdogan rüffelt Gabriel: "Beachten Sie Ihre Grenzen!"

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Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer des BIHK.

IHK-Fachkräftemonitor 2015

Fachkräftemangel: Trend zum Akademiker statt Azubi

München – Bis 2030 könnte in Bayern jede zehnte Stelle einer Fachkraft unbesetzt bleiben. Auch, weil der Frauenanteil in vielen technischen Berufen noch niedriger ist als bislang angenommen.

Deutschland hat viele Exportschlager – doch besonders neidisch ist man in den vielen Ländern auf das duale Bildungssystem: Studium und Lehre ergänzen sich bislang sehr gut. Doch glaubt man dem Philosophie-Professor und Ex-Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin droht dem Erfolgsmodell ein jähes Ende. Mit seiner neuen Streitschrift mit dem Titel „Akademisierungswahn“ tingelt der einstige SPD-Politiker aktuell durch die TV-Talkshows. Die These ist klar: Durch einen von der Politik befeuerten „Akademisierungswahn“ drohe Deutschland ein immenser Fachkräftemangel. Tatsächlich wollen heute fast sechs von zehn Schulabgängern ein Studium beginnen – 1970 waren es nur elf Prozent.

Trend zum Studium statt Ausbildung

Kein Wunder also, dass der Trend zu Studium statt Ausbildung auch bei der Vorstellung des bayerischen IHK-Fachkräftemonitors 2015 am Dienstag eine Rolle spielte. Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK), machte unmissverständlich klar, was er davon hält: Es gebe bereits heute nicht genügend Arbeitsplätze für Akademiker, um die Hälfte der Schulabsolventen damit zu versorgen – und daran werde sich auch in Zukunft nichts ändern. Er rät: „Die jungen Menschen müssen vor einem Studium unbedingt schauen, ob sie damit auch einen passenden Arbeitsplatz bekommen.“

In Ostdeutschland droht Azubi-Mangel

Vor allem in Ostdeutschland drohe ein massiver Azubimangel. Selbst dem wirtschaftlich starken Sachsen drohe mittlerweile Ungemach, wenn von den ohnehin immer weniger werdenden Schulabsolventen ein großer Teil unbedingt ein Studium beginnen wolle. Im Freistaat sei das Problem bislang weniger gravierend.

Denn in Bayern erreichen nur rund 36 Prozent eines Jahrgangs überhaupt die Hochschulreife. Damit liegt der Flächenstaat auf Platz 15 der 16 Bundesländer, wie Berliner Sozialforscher erst jüngst ermittelten. Entsprechend größer ist demnach die Zahl der Jugendlichen, die eine Lehre beginnen. Doch auch im Freistaat herrscht der IHK zufolge insbesondere in vielen technischen Bereichen ein zunehmender Mangel an qualifiziertem Personal. Bayernweit erwartet die Kammer, dass 2015 auf das Jahr gerechnet etwa 132 000 Fachkräfte fehlen. 2,9 Prozent der Expertenstellen seien heute schon unbesetzt, im Jahr 2030 soll es den Prognosen der Kammer zufolge bereits jede zehnte sein. In Oberbayern gebe es derzeit 53 000 Fachkräfte-Stellen, für die es aktuell keine geeigneten Bewerber gebe. Bis 2030 könnte die Quote den Forschern zufolge von 3,1 auf 8 Prozent emporschnellen – vorausgesetzt, die Politik ergreife keine geeigneten Gegenmaßnahmen.

Am akutesten ist der Mangel unter allen Berufsgruppen bayernweit der IHK-Studie zufolge bei den Mechatronikern und Automatisierungstechnikern: 16 Prozent der Meisterstellen zwischen Aschaffenburg und Berchtesgaden bleiben mittlerweile unbesetzt. Es folgen die Entwickler und Konstrukteure mit 15 Prozent. Doch auch bei den Akademikern gibt es trotz der Studentenschwemme noch immer einzelne Berufe, in denen qualifiziertes Personal knapp ist. Denn aus Sicht vieler Betriebe studieren diejenigen, die sich für die Uni entscheiden, oft das falsche Fach. So fehlen laut Fachkräftemonitor 8600 Elektroingenieure. „Diese Gruppe macht 40 Prozent des gesamten Akademiker-Mangels aus“, erläutert Driessen.

Zu geringer Frauenanteil in technischen Berufen

Eine Ursache für den Fachkräftemangel ist neben der demografischen Entwicklung der noch immer sehr geringe Frauenanteil in den technischen Berufen. Den IHK-Forschern zufolge ist unter den Fahrzeugbauern gerade einmal jede 25. Fachkraft eine Frau, bei den Mechatronikern- und Automatisierungstechnikern sind rund sechs Prozent und unter den Elektroingenieuren sind noch immer nur knapp sieben Prozent weiblich. „Es war zu erwarten, dass Frauen in technischen Berufen unterrepräsentiert sind“, sagt Driessen. Doch mit so geringen Quoten habe man nicht gerechnet. Für den IHK-Boss ist klar: „Neben einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist es insbesondere notwendig, Mädchen bereits im Vorschulalter für Technik zu begeistern.“

Erneut geißelte die IHK die Einführung der Rente mit 63 als Fehler. Zudem forderte Driessen die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland durch die „Einführung eines deutschen Zuwanderungssystems zu erleichtern. Kriterien sollten neben Qualifikation etwa Berufserfahrung, Alter, Sprachkenntnisse oder die Erfordernisse des Arbeitsmarkts sein.

Tobias Lill

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