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„Ich verdiene angemessen“: Georg Fahrenschon ist zum Sparkassen-Präsidenten gewählt worden.

Fahrenschon: „Ich werde kein Polit-Neutrum sein“

München - Fast drei Jahre nach der Ernennung zum Finanzminister hat Georg Fahrenschon seine Polit-Karriere aufgegeben. Am Mittwoch wurde der 43-Jährige zum Sparkassenpräsidenten gewählt. Vorerst ist er noch CSU-Landtagsabgeordneter.

Der Wahltag war doch gar nicht so schlimm, oder?

Nein, es war ein schöner Auftakt. Ich habe gewusst, worauf ich mich einlasse. Ich freu’ mich auf die neue, spannende Herausforderung, das Gesicht der deutschen Sparkassen zu werden.

18:6 Stimmen ohne Gegenkandidat – ist das nun gut oder schlecht?

Es ist ein ehrliches, gutes Ergebnis, ein klares Signal. Mitte Mai übernehme ich die Amtsgeschäfte. Ich werde mich bemühen, auch die zu überzeugen, die heute nicht für mich gestimmt haben.

Vor Ihnen liegen sechs Monate Übergangszeit. Was haben Sie vor – Aktenstudium oder Südsee-Insel?

Um Gottes Willen! Ich bin in wirtschaftspolitische Themen gut eingearbeitet. Aber mit innerverbandlichen Fragen will ich mich jetzt beschäftigen, viel lesen, viele Einzelgespräche führen, die Zeit nutzen. Wenn man so zurückblickt: Mein Weg war immer, mit voller Überzeugung eine Aufgabe anzunehmen.

Wann geben Sie Ihr Landtagsmandat zurück?

Wir werden über die weiteren Fragen noch sprechen. Da gibt es übergeordnete Zusammenhänge. Ich werde selbstverständlich meine Arbeit in der Fraktion voll ausfüllen, die oberbayerischen Interessen koordinieren, mich in Kreuth einbringen. Wir sehen uns nächste Woche im Parlament.

Als gewählter Sparkassenlobbyist wollen Sie allen Ernstes noch im Landtag weitermachen?

Das ist eine Phantomdebatte. Ich glaube, dass ich mich sehr wohl in die politische Diskussion in Bayern gut einbringen kann. Weite Teile der Landespolitik haben mit der Organisation der Sparkassen gar nichts zu tun.

Ich bin ja nur neugierig – Ihre Parteifreunde aber sind sauer. Keiner weiß, was Sie zu tun gedenken, auch der Nachrücker hängt in der Luft.

Mit meinem Nachrücker bin ich in engem Kontakt. Wer mich kennt, weiß: Ich werde in gebotenem Abstand zur Amtsübernahme mein Mandat zurückgeben. Ich bin aber auch von über 25 000 Oberbayern in den Landtag gewählt. Die haben das Recht, dass ich sie vertrete.

Sie bleiben in der CSU?

Selbstverständlich. Ich bin doch kein unpolitisches Neutrum geworden.

Wir haben ja alle über Ihr Millionengehalt geschrieben. Klartext: Was verdienen Sie künftig?

Ich verdiene der Verantwortung angemessen. Die öffentlich kolportierte Zahl, kann ich sagen, ist falsch.

Die SPD verlangt, Sie sollten auf die Hälfte verzichten. Keine gute Idee?

Dass Herrn Pronold nichts anderes als die Bedienung des Neid-Reflexes einfällt, überrascht mich nicht.

Ausgerechnet heute wurde bekannt: Ihr Nachfolger Markus Söder verlangt von den Sparkassen 1,5 Milliarden Euro wegen der Landesbank-Rettung. Zahlen Sie willig?

Es ziemt sich nicht für mich, das zu kommentieren. Ich kann Ihnen sagen, dass Markus Söder und der bayerische Sparkassenverband rund um das laufende EU-Beihilfeverfahren sehr partnerschaftlich miteinander reden. So, wie ich das auch gehalten habe.

Sie haben das aber diskret getan. Söder geht an die Öffentlichkeit. Sind Sie glücklich mit dem Stilwechsel?

Tut mir leid – ich werde dem Markus nicht über Ihre Zeitung Ratschläge geben.

Können, allgemein gefragt, die Sparkassen einen substanziellen Beitrag erbringen?

Die Sparkassen haben in den letzten Jahren als zentraler Finanzier des Mittelstands viel zur guten wirtschaftlichen Entwicklung beigetragen und dabei ein gerüttelt Maß an Verantwortung getragen. Wir müssen uns schon gut überlegen, was die richtige Antwort auf die Krise ist. Beschweren wir die regional gut verankerten Finanzinstitute oder stärken wir sie? Der Weg der letzten Jahrzehnte, allein den angelsächsischen Investmentbankern den Boden zu bereiten, war ja nicht von Erfolg gekrönt.

Interview: Christian Deutschländer

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