Fairchild 728 besteht Härtetest: Neuer Jet soll noch heuer abheben

- Oberpfaffenhofen - Das Projekt 728 hat - so eine verbreitete Einschätzung - Fairchild-Dornier in die Pleite getrieben. Und es schien sich lange keiner mehr für den neuen Regionaljet zu interessieren. Doch nun machen die chinesischen Eigentümer des Projekts Dampf: Noch 2004 soll, wenn alles gut geht, die 728 abheben.

<P>Mit immerhin 600 Beschäftigten rechnet De-Long nach einem Bericht der Financial Times Deutschland. Derzeit arbeiten 40 Menschen an dem Projekt.</P><P>Beim Zeitplan hatte die chinesische De-Long Holding auch ein wenig Glück. Nicht alle haben in die Totengesänge von Insolvenzverwalter Eberhard Braun eingestimmt. "Wir haben an das Projekt geglaubt", sagt Monika Amler von der IABG. Der Dienstleister in Ottobrunn ist eine wichtige Station im Werdegang fast aller europäischen Flugzeuge: Dort werden Rumpf, Flügel und Leitwerk auf Herz und Nieren getestet.</P><P>Drei Tage vor der Pleite 2002 kam das Flugzeug aus Oberpfaffenhofen in Ottobrunn an. Zum Test kam es nicht mehr. Doch trotz räumlicher Enge und der Kosten blieb der Versuchsaufbau stehen. "Es war ein tragbares Risiko", sagte IABG-Chef Rudolf Schwarz gegenüber unserer Zeitung. "Da muss man Mut haben." So konnten im Herbst die Tests beginnen. 70 Hydraulikzylinder haben aus allen Richtungen auf die Konstruktion eingewirkt, um festzustellen, was diese aushält. "Soweit es den Erstflug betrifft, sind wir am Ziel", sagt Schwarz. "Es läuft gut momentan", bestätigt De-Long-Sprecherin Autumn Pierce.</P><P>Als nächster Meilenstein steht nun "Power On" an: Dabei werden in einem Prototypen alle elektronischen Systeme hochgefahren. Es sieht derzeit so aus, als könne De-Long den ehrgeizigen Fahrplan einhalten. Erstflug in Oberpfaffenhofen ist noch im laufenden Jahr, Start der Auslieferungen dann 2006.</P><P>Dabei hofft die IABG auf einen neuen Auftrag. Vor der Produktion muss der Ermüdungstest bestanden sein. Dazu werden, wie Rudolf Schwarz erklärt, tausende Flüge in der Halle simuliert. Die Belastungen seien geringer als beim Strukturtest, aber dafür häufiger. So wird gestestet, ob im Betrieb über Jahrzehnte Schäden auftreten können. </P><P>Nicht nur beim Zeitplan knüpfen die neuen Eigentümer aus China an den Ehrgeiz an, der in den Augen des Insolvenzverwalters Fairchild-Dornier das Kreuz gebrochen hatte: Sie wollen nicht nur ein Flugzeug, sondern eine ganze Familie bauen. Zur 70-sitzigen 728 soll sich bald die 928 mit 90 Plätzen gesellen. Eine 50-sitzige 528 ist ebenfalls angedacht. Längere Varianten sind denkbar. Doch das Thema war unter dem alten Management ein Tabu, weil man damit in direkte Konkurrenz zu den kleineren Airbus-Modellen treten würde. Airbus-Aufträge waren es aber, die Fairchild-Dornier jahrelang über Wasser gehalten hatten. Die Airbus-Teile-Fertigung in Oberpfaffenhofen aber gehört nun der schweizerischen RUAG. De-Long müsste sich nicht mehr zurückhalten. Doch dies ist noch Zukunftsmusik. Autumn Pierce: "Man muss sehen, wie der Markt sich entwickelt."</P><P>Dagegen bestätigt sich, was die chinesischen Käufer zugesagt hatten: Das Flugzeug wird in Europa gebaut, bei den Zulieferern setzt man dagegen verstärkt auf kostengünstigere Hersteller in Asien. Das soll den Preis des Flugzeugs senken, um in einem Markt konkurrenzfähig zu sein, der derzeit vom staatlich subventionierten brasilianischen Hersteller Embraer dominiert wird. Verhandlungen mit mehreren potenziellen Kunden laufen derzeit.</P>

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