Fairchild-Dornier ist aufgeteilt: Das neue Leben nach der Pleite

- Oberpfaffenhofen - Ein Büro im ehemaligen Dornier-Werk ist bereits bezogen. Dort und in München ist die chinesische Unternehmensgruppe Delong mit einer kleinen Gruppe vertreten: Bisher besteht nur ein Ziel. Das durch die Dornier-Insolvenz gestoppte 728-Programm zur Serienreife fortzuentwickeln und auch zu bauen.

<P>"Wir haben das Programm aquiriert", sagt Autumn Pierce, Sprecherin der Gruppe in München. Dazu gehören Pläne, Zeichnungen Patente, und auch das einzige Exemplar des Flugzeug, das nur noch einige Tests durchlaufen sollte, bevor es hätte abheben können - als die Entwicklung durch die Insolvenz gestoppt wurde.<BR><BR>Doch das "Know How" gehörte nicht allein dem Flugzeugbauer. Zahlreiche Zulieferer haben bei dem Programm mitgewirkt. Jetzt muss über deren Rechte und ihre zukünftige Beteiligung verhandelt werden. Vom Ergebnis hängt ab, ob und in welchen Ausmaß Arbeitsplätze in der Region München neu geschaffen werden. "Es wird eine Arbeitsteilung geben,", verspricht Autumn Pierce. Über die Gewichtung ist nichts entschieden. Wird das Flugzeug hier zu Ende entwickelt, oder anschließend teilweise auch in Deutschland produziert? Fairchild-Dornier-Betriebsratschef Günter Pfeiffer hofft darauf, dass der Sachverstand der früheren Mitarbeiter auch unter chinesischer Regie gefragt ist.<BR><BR>Pfeiffer ist bis zur Abwicklung Betriebsratsvorsitzender der insolventen Gesellschaft, wurde aber mittlerweile auch zum neuen Betriebsratsvorsitzenden der RUAG-Aktivitäten in Oberpfaffenhofen gewählt. Diese bestehen aus zwei Gewinn bringenden Bereichen von Dornier, der Airbus-Teilefertigung sowie der Flugzeugwartung.<BR><BR>Dort gingen auch während des Insolvenzverfahrens nur rund 100 Arbeitsplätze verloren. Und dieser Stand wurde gehalten. 50 Mitarbeiter arbeiten in der geschäftsführenden Holding, 400 in der Wartung, 300 in der Teilefertigung, die nun auch für andere Auftraggeber arbeiten würde. Damit war mit dem Übergang auf neue Eigentümer kein weiterer Personalabbau verbunden.<BR><BR>Im RUAG-Konzern war früher die Schweizer Rüstungsindustrie gebündelt. Nun will er sein ziviles Standbein, das in wenigen Jahren von 10 auf derzeit 50 Prozent gewachsen ist, weiter ausbauen. Der Standort Oberpfaffenhofen mit Werksflugplatz und Autobahnanbindung spielt dabei eine zentrale Rolle. Neugebaute Hallen, eigentlich für die spätere 728-Produktion gedacht, wurden mittlerweile von RUAG angemietet. Es geht auch nicht mehr nur um Airbus - für den weiter wichtige Rumpfteile gefertigt werden. Auch um Aufträge anderer Flugzeughersteller bemüht sich Horst Steinberg, RUAG-Chef in Oberpfaffenhofen. Dabei kann er sich sich die chinesischen Nachbarn ebenso als Kunden vorstellen wie Avcraft. <BR><BR>Das US-Unternehmen hat mit derzeit rund rund 225 Beschäftigten den Vertrieb des kleinen Jets 328 übernommen und beabsichtigt, bei entsprechender Nachfrage auch den Bau wieder aufzunehmen. Damit sieht es recht gut aus. 14 der 18 gebauten Maschinen wurden von Abnehmern bereits durch Anzahlungen reserviert. Doch müssen sie nun nach deren Anforderungen ausgerüstet werden. Auch Wolfgang Walter, Geschäftsführer von Avcraft Aerospace würde sich über Delong als Nachbarn freuen. "Das würde den Standort nur stärken".<BR><BR>Ein weiteres Unternehmen wird am 1. Juli aufgelöst: Die Beschäftigungsgesellschaft, die laut Pfeiffer rund 480 Dornier-Mitarbeitern zu Jobs verholfen hat (1300 haben ohne diesen Umweg neue Stellen gefunden). Rund 720 hatten kein Glück. Sie sind ab 1. Juli arbeitslos. </P>

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