Fairchild-Dornier: Jetzt ist auch die kleine Jet-Linie in Schieflage

- Oberpfaffenhofen - Die traurigen Reste des ehrgeizigen Regionaljet-Programms 728 aus der Insolvenzmasse von Fairchild-Dornier sind unter den Hammer gekommen. Jetzt blüht der kleinen Jet-Linie 328 ein ähnliches Schicksal. Der Firma Avcraft, die das Programm übernommen hat, droht die Pleite. Düstere Aussichten für 345 Mitarbeiter.

<P>Die Geschäftsleitung versucht, die eigene Schieflage als Geheimsache zu handhaben. Mögliche Investoren sollen nicht verprellt werden. Die Belegschaft spielt weitgehend mit. Auch von den Arbeitnehmervertretern kommt nur eisiges Schweigen. Dabei hätten die Beschäftigten allen Grund zur Skepsis. Seit Februar haben sie kein Geld mehr gesehen. Doch keiner will als Verräter dastehen. "Ich hab fei nix g'sagt", fügen die wenigen, die auspacken, schnell hinzu.<BR><BR>"Es liegt kein Insolvenzantrag vor", heißt es im zuständigen Amtsgericht Weilheim. Immerhin bestätigt man, dass Avcraft-Chef Wolfgang Walter bereits dort erschienen sei. Doch nichts zum Zeitpunkt und den näheren Umständen.<BR>Am 23. Februar war Walter in Weilheim vorgefahren. Im Gericht wurde ihm geraten, mit dem Insolvenzantrag noch eine Woche zu warten.<BR><BR>Fünf Tage später, am 1. März, lud der Avcraft-Chef die 345 Mitarbeiter zu einer Versammlung. Er bestätigte darin die ausgebliebene Gehaltszahlung, versprach aber eine Überweisung bis zum 7. März. Bis dahin würde der ADAC, der eines der vorhandenen Flugzeuge gekauft hat, bezahlen. Eine Woche später war noch immer nichts auf den Mitarbeiter-Konten gelandet. Dafür lud Walter erneut ein. Er könne nicht alles eingegangene Geld für Gehaltszahlungen verwenden, sagte er diesmal. Offenbar sind Gläubiger bereits hellhörig geworden.<BR><BR>Damit scheint sich zu bewahrheiten, was Experten bereits vor der Übernahme des 328-Programms durch Avcraft befürchtet hatten. "Die haben es nicht im Kreuz", hieß es damals. Unter Branchenkennern galt das texanische Unternehmen als "größere Schreinerei", die ihr Geld mit der Innenausstattung von Flugzeugen verdient hatte.<BR><BR>Dabei schien die Aufgabe überschaubar zu sein. Anders als beim großen Schwestermodell 728, bei dem noch 800 Millionen Euro an Entwicklungskosten hätten investiert werden müssen, lief das 328-Programm bereits in Serie. In aller Welt wird die Do 328 im Alltagsbetrieb erfolgreich eingesetzt. Es gilt immer noch als eines der besten Fluggeräte seiner Klasse.<BR><BR>Die Do 328 wurde zunächst noch unter dem damaligen Eigentümer Dasa als Propellerflugzeug entwickelt und gebaut. Nach der Übernahme durch Fairchild wurde daraus eine Jet-Version abgeleitet. Es stand auch eine größere Variante mit 50 statt 35 Sitzen kurz vor der Serienreife. Doch diese 428 wurde zugunsten des neuen Programms 728 eingestellt. Weil Kunden die Maschine bereits bestellt hatten, trugen die entsprechenden Stornierungskosten erheblich zur späteren Insolvenz von Fairchild-Dornier bei.<BR><BR>Noch vor einigen Wochen hat man in Oberpfaffenhofen die anstehende Wiederaufnahme der Produktion gefeiert. Tatsächlich hatten sich die Auftragsbücher gefüllt. So bestätigt der ADAC gegenüber unserer Zeitung, eine zweite Maschine kaufen zu wollen. Weitere Orders kamen aus dem Ausland. Es wäre nach der 728-Rollout-Zeremonie kurz vor der Pleite 2002 das zweite Mal, dass in Oberpfaffenhofen nach der Feier eines Durchbruchs das Aus käme. Ganz gemäß einer alten Fliegerweisheit, die da heißt: "Da hinten wird/s heller." Das sind oft die letzten Worte eines Piloten, der verbotenerweise in Wolken eingeflogen ist.</P>

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