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Cranberries statt Kirsche Hier finden Verbraucher überwiegend getrocknete Cranberries trotz roter Kirschen auf der Müsli-Verpackung.

Falsche Früchte in Müsli, Drinks und Co. 

Die Lebensmittelindustrie wirbt auf ihren Packungen mit frischen Früchten, doch im Müsli stecken oft getrockneter Billig-Ersatz, Aroma-Stoffe und Klebe-Stückchen. Nach Formfleisch nun also die Formfrucht.

Ein knallrotes Erdbeerstückchen – leider nur ein optischer Leckerbissen. Denn eigentlich ist es keines. Statt aus echter, bodenständiger Erdbeere bestehen die Zutaten des Frucht-Snacks aus konzentriertem Apfelsaft, Apfelmus und Erdbeermus. Dieser Brei wird dann in Form gebracht. Also zu Stückchen geformt, mit Holunderbeerensaft rot gefärbt und per Aromen-Zufuhr auf Erdbeer-Geschmack getrimmt. „Umfruchten“ nennt das der Fachmann – „ein Täuschungsmanöver“ die Verbraucherzentrale in Hamburg (VZ). Dies sei ähnlich wie beim vieldiskutierten Formfleisch und Klebeschinken im vergangenen Jahr.

Zwischen Januar und Februar haben die Verbraucherschützer nun einige Produkte mit „fruchtigen Versprechen“ genauer betrachtet (siehe Fotos unten) und sich vor allem die Zutatenliste auf der Rückseite vorgenommen. Schließlich steckt nur dort die Wahrheit drin. „Mit Fruchtabbildungen auf Verpackungen wird oft geschummelt“, erklärt die Verbraucherzentrale.

So stecken im Kölln Müsli „Schoko Kirsch“ mehr getrocknete kostengünstige Cranberries als Kirschen. Im N.A. „Frucht Snack 100 % Frucht Erdbeere Softe Stückchen“ befinden sich die eingangs beschriebenen zusammengefügten Formfrüchte. Das Molkegetränk „Müller Fructiv Mango Maracuja“, das aufgrund der Bilder auf dem Etikett als Fruchtanteil nur Mango- und Maracujasaft vorgaukelt, enthält tatsächlich überwiegend Orangensaft.

In diesen Müslis, Drinks und Co. ist nicht drin, was draufsteht

Falsche Früchte in Müsli, Drinks und Co. 

Ähnlich verhält es sich beim Fruchtsaftgetränk „Apfel Sanddorn“ der Marke Bavaria Waldfrucht aus Hengersberg. In großen geschwungenen, dunkelvioletten Lettern steht auf der Vorderseite das Wort „Sanddorn“ geschrieben, die dunkelgelben Früchte ranken sich um den Karton; „Apfel“ steht unscheinbar blass-gold darüber. „Der Apfel gibt diesem Saft den fruchtigen Geschmack, der Sanddorn die Farbe“, heißt es dazu in der Produktbeschreibung des Unternehmens im Internet. Das können Verbraucher wörtlich nehmen, denn mehr als ein Schuss Sanddorn steckt auch nicht drin im Tetra-Pack. Das vertuscht der Hersteller auch nicht, sondern listet weiß auf grün unter Zutaten auf, dass in diesem Saft 48 Prozent Apfel- und 12 Prozent Sanddornsaft stecken (beides in Form von Fruchtsaftkonzentrat). Darüber hinaus besteht der Saft aus diversen Stoffen, die den Geschmack versüßen: Fruktose (also Fruchtzucker) und Süßstoffe wie Natriumcyclamat, Aspartam, Acasulfan-K und Saccharin-Natrium. Die Haltbarkeit verlängert Ascorbinsäure. „Der mündige Verbraucher hat kein Problem damit, zu sehen und zu lesen, was in unserem Produkt steckt“, sagt Albert Kirchberger von der Bavaria Waldfrucht gegenüber unserer Zeitung. Die Kritik und vor allem die Vorwürfe der Verbraucherzentrale Hamburg könne er nicht nachvollziehen, schließlich stehe alles auf der Packung.

Weil die Zutatenlisten auf Produkten immer der Menge nach sortiert sein müssen, kann man davon ausgehen, dass die „Capri-Sonne Wild-Berries“ hauptsächlich aus Wasser besteht. Denn das ist auf der Rückseite als erste Zutat genannt. Danach folgen Apfelsaft (8,3 Prozent), Zucker und Erdbeersaft (1 Prozent). Himbeer- und Brombeersaft tauchen erst anschließend und ganz ohne Prozentangabe auf. Dabei ist es gerade die dunkle Brombeere, die auf der Packung besonders einladend in den roten Saft fällt.

Interessant ist auch, was der Hersteller Schwartau unter der Beschreibung „Extra viel Frucht“ abgedruckt über dem Abbild von Limonen und Erdbeeren versteht. Der Früchteriegel „Erdbeer-Limone“ besteht nämlich hauptsächlich aus getrockneten Weinbeeren und Äpfeln. Die beworbenen frischen Früchte Erdbeeren und Limonen sind durch preiswerteres Saft-Konzentrat und Citrusfasern ersetzt.

Von Stefanie Backs

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