Wer bei falscher Beratung haftet

München - Geprellte Kunden, die falsch über ihre Geldanlagen beraten wurden, können sich gerichtlich wehren. Zunehmend verurteilen Richter Verantwortliche zu Schadenersatzzahlungen.

Schadenersatzklagen

Anleger wehren sich immer häufiger erfolgreich gegen falsche Beratung bei Geldanlagen. Das schreibt die Stiftung Warentest in der neuen Ausgabe von "Finanztest". Sind schon die Prospekte für die Geldanlagen fehlerhaft, fällt es den Anlegern nicht schwer zu beweisen, dass sie unvollständig oder falsch informiert wurden. Prospektfehler sind falsche Renditeberechnungen, falsche Angaben über Provisionen sowie fehlende Hinweise auf wirtschaftliche Beziehungen von Beteiligten der Geldanlage. Für einen Schaden können Initiatoren, beteiligte Kreditinstitute sowie Anlageberater und -vermittler verklagt werden, wenn sie falsche Angaben gemacht oder nicht vollständig über Risiken aufgeklärt haben.

Es gibt Unterschiede in den Aufklärungspflichten: Wer sich Anlageberater nennt, muss prüfen, ob das Angebot zu den Vorkenntnissen und Anlagezielen des Kunden passt. Tut er das nicht, muss er für Verluste haften. Anlagevermittler müssen Kunden nur über die Anlage informieren und sie auf Risiken hinweisen.

Promifonds

Wegen Kapitalanlagebetrugs musste die Cinerenta Gesellschaft für Internationale Filmproduktion mbH einem Anleger Schadenersatz von 40 000 Euro zahlen. Das Oberlandesgericht München sah es als erwiesen an, dass der Verkaufsprospekt der Cinerenta III. KG falsch sei, weil er Verlustrisiken verharmlose (Az. 20 U 2052/07). Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, war Initiator des Medienfonds. Er wurde in vielen Fällen von Anlegern persönlich auf Schadenersatz verklagt.

Erste Hilfe

Hat ein Anleger ein mulmiges Gefühl, sollte er einen Blick in die Warnliste von Finanztest werfen (siehe Kasten). Dort sind Angebote gelistet, die unseriös beworben oder mit zweifelhaften Methoden vermittelt werden. Da es zahlreiche Angebote dieser Art gibt, stehen nicht alle auf der Liste. Wer hier nicht genannt wird, ist also nicht automatisch sauber.

Rechtsberatung

Wenn ein Anleger Angst um sein Geld hat, sollte er sich von der Verbraucherzentrale oder von einen auf Geldanlagen spezialisierten Rechtsanwalt beraten lassen. Neben Vertrag, Prospekt, Jahresabschlüssen, Geschäftsberichten sollte der Anleger auch Werbematerial der Anlagefirma und Notizen zur Erstberatung mitbringen.

Verjährungsfrist

Zwar ist die 30-jährige Verjährungsfrist durch die Reform des Schuldrechts (Januar 2002) auf drei Jahre verkürzt worden. Die dreijährige Frist beginnt allerdings erst, wenn der Anleger den Beratungsfehler bemerkt. Sobald er etwas Negatives über seine Geldanlage erfährt, sollte er schnell handeln. Denn solange die Anlagefirma noch nicht pleite ist, stehen die Chancen besser, dass der Anleger sein Geld zurückholen kann. keha

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Weitere Infos unter www.merkur.de/zeljko

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