Familien-Index an der Börse: Dem Gex fehlt die nötige Reife

- München - Eines der jüngsten Kinder der deutschen Börsenfamilie, der Aktienindex Gex, will nicht so recht auf die Beine kommen. Zum Jahresanfang hatte die Deutsche Börse ihren Nachwuchs, ein Abbild mittelständischer börsennotierter Unternehmen, präsentiert. Zwar kletterte der "German Entrepreneurial Index" seitdem um gut 250 Punkte. Doch viele Fondsmanager halten den Gex für latent unreif.

<P class=MsoNormal>"Es ist grundsätzlich falsch, dass Unternehmen aus dem Gex fliegen, sobald sie eine gewisse Marktreife haben - das ist aus Sicht einer Fondsgesellschaft eine handwerkliche Schwäche", sagt Rolf Drees, Sprecher von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. "Eine Fondsgesellschaft unserer Größe kann in so einen Index kaum verantwortungsvoll investieren, weil zu viele kleine Unternehmen drin sind." Auch Fondsmanagerin Susan Levermann von der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS sagt: "Allein das Kriterium, dass es einen Großaktionär gibt, ist für uns nicht entscheidend für eine Anlage."</P><P class=MsoNormal>Der Gex enthält alle eigentümergeführten Unternehmen, die im Prime Standard gelistet sind und deren Börsengang nicht länger als zehn Jahre zurückliegt. Voraussetzung für eine Aufnahme in den Index ist, dass Vorstände, Aufsichtsratsmitglieder oder deren Familien 25 bis 75 Prozent der Stimmrechte besitzen. Derzeit vereint der Gex knapp 120 Titel zu einer illustren Börsenfamilie - vom Brillenmacher Fielmann über den Waschmittelhersteller Henkel und den Internetanbieter Web.de bis zum Erotikversand Beate Uhse. Heute sollen der Solaranlagenhersteller Conergy und der Videospielanbieter Computec Media Mitglied im Gex werden.</P><P class=MsoNormal>"Uns war immer klar, dass es in diesem Segment viele Unternehmen gibt, die keine hinreichende Liquidität an der Börse haben, um für institutionelle Investoren interessant zu sein", sagte der Münchner Finanzwirtschaftler Christoph Kaserer, der den Index mitentwickelte. Der Professor der Technischen Universität München ist überzeugt: "Allein, dass es diesen Index gibt, hilft den Familienunternehmen." In der Fachzeitschrift "Finance" bekommt der Gex-Schöpfer indirekt Unterstützung von Experten der Privatbank Merck Finck: "Der Gex gibt mittelständischen börsennotierten Unternehmen eine zusätzliche Plattform."</P><P class=MsoNormal>Eine Sprecherin der Deutschen Börse bekräftigt: "Der Hauptzweck des Gex ist es, ein Marktbarometer für Familienunternehmen zu schaffen." Es sei nicht entscheidend, dass neue Finanzprodukte aufgelegt würden, die sich an dem Index orientieren. Bislang bieten nach Angaben der Börse nur HSBC, HypoVereinsbank und Socié´té´ Gé´né´rale ein Gex-Zertifikat an. Zudem seien drei Optionsscheine von Socié´té´ Gé´né´rale handelbar.</P><P class=MsoNormal>Die Mosaic Software AG, einst im Neuen Markt gelistet, hatte sich von der Gex-Aufnahme einen Werbeeffekt erhofft. Ein halbes Jahr später bilanziert eine Sprecherin: "Fürs Geschäft hat es uns nichts gebracht."</P>

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