Familienunternehmen haben Konjunktur

- München - Während der großen Börseneuphorie wurden sie belächelt, galten als altmodisch oder gar als Auslaufmodelle, doch heute haben sie wieder Hochkonjunktur: Familienunternehmen. Dabei waren diese Betriebe auch zu den Spitzenzeiten der Aktienspekulation schon höchst erfolgreich. Eine Studie der HypoVereinsbank hat ergeben, dass seit dem Jahr 1990 Firmen, in denen eine Familie den entscheidenden Einfluss hat, deutlich besser abschnitten als die größten deutschen Konzerne, die im Dax versammelt sind.

<P>"Werte schaffen Wert", resümierte Michael Mendel, Vorstandsmitglied bei der HypoVereinsbank, bei einer Podiumsdiskussion, die die Bank zusammen mit der Industrie- und Handelskammer veranstaltete. Dass das Thema "Familienunternehmen am Standort Deutschland" im Trend liegt, zeigte die große Zahl von renommierten Unternehmern, die gekommen waren. "Das ist unsere Antwort auf Davos", feixte Mendel in Anspielung auf das dort stattfindende Weltwirtschaftsforum.<BR><BR>Dass insbesondere viele nicht börsennotierte Familienunternehmen so erfolgreich sind, liegt für Reinhard Dörfler, IHK-Hauptgeschäftsführer, daran, dass sie langfristig und generationenorientiert entscheiden und investieren. <BR><BR>Familienunternehmen stünden aber auch vor großen Herausforderungen. Dörfler nannte allen voran das Thema Nachfolge. Neben der Suche nach geeigneten Kandidaten bereite vor allem die Erbschaftssteuer Probleme. "Durch sie wird die Firmennachfolge oft zur Existenzbedrohung." Hilfreich könnte die aktuelle Gesetzesinitiative sein, die vorsieht, Erbschaftssteuer zu stunden und nach zehn Jahren Betriebsweiterführung ganz zu erlassen.<BR><BR>Ein Vorstoß, den auch Dirk Ippen, Verleger des Münchner Merkur, vernünftig fand. Allerdings sei die steuerliche Belastung von Personengesellschaften insgesamt heute geringer als noch vor zehn Jahren. Belastend sei eher das Arbeitsrecht, vor allem für Betriebe, die sich keinen Stab von Juristen leisten könnten. Und dennoch: "Wir leben zwar nicht im Paradies, aber man kann noch immer erfolgreich Unternehmer sein", sagte er.<BR><BR>Auch wenn die Standortbedingungen und die damit verbundenen Probleme für alle die gleichen sind, so wird jedes Familienunternehmen doch wesentlich durch die Person seinen Eigentümers geformt. <BR><BR>Zum Beispiel Innegrit Volkhardt, Inhaberin des Hotels Bayerischer Hof in München. Sie leitet den Betrieb bereits in vierter Generation, auch wenn ihr das nicht in die Wiege gelegt wurde. "Ich bin Kind einer Generation, die sich noch nicht vorstellen konnte, dass eine Frau das macht", erzählt sie. Als dann ihr Vater erkrankte, stand sie genau vor dieser Situation. "Dann ist man in der Verpflichtung, weiterzumachen." Noch nie habe sie an einen Verkauf gedacht, nie Berater gehabt, sondern lieber auf ihren Bauch gehört, berichtet die mehrfach ausgezeichnete Hotel-Besitzerin. <BR><BR>Oder Thomas Bauer, Chef des Bauunternehmens Bauer AG. Für die Rechtsform als Aktiengesellschaft habe man sich entschieden, "weil die Familie so groß ist und in einer AG die Gewaltenteilung am klarsten ist", erklärt er.<BR><BR>Oder Andreas Langenscheidt, Geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Verlags. Auch er vertritt die vierte Generation der Unternehmerfamilie. Das Thema Nachfolge wird bei Langenscheidt planvoll vorbereitet. Ob dereinst ein Familienmitglied antritt oder ein Manager von außen, hänge zuallererst an dessen Qualifikation. Erst wenn zwei Kandidaten absolut gleich gut geeignet seien, "würde man sich für das Familienmitglied entscheiden".<BR><BR>Wie wichtig eine gelungene Stabsübergabe ist, machte IHK-Geschäftsführer Reinhard Dörfler mit zwei Zahlen deutlich: Allein in Bayern sind aktuell 12 000 Betriebe vom Nachfolge-Problem betroffen - und mit ihnen 150 000 Arbeitsplätze.<BR><BR><BR></P>

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