Familienunternehmen werden von Banken-Bürokratie ausgebremst

- Freiburg - Deutsche Familienunternehmen sehen sich durch die Kreditvergabe der Banken zunehmend in ihrer Existenz gefährdet. Der bürokratische Aufwand müsse dringend reduziert werden, sagte der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Familienunternehmen (DGFU), Heribert Sterr-Kölln. Die meist kleinen oder mittelständischen Unternehmen seien darauf angewiesen, dass sie finanzielle Hilfe unbürokratisch und schnell beantragen könnten, sagt der Verbandschef.

"Zwischen Unternehmern und Banken hat sich vielerorts eine große Kluft aufgetan", konstatiert Sterr-Kölln. Für viele Unternehmen in Familienbesitz seien die in den vergangenen Jahren von den Banken aufgebauten bürokratischen Hürden zu hoch.<BR><BR>Die Folge sei der Verlust von Arbeitsplätzen. "In vielen Fällen geht es schlicht auch um die Existenz." Im Familienunternehmen müsse sich der Besitzer um alles kümmern. "Im Gegensatz zu großen Konzernen hat er keine Abteilungen, die sich dem Finanzgeschäft widmen", sagt Sterr-Kölln. Zudem habe ein Familienbetrieb nicht die finanziellen Reserven wie ein Konzern, um fehlende Kredite ausgleichen zu können.<BR><BR>"In den Chefetagen der Banken ist das Verständnis für Familienunternehmen deutlich gesunken. Der Wille zur Partnerschaft ist nur gering ausgeprägt", kritisiert Sterr-Kölln. Viele wichtige Kredite würden auch dadurch verhindert, dass die darüber entscheidende Bank mehrere hundert Kilometer vom Antragsteller entfernt residiere.<BR>"Würde eine Bank vor Ort über den Kredit entscheiden, wäre das oft kein Problem." Vor Ort werde die Bedeutung eines regional ansässigen Betriebs besser eingeschätzt als in der fernen Zentrale.<BR><BR>Das Grundproblem sei der fehlende politische Einfluss von Familienunternehmen in Deutschland, sagte Sterr-Kölln. "Die Stimme der Familienunternehmen wird längst nicht so gehört wie die von Großkonzernen. Uns fehlt einfach eine starke Lobby."<BR><BR>Mit der wirtschaftlichen Realität habe dies wenig zu tun. 80 Prozent der in Deutschland ansässigen Betriebe würden als Familienunternehmen geführt. Sie trugen 2004 den Angaben zufolge mit einem Anteil von 53 Prozent zur Bruttowertschöpfung der deutschen Unternehmen bei und stellten 68 Prozent aller Arbeitsplätze. 2004 seien rund 80 Prozent aller Ausbildungsplätze von Familienunternehmen geschaffen worden.<BR><BR>Der 1998 gegründeten DGFU gehören nach eigenen Angaben knapp 100 Familienunternehmen an. Der Verband versteht sich als Berater und Lobbyist für diese Unternehmen in Deutschland.<BR>

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