Fast 50 000 Jugendliche ohne Lehrstelle

- Nürnberg/Berlin (dpa) - Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt in Deutschland hat sich weiter verschlechtert. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) stieg die rechnerische Lehrstellenlücke im Berufsberatungsjahr 2005/2006 um weitere 6200 auf 34 100.

Die Zahl der noch nicht vermittelten Bewerber erreichte Ende September mit 49 500 den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Das sind 9000 mehr als im Vorjahr. Dennoch zeigte sich BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt zuversichtlich, dass bis zum Jahresende allen Jugendlichen ein ausreichendes Angebot gemacht werden könne. "Grund zur Entwarnung gibt es aber nicht", sagte Alt in Nürnberg.

Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl der gemeldeten Lehrstellen um 12 000 auf 459 500 zurück. Gleichzeitig stieg die Zahl der jungen Menschen, die die Berufsberatung bei der Vermittlung eines Ausbildungsplatzes eingeschaltet haben, um 22 100 auf 763 100. Damit kamen 166 Bewerber auf 100 gemeldete Stellen. Im Vorjahr lag die Relation noch bei 157 zu 100. Lediglich 48 Prozent der Bewerber haben nach Angaben der BA in diesem Jahr einen Ausbildungsplatz bekommen.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte, die Wirtschaft habe ihre Zusagen im Rahmen des Ausbildungspaktes "wiederum erheblich übertroffen". Die Industrie- und Handelskammern hätten 33 300 neue Ausbildungsverträge eingeworben, die Handwerkskammern 25 200. Insgesamt seien 33 000 Betriebe gewonnen worden, die nun erstmals ausbilden.

Nach Angaben der BA ist die Zahl der Ausbildungsverträge in Industrie und Handel im Jahresvergleich um 11 700 auf 303 300 gestiegen, im Bereich des Handwerks um 2300 auf 143 800. "Dies zeigt, dass die anspringende Konjunktur mittlerweile auch den Ausbildungsmarkt erreicht hat", sagte Glos. Zahlen aus dem öffentlichen Dienst und den freien Berufen liegen noch nicht vor.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat die neuen Lehrstellenzahlen als "ermutigend" bezeichnet. Es gebe "mehr Jugendliche in Ausbildung und ausreichend Ausbildungsplätze und Einstiegsqualifikationen für die Nachvermittlung der jetzt noch Ausbildungssuchenden bis zum Jahresende", sagte Hundt in Berlin.

Hauptgrund für die nach wie vor angespannte Situation auf dem Lehrstellenmarkt ist laut Alt ein sehr geburtenstarker Jahrgang. Zudem hätten sich infolge der Hartz-IV-Reform auch frühere Sozialhilfeempfänger um einen Ausbildungsplatz bemüht. Ferner sei bei den Abiturienten wegen der Einführung von Studiengebühren eine rückläufige Studierneigung festzustellen.

Trotz der Rekordzahl an unversorgten Bewerbern lag die Zahl der noch nicht besetzten Ausbildungsplätze Ende September mit 15 400 um 2800 über dem Vorjahreswert. Zusammen mit 17 000 freien Plätzen in der überbetrieblichen Ausbildung und 18 000 Plätzen bei der Einstiegsqualifizierung werde es möglich sein, bis Ende des Jahres jedem der noch nicht vermittelten Jugendlichen ein seiner Qualifikation und seiner Neigung entsprechendes Angebot zu machen, sagte Alt.

Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) sind derzeit in Deutschland inoffiziell rund 100 000 Schulabgänger ohne Ausbildungsplatz. "Der nationale Ausbildungspakt zwischen Wirtschaft und Regierung ist gescheitert", sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock im Deutschlandradio Kultur.

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