Fast alles schon zum halben Preis

München - Mit Rabatten, Räumungsverkäufen und Reduzierungen versuchen Geschäfte in und um München derzeit, Kunden anzulocken. Die Sommerware muss raus, Minikleider und Badeshorts gibt es deshalb schon jetzt fast überall zum halben Preis.

Zwar ist das Motto "Geiz ist geil" seit einiger Zeit nicht mehr angesagt, trotzdem reagieren die meisten Käufer auf rote Schildchen, die einen Preisnachlass verkünden. "Auch wenn es staatlich geregelte Schlussverkäufe nicht mehr gibt, reduzieren die meisten Geschäfte ihre Ware spätestens ab 30. Juli", sagt Lisa Schubert vom Landesverband des Bayerischen Einzelhandels. Wann die Häuser anfangen zu reduzieren, hängt von der Menge der Ware auf Lager ab und wie man im Vergleich zur Konkurrenz dasteht.

Die meisten Läden verkaufen ihre Sommerware seit gut einer Woche billiger. Ein pauschaler Rabatt auf alle Bikinis und Badehosen gilt allerdings nicht mehr als Erfolgskonzept, erklärt Christian Bitter, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes BAG Bayern, der vor allem große Kauf- und Warenhäuser vertritt. Er spricht von der "Erotik des Preisschildes" und meint, ein neu aufgeklebter Preis auf jedem Schildchen habe mehr Charme als ein großes Prozente-Plakat für ganze Warengruppen.

Sommerjacken sind günstig zu haben

Auch wenn das Sortiment der kurzen Hosen und Röcke teilweise schon ein bisschen ausgesucht ist - "Ware haben wir immer noch reichlich", sagt Holger Grabmeister, Geschäftsführer bei Karstadt Oberpollinger. Seit gut einer Woche sind dort Sommerkleidung, Bettwäsche und Gardinenstoffe sowie Sportklamotten zwischen 30 und 50 Prozent reduziert. "Im Juni kommt bereits die erste Ware für den Herbst, da brauchen wir Platz im Lager", erklärt Grabmeister. Da die guten Sachen in den gängigen Größen meist sehr schnell weggehen, empfiehlt der Geschäftsführer, möglichst bald zuzuschlagen. "Der Höhepunkt der Reduzierungen kommt zwar erst Ende Juli. Doch dann ist das Angebot schon sehr ausgesucht."

Die Textilkette C&A hat im Vergleich zum Vorjahr heuer bereits mehr verkauft. Dennoch wurden in diesen Tagen die ersten Teile der Frühjahrs- und Sommerkollektion um bis zu 50 Prozent reduziert. Wer jetzt ein günstiges Kleid bei C&A entdeckt, muss keine Angst haben, dass es nächste Woche wieder teurer ist. Dort gibt es keine zeitlich begrenzten Rabatte, sondern nur dauerhafte Reduzierungen. Startschuss für Preisnachlässe in allen Filialen in Deutschland war bei C&A unter anderem der Ferienbeginn in Nordrhein-Westfalen. Vor allem bei Sommerjacken kann man laut Sprecher Thorsten Rolfes heuer Schnäppchen machen. Da der Frühling bereits so warm war, wurden vor allem T-Shirts und kurze Hosen gekauft. Bei der zweiten Reduzier-Welle, die Mitte/Ende Juli einsetzt, wird die Ware sogar um 70 bis 80 Prozent heruntergesetzt.

Bei H & M sind bereits seit gut zwei Wochen viele Artikel günstiger zu haben. Vor allem Sommerkleidung, aber auch Accessoires und Unterwäsche wurden bis zu 70 Prozent reduziert. Bis Ende Juli hofft H&M, die leichte Kleidung verkauft zu haben. Einzelteile, die übrig geblieben sind, werden dann laut einer Sprecherin wahrscheinlich noch mal um einiges günstiger in die Regale gelegt.

Eine andere Strategie verfolgt der Herrenausstatter Hirmer. Dort stehen Qualität und Beratung vor günstigen Angeboten. Folglich springt Hirmer auch nicht schon jetzt auf die Rabatt-Aktionen auf. "Der Sommer kommt doch erst. Wir reduzieren frühestens Mitte Juli die Sommerware", berichtet Verkaufsleiter Ewald Janssen. "Schnäppchen kann man also auch bei uns durchaus noch machen."

Auch Sportartikel kräftig reduziert

Nicht nur Sommerkleidung, auch Sportartikel kann man zurzeit günstig erstehen. Bei Sport Bittl zum Beispiel ist im Moment Räumungsverkauf. Auch auf reduzierte Ware gibt es dabei - allerdings zeitlich begrenzt - 20 Prozent Preisnachlass. Sommerartikel, die Ende Juli noch in den Geschäften in Allach, Laim und Fürstenfeldbruck/Buchenau aufs Lager drücken, werden laut Betriebsleiter Michael Butzschmann nochmals reduziert.

Auch bei Sport Scheck in München kann man sich jetzt schon gut für den Sommerurlaub eindecken: Bademode, Bergsport-Kleidung, Lauf- und Freizeit-Schuhe, Inliner und alles rund ums Surfen sind bereits reduziert.

Reduzierte Ware mit Mängeln muss zurückgenommen werden

Gerade bei reduzierter Ware erliegt man oft der Versuchung, ein Kleidungsstück zu kaufen, das bei genauerer Betrachtung doch nicht gefällt oder richtig passt. "Genau wie bei jedem anderen Kauf, besteht auch bei reduzierter Ware kein Rechtsanspruch auf Umtausch, wenn das Teil nicht gefällt oder passt", erklärt die Juristin Petra von Rhein von der Verbraucherzentrale Bayern. Wird verbilligte Ware zurückgenommen, geschieht das wie bei regulären Stücken auf Kulanz. Von Rhein empfiehlt deshalb, vor dem Kauf nachzufragen. Ganz anders sieht es aus, wenn die erworbene Ware Mängel aufweist. "In diesem Fall kann man alles innerhalb von zwei Jahren zurückgeben", informiert die Juristin. Behält man das Gekaufte allerdings länger als sechs Monate, muss man beweisen, dass das Teil bereits beim Kauf beschädigt gewesen ist.

Die zweijährige Rückgabegarantie bei Beschädigung gilt für reduzierte Ware ebenso wie für nicht reduzierte. "Das ist ein gesetzliches Recht jedes Verbrauchers. Dieses erlischt nicht, nur weil etwas günstiger war." Anders sieht es allerdings aus, wenn zum Beispiel Kleidungsstücke als Mangelware ausgezeichnet worden sind. Dann kann man sie nicht zurückgeben. 

weg

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Genug Aktionäre überzeugt: Finanzinvestoren übernehmen Stada
Das lange Übernahmeringen um den hessischen Arzneimittelhersteller ist beendet. Bain und Cinven haben im zweiten Anlauf die nötige Zustimmung der Aktionäre erreicht. Nun …
Genug Aktionäre überzeugt: Finanzinvestoren übernehmen Stada
Schweiz verhängt Zulassungsstopp für manipulierte Porsche-Cayenne-Wagen
Die Behörden in der Schweiz haben einen Zulassungsstopp für bestimmte Modelle des Porsche Cayenne verhängt. Grund dafür ist der Umweltschutz.
Schweiz verhängt Zulassungsstopp für manipulierte Porsche-Cayenne-Wagen
Unternehmer Wöhrl will insolvente Air Berlin übernehmen
Der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl hat sein Interesse an der Übernahme der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin signalisiert.
Unternehmer Wöhrl will insolvente Air Berlin übernehmen
Studie: Lufthansa-Monopol droht vor allem auf innerdeutschen Strecken
Eine Komplettübernahme der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin würde der Lufthansa vor allem auf innerdeutschen Strecken zu einem starken Monopol verhelfen.
Studie: Lufthansa-Monopol droht vor allem auf innerdeutschen Strecken

Kommentare