Fast 30 Milliarden Euro Dividende: Den Kleinaktionären nicht genug

- Frankfurt - Noch nie haben deutsche Unternehmen höhere Dividenden ausgeschüttet als für das Jahr 2005. Doch der Geldsegen reicht vielen Aktionären nicht. 50 Prozent des Gewinns soll ausgeschüttet werden, fordert die deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Vor Jahresfrist waren es noch 38 %.

Besonders viel vom Dividendensegen hat die Aktionärsfamilie Quandt. Allein Susanne Klatten (BMW/Altana) konnte nach einem Bericht der Zeitschrift "Capital" 126,9 Millionen Euro an Dividende einnehmen, nahezu so viel wie die gesamte Familie Haniel (Celesio, Metro, Takt) mit 141,3 Millionen Euro. Bruder Stefan Quandt (BMW) kam auf 69,4 Millionen Euro und Mutter Johanna Quandt auf 66,7 Millionen.

Dabei sind die Quandts bescheiden. BMW (die Hauptdividendenquelle der Familie) schüttet gerade 19 Prozent aus - mit ein Grund dafür, warum der Konzern auch die Mitarbeiter üppig am Erfolg beteiligen kann - und dennoch genug Geld für Investitionen bleibt.

Den pfleglicheren Umgang mit den eigenen Unternehmen konstatiert "Capital" den Eigentümerfamilien. Langfristig zahlt sich das aus. So konnte die Familie Wacker (Wacker-Chemie), die sich lange von der Börse fern hielt, 68,5 Millionen Euro Dividende einstreichen. Und selbst kleine Unternehmen, die einen erheblichen Teil ihrer Gewinne investieren, können langfristig viel ausschütten. Siegfried Meister, Gründer von Rational in Landsberg, kommt auf 20,8 Millionen Euro an Dividende, der Autovermieter Erich Sixt erhält von den Ausschüttungen seines Unternehmens 7,3 Millionen Euro.

Die organisierten Kleinaktionäre hätten gerne schneller Kasse gemacht: "Statt sich der aus unserer Sicht gebotenen Ausschüttungsquote von 50 Prozent des Gewinns zu nähern, entfernen sich die Unternehmen davon", kritisierte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker. Insgesamt zahlten die 30 Dax-Unternehmen für das vergangene Jahr laut DSW-Berechnungen 22,81 Milliarden Euro Dividende. Das waren 6,5 Milliarden Euro oder knapp 40 Prozent mehr als für 2004. Sieben Unternehmen schütteten mehr als die Hälfte ihrer Gewinne aus. Spitzenreiter war der Handelskonzern Metro, der 67 Prozent des Überschusses an die Aktionäre weitergab.

Auch Eon, Daimler-Chrysler, die Deutsche Telekom, Siemens, Lufthansa und die Deutsche Börse lagen über der 50-Prozent-Marke. Vier Firmen (neben BMW sind das Adidas, Continental und Allianz) gaben dagegen nicht einmal 20 Prozent des erwirtschafteten Gewinns weiter.

Die DSW untersuchte insgesamt 950 Aktiengesellschaften. Dabei besteht je nach Börsensegment ein deutliches Gefälle bei der Gewinnausschüttung. Gut drei Viertel der gesamten Dividendensumme entfallen auf die 30 Dax-Unternehmen. Von den kleineren Unternehmen zahlen viele überhaupt keine Dividende. Rund 60 Prozent der börsennotierten Gesellschaften blieben ihren Anteilseignern eine Ausschüttung schuldig. Hocker wertete dies als Beleg dafür, dass viele Neuemissionen "nicht annähernd reif für die Börse" waren. Die Anteilseigner solcher Unternehmen hätten oft nur das Kapitalrisiko, ohne dafür eine Risikoprämie zu erhalten.

>>> Weitere Links zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Preisexplosion für Flugtickets: Kartellamt prüft Lufthansa
Seit der Air-Berlin-Pleite ist Fliegen innerhalb Deutschlands teurer geworden. Nach vielen Kundenbeschwerden nimmt das Bundeskartellamt die Preise der Lufthansa nun …
Preisexplosion für Flugtickets: Kartellamt prüft Lufthansa
BASF führt Gespräche mit größtem Konkurrenten in Deutschland
Nach zuletzt bekundetem Interesse an Bayer, hat BASF jetzt Gespräche über eine Fusion des Öl- und Gasgeschäfts mit Dea bestätigt. Diese seien jedoch noch offen.
BASF führt Gespräche mit größtem Konkurrenten in Deutschland
Aus für Küchenbauer Alno - Pfullendorf unter Schock
Kein Investor will den Küchenbauer Alno übernehmen, damit ist das Ende besiegelt. Am Sitz in Pfullendorf strahlt die Sonne - doch für die verbliebenen Mitarbeiter ist es …
Aus für Küchenbauer Alno - Pfullendorf unter Schock
BASF prüft Fusion des Öl- und Gasgeschäfts mit Dea
Bei der Fusionswelle in der Chemieindustrie hat BASF lange abseits gestanden. Das hat sich geändert. Nachdem das Unternehmen Interesse an Teilen von Bayer bekundet hat, …
BASF prüft Fusion des Öl- und Gasgeschäfts mit Dea

Kommentare