Fehleinschätzung Grund für Stromausfall

- München/Bonn - ­ Der europaweite Stromausfall vom 4. November ist nach Erkenntnissen des Energiekonzerns Eon vor allem auf menschliche Fehleinschätzungen zurückzuführen. Technische Fehlfunktionen wurden nicht festgestellt, wie Eon in Bonn mitteilte.

Der gesamte Störungsverlauf konnte den Angaben zufolge weitgehend nachvollzogen werden. Die Eon-Netzleitstelle habe die jeweilige Situation zwar grundsätzlich ordnungsgemäß beurteilt, aber unter hohem Zeitdruck nicht alle technischen Hilfsmittel für eine umfassende Lagebewertung genutzt, hieß es in dem Bericht.

Für technische Fehlfunktionen von Leitungen lägen keine Hinweise vor. Auch sei die Einspeisung von aus Windkraft gewonnener Energie nicht ursächlich für den Ausfall.

Der Ursprung für den Stromausfall war die Abschaltung einer Höchstspannungsleitung über die Ems zwischen den Netzleitstellen Conneforde und Diele. Schon vor dieser Abschaltung sei fälschlicherweise angenommen worden, dass auch beim Ausfall einer weiteren Leitung eine Überlastung des Netzes ausgeschlossen sei, hieß es in dem Eon-Bericht.

Etwa eine halbe Stunde später seien Überlastungen bei einer anderen Hochspannungsleitung aufgetreten, deren Ursache bislang nicht geklärt sei. Zur endgültigen Klärung dieses Phänomens seien noch zahlreiche Datensätze auch der europäischen Partner notwendig, sagte das bei Eon-Energie für das Netz zuständige Vorstandsmitglied Klaus-Dieter Maubach.

Um diese Überlastungen auszugleichen, seien in einem Umspannwerk mehrere Leitungen zusammengeschaltet worden. Entgegen der Einschätzung der Mitarbeiter in der Netzleitstelle habe das zum gegenteiligen Effekt geführt, die Belastung sei schlagartig angestiegen. Das habe eine automatische Abschaltung ausgelöst. Der Ausfall dieser zweiten Leitung habe schließlich einen Dominoeffekt und damit eine vorübergehende Trennung des europäischen Verbundnetzes ausgelöst.

In Bayern ist das Stromnetz nach Einschätzung von Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) "in einem guten technischen Zustand". Die Stromnetzbetreiber investierten in den Erhalt und den Ausbau des bayerischen Netzes jährlich rund 300 Millionen Euro und hätten zugesagt, dieses Investitionsniveau auch künftig zu halten, erklärte der Minister nach einem Gespräch mit hochrangigen Vertretern der Elektrizitätswirtschaft. Unmittelbare Konsequenzen aus dem Stromausfall, der am vorvergangenen Wochenende auch Bayern betraf, müssten nicht gezogen werden, meinte Huber. Allerdings werde man die Leistungsfähigkeit des Netzes im Auge behalten.

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