Fehler gleich mitgeliefert: Rückrufaktionen auf Höchststand

- München - Der "Elchtest" hat sie berühmt gemacht: Rückrufaktionen von Autoherstellern. Seit der Panne bei der Mercedes A-Klasse hat die Zahl dieser Nachbesserungsarbeiten dramatisch zugenommen. 144 Aufrufe sind in diesem Jahr mit Unterstützung des Kraftfahrbundesamtes gelaufen, 13 Prozent mehr als 2002 und so viel wie noch nie. Betroffen waren rund 940 000 Fahrzeuge. Doch nicht alle Halter treten den Weg zur Werkstatt auch an.

<P>Neue Fahrzeuge werden immer sicherer und komplizierter. Anti-Blockier-System, Airbags, Stabilitäts-Programm, alles elektronisch gesteuert, mitunter ist selbst die Lenkung nicht mehr mechanisch. "Je mehr Sicherheitsteile drin sind, desto mehr können notgedrungen auch Probleme machen", sagt ADAC-Experte Magnus Geisler. Und dass immer mehr Teile von Zulieferbetrieben gefertigt werden, produziere ebenfalls so manches Abstimmungsproblem. Nicht auszuschließen sei auch, dass die Hersteller im Wettbewerbsdruck ihre Modelle nicht völlig ausgetestet auf den Markt werfen. Die Zeit bis zur Einführung eines Nachfolgemodells hat sich teilweise halbiert. Dennoch: "Grundsätzlich sollte man Rückrufaktionen eher positiv bewerten, der Hersteller nimmt damit seine Produktbeobachtungspflicht wahr", sagt Geisler.</P><P>Die steigende Zahl der Rückrufaktionen - zum Vergleich: 1993 waren es noch 35 - sei nicht das eigentlich beunruhigende, vielmehr die Erfolgsquote, meint Geisler: "Nur wenn es sehr günstig läuft, erreichen die Hersteller 75 bis 80 Prozent der Halter." Die meisten Aktionen locken im ersten Versuch zwischen 50 und 60 Prozent in die Werkstätten, schätzt Geisler. Die restlichen Wagen fahren mit dem Fehler weiter. "Viele halten die Anschreiben für Werbung oder heften sie ab und vergessen sie." Die Hersteller versuchen, dem Problem mit Nachfass-Aktionen Herr zu werden. In 46 Aktionen hakten die Autobauer mit Hilfe des Kraftfahrbundesamtes dieses Jahr nach, bei manchen ist eine dritte Runde nötig. Den Weg über die Behörde gehen die Hersteller dabei nur bei sicherheitsrelevanten Mängeln, zum Beispiel bei Problemen mit der Bremsanlage. Weniger drastische Fehler beheben die Werkstätten bei der regelmäßigen Wartung. Die wahre Anzahl der Nachbesserungsarbeiten sei also deutlich höher als die vom Kraftfahrzeugamt veröffentlichte, sagt Geisler.</P><P>Betroffen ist die gesamte Branche, unabhängig von Nationalität oder Preissegment. Knapp die Hälfte der zurück gerufenen Fahrzeuge war weniger als drei Jahre alt.<BR></P>

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