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Feilschen lohnt sich auch im Internet

Feilschen im Webladen, das geht nicht? Doch, versichern Verbraucherschützer. Wir machten den Test und stellten fest: Tatsächlich kann eine einzige E-Mail für einen Preisnachlass sorgen. Doch nicht immer führt der Rabattwunsch zum besseren Preis.

Die Einkaufstour im Elektromarkt der Zukunft verspricht alles andere als ein sinnliches Konsumabenteuer zu werden – keine freundlichen Kundenberater, keine Musik, keine Mustergeräte zum Ausprobieren – und vor allem nicht die Möglichkeit, von Angesicht zu Angesicht mit dem Verkäufer ein paar Euro Rabatt herauszuschlagen. Seit dem Wegfall des Rabattgesetzes im Jahr 2001 dürfen die Deutschen nicht nur im Warenhaus, sondern auch beim Internethändler feilschen – ohne Augenkontakt, dafür bequem und anonym per E-Mail: „Aber leider denken nur wenige Verbraucher an diese Möglichkeit“, erklärt Georg Tryba, Sprecher der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Wir wollten wissen, ob das Internet tatsächlich zum Basar wird, selbst wenn Kaufwillige nur eine Frage stellen. Per Mail erkundigten wir uns bei 13 Internetgeschäften und baten um einen Rabatt für die digitale Spiegelreflexkamera „Canon EOS 5D Mark II“ inklusive Objektiv. Das Gerät kostet immerhin rund 3000 Euro – eine teure Kaufentscheidung, die sich durch einen kleinen Rabatt sicher erleichtern lässt. Und tatsächlich: Vier Händler waren bereit, am Preis „etwas zu machen“. Besonders attraktiv war das Angebot von „dvcut.de“ – hier sollte es nicht nur einen Abzug von 4 Prozent oder umgerechnet rund 160 Euro geben, sondern auch noch eine Speicherkarte und einen Ersatzakku im Wert von 150 Euro. Gesamtwert des Nachlasses: Etwa zehn Prozent. Mitbewerber „power-versand.com“ war immerhin noch bereit, 50 Euro zu erlassen. In den Angeboten von „cyberport.de“ und „nexxtdirect.de“ wurden die Versandkosten von 12 beziehungsweise 14,99 Euro erlassen – eine einzige E-Mail genügte.

Ähnliche Erfahrungen haben auch Georg Tryba und seine Kollegen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gemacht. Sie kontaktierten 60 Online-Verkäufer per Mail und baten um einen Rabatt für Fahrräder und Küchengeräte. Dabei waren die Tester der Verbraucherzentrale noch erfolgreicher als wir bei der Digitalkamera: Jeder dritte Händler war zu einem Abschlag bereit, durchschnittlich belief sich der erzielte Rabatt auf stattliche sieben Prozent. Das Fazit der Verbraucherschützer: „Das Feilschen mit Online-Händlern ist sehr einfach. Es kostet außer Zeit nichts“, sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale.

Die Frage nach einem kleinen Rabatt kommt für die Internethändler keinesfalls unerwartet, wie wir erfuhren: „Bei einer anständigen und freundlichen Formulierung würde sich jeder die Mühe machen, den Taschenrechner zu zücken, um eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden“, versichert Andreas Vogelbacher von Nexxt Direct. Der Händler bekommt nach eigenen Angaben jeden Tag gleich mehrere Anfragen, die den Preis betreffen. Vogelbacher warnt jedoch vor allzu großen Rabatterwartungen: „Durch die sehr gering bemessene Kalkulation im Onlinehandel ist es natürlich nicht immer möglich, den Preis zu mindern.“ Das bestätigt auch Georg Tryba – bei Textil- und Möbelangeboten gebe es eher mehr Raum für Rabatte, bei Computern sei der Preiskampf unter den Verkäufern sehr hart. „Wichtig ist in jedem Fall, Kaufbereitschaft zu signalisieren und klarzumachen, dass man nicht nur so handelt“, weiß Verbraucherschützer Tryba.

Vor der Verhandlung mit dem Internethändler empfiehlt sich auch ein Blick auf die Konkurrenz – Internet-Preissuchmaschinen, bei denen die Preise für ein und dasselbe Produkt bei den verschiedenen Händlern aufgelistet sind, können dabei helfen, den Preis herunterzuhandeln: „Wer sich vorher per Internet informiert und die Preislage für das Wunschprodukt kennt, hat bessere Karten beim Feilschen“, empfiehlt Tryba.

Sechs goldene Regeln

Rabattwunsch geschickt formulieren: Konkrete Forderungen nach dem Motto „Ich möchte zehn Prozent Nachlass“ sind mutig, können eine realistische Verhandlungsbasis jedoch schnell kaputt machen. Besser sind generelle Fragen nach dem Motto „Ist beim Preis noch was zu machen?“.

Mehrere Händler kontaktieren: Kaufwillige Verbraucher sollten eine Standardmail vorformulieren und diese an möglichst viele Händler schicken – ein Preisnachlass ist nämlich keinesfalls bei jedem Händler möglich. Die Internethändler reagieren per Mail meist innerhalb von 24 Stunden.

Kaufinteresse zeigen: Wer dem Händler klar-macht, dass er nicht aus Spaß nach einem Rabatt fragt, sondern den Artikel wirklich kaufen will, hat bessere Karten.

Käufe zusammenfassen: Geht es um mehrere Artikel und einen höheren Geldbetrag, kann ein Händler eher einen großzügigen Rabatt einräumen. Verbraucher sollten deshalb prüfen, ob sie nicht gleich mehrere Käufe tätigen müssen, und für alle Artikel einen Gesamtpreis erfragen.

Kompromissbereit sein: Nicht immer geben Händler einen Nachlass in barer Münze, sondern legen dafür ein Geschenk obendrauf. Das ist für beide Seiten gut: Der Händler macht keinen großen Verlust durch den günstigen Einkaufspreis für die Dreingabe, der Kunde erhält ein nützliches Zusatzteil für seinen Kaufwunsch.

Preise vergleichen: Nicht immer ist ein Artikel mit Rabatt automatisch das beste Angebot. Verbraucher sollten deshalb die Preise für den gewünschten Artikel mit Preissuchmaschinen wie Idealo.de oder Guenstiger.de vergleichen.

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