Fendt: Sparwut trotz Spitzenrendite

- München - Globalisierte Konzerne schließen hier zu Lande profitable Werke oder verlangen Opfer der Belegschaft - obwohl die Gewinne sprudeln. Die Traktorenfirma Fendt liefert ein Paradebeispiel.

Vor vier Monaten war die Welt beim Allgäuer Traktorenhersteller Fendt noch in Ordnung. "Wir wollen hier weiter investieren", kündigte der Präsident des US-Mutterkonzerns Agco, Martin Richenhagen, an. Am Fendt-Firmensitz Marktoberdorf und dem Zweitwerk Bäumenheim würden bis zu 500 Stellen aufgebaut, hieß es damals. Heute ist das vom Tisch.

Die Gespräche mit IG Metall und Betriebsrat über den Kapazitätsaufbau seien gescheitert, stellt Geschäftsführer Hermann Merschroth klar. Agco forderte für Stellenaufbau und Investition von 30 Millionen Euro eine Ausweitung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 38,5 Stunden ohne Lohnausgleich. Personalvertreter und Gewerkschaft lehnten dies ab. Die Weigerung klingt angesichts der Lage am Arbeitsmarkt zunächst engstirnig. Ein zweiter Blick macht sie verständlicher.

Agco Fendt schreibt seit drei Jahren steigende Gewinne in einem Ausmaß, dass die Investitionen "aus der Portokasse" bezahlt werden könnten, sagt die IG-Metall-Verhandlungsführerin Sibylle Wankel. Die Umsatzrendite nach Steuern sei prozentual deutlich zweistellig und liege damit gut das Doppelte über dem branchenüblichen Niveau. Dennoch habe man dem Management einen bis 2009 befristeten Lohnverzicht des Personals von zehn Millionen Euro angeboten.

"Das reicht nicht", sagt ein Fendt-Sprecher. Für Investitionen gebe es von der US- Mutter strikte Renditevorgaben. Er bestreitet nicht, dass die deutsche Tochter des global drittgrößten Landmaschinenkonzerns hoch profitabel sei. Rund 12 000 Traktoren verkaufe Fendt derzeit jährlich, schwärmt der Sprecher. Damit seien die Allgäuer bei 20 Prozent Marktanteil fast gleichauf mit dem US-Konkurrenten John Deere hier zu Lande die Nummer zwei. Die Umsätze seien 2005 von 760 auf gut 800 Millionen Euro gestiegen, die Zahl der Mitarbeiter leicht auf knapp 2700. Die nächsten Jahre werde es wohl weiter aufwärts gehen, nun aber ohne Großinvestition aus den USA.

"Bedenken haben wir schon", räumt Wankel ein. Immerhin habe das vor dem Aus stehende AEG-Werk in Nürnberg vor drei Jahren einen Produktionsrekord gefeiert. Angesichts solcher Entwicklungen wäre ein massiver Aufbau im Fendt-Werk ein beachtliches Faustpfand gewesen. Aber zum einen sei es unverständlich, warum sich ein hoch profitabler Konzern eine Investition vom Personal bezahlen lassen müsse. Zum anderen wäre de facto in der ganzen Branche die 35-Stunden-Woche vom Tisch, wenn sie bei einem der am besten verdienenden Konzerne falle.

So sieht das mittlerweile auch Fendt-Betriebsratschef Heinz Kühling. "Wir wollten die Investition haben", stellt er klar. Aber es gebe Schichtmodelle, bei denen das Personal ohne Zuschlag zwischen 28 und 42 Stunden wöchentlich arbeitet. Das unternehmerische Risiko sei damit in weiten Teilen auf die Belegschaft abgewälzt. Zusätzlich hätten er und seine Kollegen für ein hoch rentables Unternehmen nochmals auf gut zehn Millionen Euro verzichtet. Als das Management das abgelehnt habe, sei auch die Stimmung in der Belegschaft gekippt.

Nun gehe es eben weiter wie zuvor, was auch örtliche Nachbarfirmen wie der Hubschrauberhersteller Eurocopter gut fänden. "Wenn ihr die 35-Stunden-Woche kippt, sind wir auch dran", hätten die Belegschaften dort gewarnt und für sich dann Stellenabbau befürchtet.

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