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75 Jahre VW Käfer

Ferdinand Porsches zündende Idee

Hamburg - Vor einem Dreiviertel-Jahrhundert schrieb Ferdinand Porsche Industriegeschichte: Im Januar 1934 entwarf er den Volkswagen - der erst nach dem zweiten Weltkrieg Karriere machte.

Ferdinand Porsche schrieb Industriegeschichte im Sinne des Wortes: Am 17. Januar 1934 verfasste der Ingenieur sein "Exposé betreffend den Bau eines deutschen Volkswagens". Die NS-Führung wollte ähnlich wie beim Rundfunk-"Volksempfänger" ein Auto für das Volk, und Porsche bekam den Bauauftrag. 1936 fuhr der erste Wagen. Doch ein Welterfolg wurde der Käfer, wie das Rundauto später genannt wurde, erst nach 1945.

Der Letzte: Käfer Nummer 21 529 464 lief am 30. Juni 2003 in Mexico vom Band.

Adolf Hitler verlangte Anfang der 30er-Jahre einen Volkswagen. Das Auto sollte nach den Ideen von Ferdinand Porsche vier Personen Platz bieten, 100 Stundenkilometer erreichen, 30-prozentige Steigungen erklettern, verschiedene Aufbauten tragen und nicht mehr als 1000 Reichsmark kosten. Mit dem Geld vieler tausend Sparer, die auf einen Volkswagen hofften, wurde in Fallersleben bei Braunschweig eine Fabrik aus dem Boden gezogen: das spätere Wolfsburg.

Doch der Krieg machte die Pläne zunichte. Nur wenige Volkswagen wurden gebaut. Stattdessen montierten Deutsche und Zwangsarbeiter in dem Werk Flugzeugteile, Granaten und stellten den auf VW-Technik basierenden Kübelwagen her.

Nach dem Krieg ließ die britische Besatzungsmacht die Autoproduktion wieder anfahren. Der Käfer sollte als Dienstfahrzeug für Armee und Verwaltung dienen. Doch dabei blieb es nicht.
Der Volkswagen war das Auto, nach dem die schwierige Zeit verlangte: Billig, einfach zu reparieren, zuverlässig. 1946 wurden 10 000 Stück hergestellt, 1950 waren es 90 000. Firmenchef Heinrich Nordhoff erkannte jedoch, dass der noch schwache deutsche Markt allein nicht reichen würde. Ende 1953 wurde der Wagen schon in 88 Länder exportiert. Nordhoff senkte die Preise, die Massenproduktion machte es möglich: 1954 kostete das Standardmodell 3950 Mark. Ein Jahr später lief der millionste Käfer vom Band.

Immer weiter feilten die Ingenieure in Wolfsburg am Käfer: Größere Heckfenster, 12-Volt-Elektrik, stärkere Motoren und mehr. Und VW entdeckte die Werbung: "Er läuft und läuft und läuft . . ." ist ein Klassiker geworden.

Ende der 60er-Jahre kam die Wende. Technisch hatte sich der Käfer totgelaufen. Die Luftkühlung kam an ihre Grenzen, das Fahrverhalten des Heckmotors wurde bei immer höheren Geschwindigkeiten gefährlich, der Stauraum war zu klein. Die Verkaufszahlen gingen allerdings nicht schlagartig zurück, weshalb VW in eine Sackgasse steuerte. Technisch moderne Wagen schafften es nicht ins Programm. Erst nach dem Tod von Käfer-Fan Nordhoff 1968 kam 1974 die Wende mit dem Golf.

Der Käfer selbst lief munter weiter: Am 17. Februar 1972 rollte das 15 007 034. Exemplar vom Band. Der Käfer wurde der meistverkaufte Wagen der Welt. 1978 stellte VW die Produktion in Deutschland ein. Doch so schnell war die Ikone des Automobilbaus nicht totzukriegen: Die Herstellung wurde zunächst nach Brüssel verlegt, später vor allem nach Mexiko.

Der allerletzte Käfer wurde am 30. Juli 2003 in Mexiko mit der Nummer 21 529 464 montiert. Da besaß das Auto längst Kultstatus. In Deutschland sind heute noch rund 50 000 Käfer unterwegs.

Claus-Peter Tiemann

Rubriklistenbild: © dpa

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