Erst mit 15 Jahren

Ferienjob: Das müssen Sie wissen 

München - Mit einem Ferienjob können Schüler und Studenten ihr Taschengeld aufbessern. Doch für Ferienkräfte gelten strenge Regeln wie etwa der Jugendarbeitsschutz - ein Überblick.

Der Jugendarbeitsschutz in Deutschland ist streng: Schüler müssen mindestens 13 Jahre alt sein, um einen Nebenjob anzunehmen. Ausnahmen sind die Teilnahme an Filmen oder Werbeaufnahmen. Mindestens 13-Jährige dürfen Zeitungen und Werbezettel (bis zu zwei Stunden täglich) austragen, als Babysitter tätig sein, Nachhilfeunterricht geben, Botengänge aus- und Hunde Gassi führen sowie in Sportarenen oder in der Landwirtschaft (bis zu drei Stunden täglich) mithelfen – alles gegen Bezahlung.

Maximal 40 Stunden pro Woche

Über 15-Jährige dürfen darüber hinaus Ferienjobs übernehmen: bis zu vier Wochen im Jahr. Dabei muss es sich allerdings um Arbeiten handeln, die für junge Leute geeignet sind, sie also körperlich nicht überfordern. Das Gesetz erlaubt für die jungen Arbeitnehmer maximal die Fünf-Tage-Woche (höchstens 40 Stunden pro Woche).

Auch für schulpflichtige Kinder ab 15 Jahren gelten dieselben Arbeitsschutzvorschriften wie für die Jüngeren. Arbeitsrechtlich sind dieselben Regeln wie für Erwachsene Arbeitnehmer maßgebend: Sie haben etwa Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall (dies allerdings nur bei laufenden Beschäftigungen, nicht jedoch bei einem Vier-Wochen-Ferienjob) und für gesetzliche Feiertage.

Sozialversicherungsbeiträge brauchen für Ferienjobs nicht aufgebracht zu werden – unabhängig von der Höhe des Verdienstes. Regelmäßig ausgeübte Schülerbeschäftigungen bleiben für die Schüler sozialabgabenfrei, solange sie pro Monat nicht mehr einbringen als 450 Euro. Der Arbeitgeber hat jedoch für gesetzlich krankenversicherte Schüler mit Minijob pauschal 13 Prozent für die Kranken- und generell 15 Prozent für die Rentenversicherung aufzubringen. Im Regelfall übernimmt er auch die zweiprozentige Pauschalsteuer.

Völlig, also auch für die Arbeitgeber, sozialabgabenfrei sind Beschäftigungen von Schülern, die nur während der Ferien ausgeübt werden. Die Grenze liegt hier bei zwei Monaten oder 50 Arbeitstagen innerhalb eines Kalenderjahres – ohne Verdienstbeschränkung. In der gesetzlichen Unfallversicherung sind Schüler auf jeden Fall versichert. Der gesetzlichen Krankenversicherung gehören sie kostenfrei über ihre Eltern an, solange sie regelmäßig nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen oder aber ihre sonstigen Einkünfte 385 Euro monatlich nicht übersteigen.

Knapp 920 Euro im Monat steuerfrei

Auf Steuerkarte kann (Klasse I und IV) bis zu 918 Euro im Monat steuerfrei verdient werden. Versteuert der Arbeitgeber den Verdienst pauschal (mit 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag plus gegebenenfalls Kirchensteuer) und ist er bereit, die Steuer zu tragen, dann kann er für bis zu 18 zusammenhängende Arbeitstage à maximal 62 Euro (ergibt 1116 Euro) steuerfrei an seinen Mitarbeiter auszahlen. Mehr als genug, um Urlaub zu machen. Doch aus Firmensicht ist die Übernahme der Steuer regelmäßig unnötig – wegen der zuvor erwähnten Möglichkeit der Schüler, den Arbeitsverdienst bis zu knapp 918 Euro brutto monatlich steuerfrei einstreichen zu können.

Im Übrigen könnte sich ein Schüler, der wegen eines höheren Verdienstes steuerpflichtig geworden ist, die Abgabe im folgenden Jahr per Einkommensteuer-Erklärung vom Finanzamt meist zurückholen.

Urlaubsansprüche können sich allenfalls dann ergeben, wenn ein Schüler laufend (in den Grenzen des Jugendarbeitsschutzgesetzes) arbeitet. Sie betragen mindestens vier Wochen, wenn ein ganzes Jahr gearbeitet wird, ansonsten ein Zwölftel des Jahresurlaubs pro Beschäftigungsmonat. Halbe Monate werden aufgerundet.

Keine Sorge brauchen sich volljährige Schüler hinsichtlich des ihren Eltern zustehenden Kindergeldes zu machen: Unabhängig davon, wie hoch ihr Arbeitsverdienst durch Ferienjobs ist – das Kindergeld wird dadurch nicht beeinträchtigt. Und noch etwas: Nebenverdienste, die während der Schulferien erzielt werden, werden nur selten auf die Regelleistungen der Familie angerechnet, wenn die Eltern Arbeitslosengeld II beziehen. Für Schüler der allgemein- oder berufsbildenden Schulen, die noch keine 25 Jahre sind und keine Ausbildungsvergütung erhalten, wird ein als Arbeitnehmer erzielter Lohn nicht bedarfsmindernd angerechnet, der 1200 Euro im Jahr nicht übersteigt. Ferner muss er in den Schulferien in einem Zeitraum von höchstens vier Wochen im Jahr erzielt worden sein. Wichtig: Diese Vergünstigung gilt nicht für die von Azubis erzielte Ausbildungsvergütung.

Ferienjobs

Wer einen Ferienjob sucht, kann sich an die Arbeitsagentur vor Ort wenden. Angebote finden sich im Internet unter www.jobboerse.arbeitsagentur.de. Ferienjobs gibt es auch auf dem Jobportal von Merkur Online unter http://jobs.merkur-online.de.

Von Wolfgang Büser

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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