Fernsehen und Video per Handy noch Zukunftsmusik

- München - Lange wurde die neue Mobilfunktechnik UMTS als revolutionärer Quantensprung und Milliardengeschäft in den Himmel gehoben. Erst seit diesem Jahr gibt es aber erste Angebote für Kunden. Zögerliche Nachfrage und anhaltende technische Probleme dämpfen nun die Euphorie der Industrie.

<P>Seit Mobilfunkanbieter vor vier Jahren europaweit 105 Milliarden Euro für ihre UMTS-Lizenzen ausgegeben haben, leckt sich die Branche die davon gerissenen Wunden. Mit dem lange verzögerten, kommerziellen Start der neuen Technologie 2004 in Deutschland wollen Telekom, Vodafone & Co. endlich durchstarten. Grenzenlos ist der Optimismus aber nicht mehr, der dem neuen Funkstandard entgegengebracht wird. Das zeigte ein Mobilfunkkongress am Rande der Systems in München. </P><P>"Unser Kerngeschäft ist Sprachtelefonie", bekannte E-Plus-Vorstand Uwe Bergheim. Zwar setze auch E-Plus auf UMTS, werde deswegen aber nicht "die Landschaft mit neuen Antennen vollklatschen", solange sich keine spürbare Nachfrage abzeichnet. </P><P>"Wir müssen dem Kunden erklären, dass wir eine Lösung für ein Problem haben, das er noch nicht kennt."<BR>Rudolf Gröger, O2-Chef</P><P>Auch andere Experten, wie der Vorstand der Branchenorganisation GSM, Rob Conway, warnen. Es werde bei UMTS keinen Urknall oder die "Killeranwendung" schlechthin geben, die alles andere in den Schatten stellt. Primär müssten noch technologische Hürden gemeistert werden, wie das Versenden von MMS-Nachrichten mit Bildern über Landesgrenzen hinweg. </P><P>Wenn der Mobilfunk - wie mit UMTS geplant - in die Internetwelt eindringt, würden zudem zwei Mentalitäten aufeinanderprallen, die Mobilfunkbetreibern nicht ohne weiteres neue Ertragsquellen bescheren. Die Internetgemeinde sei nämlich kostenlose Angebote gewöhnt. "Wir müssen verkaufen lernen", räumte der Vorstandschef von 02 Deutschland, Rudolf Gröger, selbstkritisch ein. Die wahre Kunst sei es, "dem Kunden zu erklären, dass wir eine Lösung für ein Problem haben, das er noch nicht kennt". </P><P>Noch messe die Branche Markterfolg nur durch das Zählen verkaufter Sim-Karten und vernachlässige dabei den lebenden Menschen. In dieses Horn stößt auch der Deutschland-Chef des Musikkonzerns Warner Music, Tim van Dyk. Mit Technik allein sei der Kampf um Kunden nicht zu gewinnen. "Es geht zu wenig um Emotionen", findet der Manager, dessen Konzern einen Teil der neuen Angebote liefert, die Kunden auf ein UMTS-Handy locken sollen. </P><P>Das Herunterladen von Musik per Handy ist aber nur eine Anwendung, mit der UMTS kommerzielles Leben eingehaucht werden soll. Videotelefonie oder Handy-TV sind andere. Doch in jedem dieser potenziellen Wachstumsfelder ist funktionierende Technik nicht selbstverständlich.</P><P>Zur Fußball-WM jedes Tor in Echtzeit per Handy</P><P>Schon heute sinke in Großstädten die Sprachqualität mobiler Telefonaten wegen der hohen Netzauslastung, bestätigt Siemens-Vorstand Lothar Pauly. Videotelefonie könne erst nach 2010 mit der Nachfolgertechnologie von UMTS zum Massengeschäft werden, sagen Experten. Auch Fernsehen per Handy bleibt offenbar bis auf weiteres Zukunftsmusik. Bei einem derzeit in Berlin laufenden Pilotversuch kämpfen Techniker jedenfalls nach Auskunft von Insidern noch mit Tücken der Technik. Hier gilt die Fußballweltmeisterschaft 2006 als wichtiges Datum für die Branche. </P><P>Dann sollen dort geschossene Tore praktisch in Echtzeit und ohne technische Probleme per Handy zu sehen sein. Kurzfristig müssen sich die Anbieter noch mit kleinen Schritten begnügen. Immerhin sollen im Weihnachtsgeschäft 2004 ein Zehntel aller verkauften Geräte UMTS-fähig sein.<BR></P>

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