Fernsehgeräte: Viele Flachmänner für EM untauglich

München - Die kommende Fußball-EM wird für viele Grund genug sein, die alte Röhren-Glotze im Miniformat gegen einen schicken Flachbildfernseher einzutauschen. Aber schick bedeutet nicht automatisch ein gutes Bild - gerade bei Fußballspielen. Daher machen sich Fans am besten nicht unvorbereitet auf den Weg zum Elektrohändler.

"Fußball ist eine Härteprüfung für Fernseher", sagt Peter Knaak, Technikexperte bei der Stiftung Warentest in Berlin. Folgt die Kamera bei schnellen Pässen dem Ball, sind leicht Bewegungsartefakte die Folge - der Ball bekommt zum Beispiel eine Art Kometenschweif. Auch wenn Fußballfreunde, die das Bier schon kalt gestellt haben, das nicht gern hören werden, lautet Knaaks Ratschlag: "Kaufen Sie einen Flachbildfernseher so spät es geht - die Röhre ist für das heutige Bild einfach optimiert."

EM in HDTV nicht in Deutschland

"Das heutige Bild", das ist im Fall der Europameisterschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit eines im 16:9-Format, das per PAL-Signal ausgestrahlt wird. Die Spiele werden in Österreich und der Schweiz zwar im hochauflösenden HDTV zu sehen sein, in Deutschland aber wohl nicht, erklärt Dietrich Sauter vom Institut für Rundfunktechnik in München. Auf dieses Format sind die Flachbildgeräte aber zunehmend ausgerichtet und tragen dann eines der Signets HD ready oder Full HD.

Wer sich einen der "Flachmänner" zulegen will, sollte mit der Entscheidungsfindung zu Hause beginnen, rät Markus Wölfel von der in Stuttgart erscheinenden Zeitschrift "Video". Das betrifft vor allem die Größe: Der Sitzabstand zum Fernseher sollte mindestens das Dreifache der Bilddiagonale betragen. Wer zu nah dran ist, sieht Bildfehler überdeutlich und unter Umständen sogar eine Pixelstruktur.

Wer trotz aller Nachteile bei der Übertragung der "Euro 08" ein so großes Gerät haben will, muss sich in Sachen Bildqualität zumindest nicht auf große Unterschiede zwischen LCD und Plasma einstellen: "Beide können ein gutes Bild liefern", sagt Dietrich Sauter. Plasma habe derzeit zwar hier und dort noch leicht die Nase vorn. "Aber das wird sich bald ausgleichen."

Egal ob 32 oder 42 Zoll, LCD oder Plasma: Wichtig ist, sich beim Probesehen im Laden nicht übertölpeln zu lassen. "Da werden häufig Werbevideos abgespielt und nicht Fernsehen zum Beispiel vom analogen Signal", sagt Wölfel. Daher sollte der Verkäufer gebeten werden, das Bild so auf den Schirm zu bringen wie beim Kunden zu Hause, also etwa über Kabel oder, wenn möglich, über DVB-T. Und ein Fußballspiel ist besser zur Anschauung als eine Tierdokumentation mit wenig Bewegung.

In ihrer Mai-Ausgabe hat die Stiftung Warentest gängige Modelle geprüft (siehe Tabelle) und kommt zu "guten" bis "befriedigenden" Ergebnissen. Wichtig dabei sind u.a. folgende Kriterien:

Pal-Video: Wichtig für Besitzer einer digitalen Sat-, DVB-T- oder Kabelbox sowie "klassische" Kabelkunden, die oft DVDs schauen.

Analog-Tuner: Für Kunden von herkömmlichem TV (meist über Kabel) interessant. Die Empfindlichkeit sagt, wie gut schwache Signale empfangen werden.

HDTV: Gibt an, wie gut der Fernseher hochaufgelöste Signale zeigt. Nur für Nutzer interessant, die mit einem speziellen Empfänger oder Spieler HD-Filme via Sat und Kabel oder Bluray-Discs bzw. HD-DVDs schauen.

Betrachtungswinkel: je besser die Note, desto geringer sind die Farbverfälschungen und Kontrastverluste beim Blick von der Seite.

-Reflexionsarmut: Ein gutes Urteil ist hier wichtig, wenn man den Raum, in dem der Fernseher steht, nicht abdunkeln kann.  dpa/mm

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