Bundeskartellamt prüft

Fernwärme: Viele Kunden zahlen zu viel

Bonn - Fernwärme ist nach Erkenntnissen des Bundeskartellamtes vielerorts zu teuer. In manchen Netzgebieten zahlen Kunden mehr als doppelt so viel als andernorts. Das soll sich nun ändern.

Viele Fernwärmekunden zahlen für Heizung und Warmwasser zu viel. Der Preisunterschied zwischen einzelnen Netzgebieten beträgt in einigen Fällen mehr als 100 Prozent. Das geht aus dem Abschlussbericht der Sektoruntersuchung Fernwärme hervor, den das Bundeskartellamt am Donnerstag in Bonn vorlegte. Es gebe klare Wettbewerbsdefizite. Die Gebiete, die die höchsten Gewinne abwerfen, sollen nun genauer unter die Lupe genommen werden. Die Untersuchung sei eine wichtige Grundlage, um möglichen Missbrauch von Marktmacht aufzudecken und gegebenenfalls Verfahren gegen besonders teure Versorger einzuleiten.

Dazu wird das Bundeskartellamt die für die 2009 eingeleitete Untersuchung genutzten Daten aktualisieren. Dann soll geklärt werden, inwieweit sich die teils erheblichen Preisunterschiede auf strukturelle Unterschiede zwischen den Versorgungsgebieten zurückführen lassen.

Die Untersuchung ergab ferner, dass die Preise dort tendenziell höher sind, wo die Kommunen den Anschluss an das Fernwärmenetz vorschreiben. Unterschiedlich waren die erzielten Gewinne auch in den einzelnen Bundesländern. Konkrete Fälle nennt die Behörde in ihrem Bericht nicht.

Zur Stärkung des Wettbewerbs zwischen den Heizsystemen empfiehlt das Kartellamt, die Fernwärmepreise im Internet zu veröffentlichen. Zudem sollte es kürzere Laufzeiten bei Fernwärmeverträgen geben.

In ihrem jeweiligen regionalen Netzgebiet sind die etablierten Versorger laut Kartellamt konkurrenzlos. Die Kunden hätten keine Wechselmöglichkeit. Die Durchleitung von Fernwärme durch Dritte sei technisch und wirtschaftlich schwierig. Ein Wettbewerbsdruck lasse sich so nicht entfalten, heißt es. „Daher ist eine Netzregulierung in diesem Sektor nicht sinnvoll.“

Mit Entsetzen reagierte der Bund der Energieverbraucher auf den Bericht. Er sei tief enttäuscht, dass die lange erwartete Fernwärmeuntersuchung nicht mit konkreten Ergebnissen und Verfahren bezüglich überhöhter Preise geendet habe, sagte der Vorsitzende Aribert Peters. Zeit genug wäre in der dreijährigen Untersuchung gewesen. Das Arbeits- und Untersuchungstempo der Kartellbehörde bleibe deutlich hinter der Dynamik der Energiemärkte zurück.

2011 wurden 12,7 Prozent der bestehenden Wohnungern mit Fernwärme beheizt. Bei den Neubauten waren es 16,2 Prozent. Das geht aus den Angaben der statistischen Landesämter hervor.

2009 lag der bundesweite Umsatz im Fernwärmegeschäft mit Privatkunden dem Bundeskartellamt zufolge in einer Größenordnung von rund 3,5 Milliarden Euro. Bei der Untersuchung wurden 74 Unternehmen zu ihren Fernwärmegeschäften befragt. Es wurden Daten für 1200 Netzgebiete aus den Jahren 2007 und 2008 ausgewertet.

dpa

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