Fertiggerichte: Wer nicht kochen will, muss zahlen

Käsewürfel in der Box, vorgekochter Tüten-Reis und Ananas-Happen geschnitten: Wer nicht kochen will, findet alles fürs Menü tellergerecht im Supermarkt. Aber die Fertig-Produkte sind nicht nur teuer, sondern teilweise auch ungesund.

Tiefkühlpizza und Lasagne als Eisklotz sind schon lange Standard in den Supermärkten. Auch aus der Kühltruhe daheim sind sie kaum mehr wegzudenken. Aber der Trend zu tellerfertigen Produkten aus der Dose, Packung oder Aluschale geht mittlerweile viel weiter. Pfannkuchenteig aus der Flasche, mundgerechte Obst-Happen und geschnittenen Salat bekommen Verbraucher in jedem Laden. Wenn Lust, Zeit oder Können fehlen, die Industrie macht’s.

Aber die hat ihren Preis: Die vorgefertigten Lebensmittel sind wesentlich teurer und oft mit Zusatzstoffen angereichert, die es eigentlich gar nicht bräuchte, warnen Verbraucherschützer. Die wichtigsten Fakten zum Fertig-Produkt-Trend.

Die Trend-Ursachen

„Chronischen Zeitmangel“ attestiert Andrea Danitschek, Ernährungswissenschaftlerin bei der Verbraucherzentrale in Bayern, den Konsumenten. „Wenn Familie und Beruf unter einen Hut gebracht werden müssen, sparen Leute die Zeit auch beim Kochen.“ Hinzu komme, dass die Fertigkeiten am Herd nachließen – gerade bei Jüngeren.

Besonders kurios: Viele bevorzugen nach Meinung der Expertin vorgefertigte Lebensmittel wegen ihres Standard-Geschmacks. „Viele Verbraucher wollen, dass es immer gleich schmeckt.“ Das ist bei selbst gemachter Salatsoße beispielsweise kaum möglich, bei der Flaschen-Variante hingegen garantiert. „Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier.“

Die Kosten

Die bequeme Art zu essen kostet: Vorgefertigte Lebensmittel sind deutlich teurer als Zutaten, die selbst zubereitet werden müssen. „Das gilt besonders für geschnittenes Obst und Gemüse“, sagt Danitschek.

Fertig geschnittener, grüner Salat ist der Klassiker. Mittlerweile bekommt man fast in jedem Supermarkt neben den ganzen Köpfen auch die Schüssel-fertige Variante aus dem Kühlregal. Dafür zahlt der Kunde 1,99 Euro pro 150-Gramm-Tüte, der Kopf mit einem Gewicht von 250 bis 500 Gramm hingegen ist für einen Euro zu haben. Also halber Preis bei etwa doppelter Menge.

Bei Stichproben in Supermärkten haben die Verbraucherschützer festgestellt, dass sich das Preis-Verhältnis bei Obst sehr ähnlich verhält: Mundgerecht geschnittene Ananas-Happen, hochgerechnet auf ein Kilogramm, würden 11,96 Euro kosten. Dafür bekommt ein Kunde sechs Kilo ganze Frucht. In dem Fall liegt der Kilopreis bei 1,99 Euro. Weniger stark, aber immer noch deutlich ist der Unterschied bei Karotten. Kauft man die gestiftelte Version in Tüten, zahlt der Kunde 6,60 Euro pro Kilo, bei ganzen Karotten sind es 2,49 Euro „und das ist schon teuer“, meint die Ernährungswissenschaftlerin. Häufig bekäme man das Gemüse noch billiger.

Wer die Fleischwurst für den Wurstsalat selbst schneidet, kommt ebenfalls billiger weg: Ein Kilo kostet 3,30 Euro, fein geschnittene Streifen in der Packung hingegen 6,63 Euro. Beim vorgekochten Express-Reis für die Mikrowelle zahle der Verbraucher in etwa das Doppelte – 1,79 Euro für 250 Gramm im Gegensatz zu 1,99 Euro für 500 Gramm Kochbeutel-Reis. Und zwar nur dafür, „dass der Topf einige Minuten weniger auf dem Herd steht“. Angesichts dessen „sollte man sich schon die Frage stellen, ob es einem das wert ist“, findet Danitschek.

Die Qualität

Die Kosten für Fertigprodukte sind höher, die Qualität oftmals geringer. „Gerade bei Instant-Produkten macht die Zahl der Inhaltsstoffe den großen Unterschied zu Roh-Zutaten“, weiß die Expertin. Häufig sei bei Fertig-Varianten viel Unnötiges drin: Aroma-, Zusatz- und Konservierungsstoffe. Nur so bleiben die Lebensmittel frisch, hübsch anzusehen und lange haltbar. Was genau enthalten ist, wird oft erst auf den zweiten Blick sichtbar – auf den klein gedruckten Zutatenlisten auf den Verpackungs-Rückseiten. Doch oftmals lesen Verbraucher diese aus Zeitmangel erst gar nicht. Sonst würde ihnen schnell auffallen, dass häufig viel mehr Zucker, Fett oder chemische Stoffe im Produkt enthalten sind als das Lebensmittel selbst. Bestes Beispiel sind Tütensuppen: Wo Broccoli drauf steht, ist selten Gemüse drin. Dafür aber viele Aromastoffe und Geschmacksverstärker.

Schnell sein müssen die Verbraucher beim geschnittenen Salat, denn der ist deutlich leichter verderblich als ein ganzer Kopf. Denn die beim Schneiden austretende Zellflüssigkeit ist ein perfekter Nährboden für Keime. Deshalb wird der Tütensalat schonend vorgefertigt und verpackt und dann im Kühlregal gelagert.

Die Tipps für Kunden

Das richtige Rezept heißt Hinschauen: „Der Konsument muss die Augen aufmachen“, betont Danitschek. Das heißt, im besten Fall sorgfältig die Preis- und Zutatenangaben auf der Verpackung studieren. Fehlt für Letzteres die Zeit, hilft die Faustregel: „Je kürzer die Liste ist, desto weniger künstliche Zusatzstoffe sind drin.“ Außerdem macht es Sinn, sich selbst zu fragen, was man wirklich braucht und möchte. Hat der Verbraucher das klar definiert, tappt er seltener in die „Schnell-mal-mitnehmen“-Falle. Die Ernährungsexpertin weiß: „Häufig kauft man viel zu viel ein, gerade unter Zeitdruck.“

Weitere Informationen

zum Thema Lebensmittelqualität erhalten Verbraucher beim landesweiten Beratungstelefon der Verbraucherzentrale unter 0 9001/89 22 93 76 (14 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz. Mobilfunkpreise können abweichen.)

Janine Tokarski

Rubriklistenbild: © dpa

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