Fester Wille statt teurer Ratgeber: So lösen sich Raucher von der Kippe

- Fast alle Raucher denken darüber nach, mehr als die Hälfte hat es schon probiert: Den teuren Tabakröllchen zu entsagen, Schluss zu machen mit stinkenden Klamotten und nächtlichen Ausflügen zum Zigarettenautomaten. Aber leider fällt es den meisten Rauchern alles andere als leicht, die Sucht zu besiegen. Dabei gibt es doch einige Hilfsmittel, die helfen, eisern zu bleiben.

Der Schriftsteller Mark Twain bemerkte einst spöttisch: "Mit dem Rauchen aufzuhören ist leicht. Ich habe es schon hundert Mal geschafft." Tatsächlich scheitert ein Großteil der Versuche, der Sucht Einhalt zu gebieten. "Bei Versuchen in Eigenregie sind nur ein bis drei Prozent der Betroffenen auch nach einem Jahr noch Nichtraucher", sagt der Psychologe Peter Lindinger vom Wissenschaftlichen Aktionskreis Tabakentwöhnung.

Ist der Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören, zum x-ten Mal gescheitert, steigt bei vielen die Bereitschaft, Geld für fragwürdige Hilfsmittel auszugeben. Das Angebot ist gewaltig: Neben Dutzenden Ratgeberbüchern und Hypnose-CDs offerieren findige Unternehmer nikotinfreie Kräuterzigaretten, spezielle Nährstoffpräparate und Pakete mit verschiedenen Filterstufen zur schrittweisen Entwöhnung. Rauchstopp-Massageroller gibt es ebenso zu kaufen wie spezielle Minicomputer, die über das Anzünden der nächsten Zigarette bestimmen.

Wunderkuren mit fraglicher Wirkung

Die Wunderkuren haben eines gemeinsam: "Ihre Wirksamkeit ist nicht nachgewiesen", sagt Lindinger. "Technische Mittel wie der Computer sind eine nette Spielerei. Sie schaden nicht - aber sie nützen auch nichts." Aus Sicht des Psychologen haben die oft sehr teuren Hilfsmittelchen sogar einen negativen Effekt. "Sie suggerieren, dass man nicht selbst aktiv werden muss", erklärt er. Doch wie beim Ziel, einmal zehn Kilometer durchzulaufen oder zwei Kilo abzunehmen, entscheiden vor allem der feste Entschluss und die Motivation über den Erfolg.

"Es funktioniert nicht, dass irgendjemand anderes einem den Kampf abnimmt", betont auch Marita Völker-Albert von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Bonn. Aufhörwilligen empfiehlt sie, zunächst die eigene Motivation gründlich zu hinterfragen. "Man muss wirklich einen Schlussstrich ziehen wollen und nicht aus einer Laune heraus einen Versuch starten." Sonst wachse die Gefahr, nach zahlreichen Fehlversuchen immer frustrierter und verzweifelter zu werden. Lindinger empfiehlt, sich zunächst einmal hinzusetzen und aufzuschreiben, was man am Rauchen mag - und was nicht. "Wer eine solche Bilanz zieht, hat schon viel Motivationsarbeit geleistet."

Anfangs meiden: Vertraute Qualmsituationen

Besonders problematisch sind für Aufhörwillige oft die über Jahre Zug für Zug eingeprägten Verhaltensmuster: Ganz automatisch greift die Hand des Rauchers zur Packung, wenn der erste Kaffee auf dem Tisch steht, der Bus erst in fünf Minuten kommt oder das Handy klingelt. Experten empfehlen, solche Situationen in den ersten Wochen möglichst zu meiden. Neben den Vermeidungsstrategien seien Belohnungen wie die Investition des eingesparten Geldes in ein neues Paar Schuhe wichtig, erklärt Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Sehr starken Rauchern, die 80 Zigaretten täglich oder mehr geraucht haben, können in den ersten 14 Tagen Nikotin-Kaugummis oder -Pflaster helfen, den Entzugsstress zu mildern, empfiehlt Völker-Albert. Lindinger rät, sich beim Hausarzt beraten zu lassen oder bei der Krankenkasse nach seriösen Anbietern von Gruppenprogrammen zu fragen. "Von den Teilnehmern solcher Programme sind nach einem Jahr 20 bis 40 Prozent noch Nichtraucher."

Allerdings muss man für die mehrwöchigen Verhaltenstherapien 150 bis 350 Euro berappen, die Kosten werden dabei manchmal nur zum Teil von den Kassen übernommen. Eine preisgünstigere Alternative sind die Beratungs- und Hilfsangebote der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und des DKFZ (siehe Kasten), deren Experten Aufhörwilligen telefonisch oder bei Online-Kursen zur Seite stehen.

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