Kostenvoranschläge

Festpreis oft die bessere Alternative

München - Kostenvoranschläge sind kein sicherer Schutz vor einer höheren Rechnung. Ein verbindlicher Festpreis für anstehende Reparaturmaßnahmen kann oft die bessere Alternative sein. Wir erklären, auf was Sie achten müssen.

Wer kennt das nicht: Fernseher, Heizung oder Auto sind kaputt und die Reparatur kommt viel teurer zu stehen als der Handwerker in seinem Kostenvoranschlag mal vorgerechnet hatte. Darf das sein? Und muss König Kunde jeden erhöhten Posten auf der Rechnung klaglos hinnehmen? Kostenvoranschläge sind – wenn nichts anderes vereinbart wurde – grundsätzlich unverbindlich, stellt Markus Saller, Jurist der Verbraucherzentrale Bayern, klar.

Aber das bedeutet auch: Sie sind keine Preisgarantie. Hat der Handwerker die voraussichtlichen Reparaturkosten für zu niedrig eingeschätzt, darf die Endrechnung durchaus um etwa 15 bis 20 Prozent höher ausfallen – und wenn es den Kunden noch so sehr ärgert. Meckern bringt dann nicht viel.

Explodieren die Kosten, stellt der Fachmann also noch während seiner Arbeiten fest, dass er mit der Kalkulation bei weitem nicht hinkommt, sieht die Lage anders aus. Dann muss er dem Kunden sofort Bescheid geben. Der hat dann die Wahl, die Extrakosten zu akzeptieren oder ganz abzuspringen – zum Beispiel, weil ein Neukauf schlauer wäre. Zieht der Verbraucher die Reißleine, sollte ihm allerdings klar sein, dass er die schon geleistete Arbeit in der Regel zahlen muss. Geht es um viel Geld, solle man sich am besten noch vorher beraten lassen, betont Marion Schmidt von der Verbraucherzentrale Sachsen.

Unklare Rechtslage für Verbraucher

Richtig ärgerlich kann es werden, wenn der Handwerker nichts sagt und ein Vielfaches mehr als ursprünglich geschätzt in Rechnung stellt – wenn also die Badsanierung am Ende nicht etwa 3000 Euro, sondern 4500 Euro kosten soll. Die Rechtslage ist in solchen Fällen nicht ganz eindeutig, geben Experten von Stiftung Warentest zu bedenken. Nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Celle (Aktenzeichen: 22 U 179/01) beispielsweise müssten Kunden grundsätzlich auch größere Abweichungen bezahlen. Der Kunde kann dann zwar Schadenersatz von der Firma verlangen, weil er nicht rechtzeitig informiert wurde. Dafür müsste er allerdings nachträglich beweisen, dass ein anderer Betrieb billiger gearbeitet hätte. Wer um eine Rechnung streiten muss, sollte auch versuchen, die örtliche Handwerkskammer um Schlichtung zu bitten.

Vorschlag allein darf nichts kosten

Normalerweise nicht zahlen muss, wer für einen Kostenvoranschlag zur Kasse gebeten wird. Das ist gesetzlich so festgeschrieben, wie Verbraucherschützer Saller sagt. Geht dem Handwerker ein Auftrag nach der Kostenkalkulation flöten, kann er keinen Ersatz für seine Mühe einfordern, solange eine Vergütung vorher nicht nachweislich vereinbart wurde. Das gilt auch bei Autoreparaturen oder im Bereich der Unterhaltungselektronik – Branchen, in denen es oft üblich geworden ist, Geld für Kostenvoranschläge zu verlangen.

Verbindlicher Festpreis ist sicher

Wer Kostensicherheit will, sollte versuchen, ein verbindliches Angebot mit Festpreisen an Land zu ziehen, raten Verbraucherschützer. Das kann bei Maler- und Fliesenlegerarbeiten empfehlenswert sein oder bei der Bad- und Heizungssanierung. Muss der Handwerker ein Gerät erst einmal auseinanderbauen, um den Reparaturaufwand abschätzen zu können wie bei Computern oder Waschmaschinen, dürfte es keine Alternative zum Kostenvoranschlag geben.

Auf keinen Fall sollte der Handwerker loslegen dürfen, ohne dass der Kunde vorher die Kosten angesprochen hat. Schon gar nicht, wenn es um eilige Sachen wie verstopfte Rohre oder ausgefallene Heizungen geht. „So mancher Handwerker legt es genau darauf an“, weiß Saller aus Erfahrung.

Bei Schlussrechnung alle Posten prüfen

Manchmal fallen die Endkosten auch höher als die Prognose aus, weil Firmen Posten einfordern, die auf der Rechnung gar nichts zu suchen haben. Zum Beispiel, wenn zwei Monteure gekommen sind, aber nur einer arbeitete, während der andere zuschaute. Wird die Arbeitszeit nachher doppelt berechnet, muss der Kunde das nicht akzeptieren.

Die Schlussrechnung sorgfältig zu prüfen kann sich lohnen, meinen die Experten von Stiftung Warentest. So mancher Betrieb neige dazu, eine angefangene halbe Stunde gleich als volle halbe Stunde abzurechnen. Das ist aber unzulässig, hat das Landgericht Düsseldorf entschieden (Aktenzeichen: 12 O 292/87). Eine geringe Aufrundung, zum Beispiel auf volle fünf Minuten, sei jedoch in Ordnung.

Auch Pausen dürfen nicht als Arbeitszeit berechnet werden. Gleiches gilt, wenn der Handwerker ein Ersatzteil vergessen hat und in die Werkstatt zurückfahren muss. Kunden können dem vorbeugen, indem sie beispielsweise einem Monteur vorher genau durchgeben, welcher Gerätetyp zu reparieren ist.

Berrit Gräber

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dax profitiert von guten Konjunkturdaten
Frankfurt/Main (dpa) - Gute Konjunkturdaten aus der Eurozone haben dem Dax am Dienstag Auftrieb gegeben. Nach einem holprigen Start kämpfte sich der deutsche Leitindex …
Dax profitiert von guten Konjunkturdaten
Verdacht des Abgasbetrugs: Daimler-Werke durchsucht
Der nächste deutsche Autokonzern ist ins Visier der Ermittler geraten: 23 Staatsanwälte und 230 Polizisten haben wegen des Verdachts auf Abgas-Manipulationen Objekte bei …
Verdacht des Abgasbetrugs: Daimler-Werke durchsucht
Unterhaltungselektronik mit kräftigem Umsatzplus
Die Elektronikbranche kann sich über steigende Umsätze freuen. TV-Geräte und Zubehör sind besonders beliebt.
Unterhaltungselektronik mit kräftigem Umsatzplus
Verdacht des Abgasbetrugs: Ermittler durchsuchen Daimler 
Wegen des Verdachts des Abgas-Betrugs hat die Stuttgarter Staatsanwaltschaft mehrere Standorte des Autobauers Daimler durchsucht.
Verdacht des Abgasbetrugs: Ermittler durchsuchen Daimler 

Kommentare