Wie ein Festzelt die Händler schützte

- München - Das bayerische Börsenvolk war lange Jahre eine reisende Truppe. Die Kaufleute der Stadt tingelten durch verschiedene Neben- und Hinterzimmer von Wirtshäusern, bis sie im Jahr 1881 endlich an repräsentativer Adresse im heutigen Schäfflerblock sesshaft wurden. Christine Bortenlänger, die die Geschäfte der Börse München zusammen mit Andreas Schmidt führt, kennt die Geschichte und die Geschichten des Hauses und der Persönlichkeiten, die mit dem Münchner Börsenhandel verbunden sind. Anders als die anderen deutschen Regionalbörsen ist die bayerische nie abgebrannt, so dass das wertvolle historische Material noch fast vollständig erhalten ist.

Eine ihrer Lieblingsanekdoten spielt während des Krieges als das Dach des alten Börsengebäudes und heutigen IHK-Hauses in der Max-Joseph-Straße zerstört wurde. Damit der Handel weitergehen konnte, haben Münchner Wirte flugs ein Oktoberfestzelt zur Verfügung gestellt, das die Börsianer zumindest trocken hielt.

Schön findet Christine Bortenlänger auch historische Aktien des Münchner Tierparks. "Die effektiven Stücke waren oft mehrfach gefaltet, damit sie in den Geldbeutel passten", erzählt sie. Schließlich sicherte die Tierpark-Aktie ihrem Inhaber freien Eintritt in Hellabrunn.

Bei aller ehrwürdiger und manchmal auch kurioser Vergangenheit, auch um die Zukunft der Börse München fürchtet Bortenlänger keineswegs. Zwar dürfte sich die Zahl der Regionalbörsen von derzeit sieben, wahrscheinlich auch durch Kooperationen, weiter ausdünnen, schätzt sie. Eine Zentralisierung werde es in Deutschland aber nicht geben, da ist sich Bortenlänger ganz sicher. Und: "An uns Münchnern wird man auch in Zukunft nicht vorbeigehen können." Mit den Schwerpunkten Mittelstand und Privatanleger und dem modernen Computerhandelssystem Max-One sieht die Börsenchefin den Betrieb bestens gewappnet für den Wettbewerb.

Ein Herz für Regionalbörsen zeigen auch Aktionärsschützer. Sie verschafften Anlegern die Möglichkeit, auch weniger gehandelte Titel noch zu verkaufen, wenn sich die Unternehmen von anderen Handelsplätzen zurückgezogen hätten, und erleichterten Firmen den Zugang zum Kapitalmarkt, sagt Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Das schlimmste, was passieren könnte, wäre, dass es nur noch eine Deutsche Börse in Frankfurt gibt."

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Audi-Chef Stadler in U-Haft genommen - Staatsanwaltschaft nennt Gründe
Neuer Paukenschlag in der Abgasaffäre: Audi-Chef Rupert Stadler wurde festgenommen und sitzt nun in Untersuchungshaft. Vergangene Woche war bereits sein Haus durchsucht …
Audi-Chef Stadler in U-Haft genommen - Staatsanwaltschaft nennt Gründe
Google startet neuen Musik-Streamingdienst: YouTube Music auch in Deutschland
YouTube ist die populärste Videoplattform. Google will darauf aufbauen, um mit einem neuen Musik-Streamingdienst Spotify und Apple Music Konkurrenz zu machen.
Google startet neuen Musik-Streamingdienst: YouTube Music auch in Deutschland
Audi-Chef Stadler unter Betrugsverdacht verhaftet
Im Abgasskandal bekommt Audi-Chef Stadler die harte Hand der Justiz zu spüren. Wegen Verdunkelungsgefahr nahmen Ermittler ihn in U-Haft. Ein vorläufiger Nachfolger steht …
Audi-Chef Stadler unter Betrugsverdacht verhaftet
Leichter Preisrückgang bei Strom und Gas im ersten Halbjahr
Heidelberg/München (dpa) - Strom und Gas für Haushaltskunden sind im ersten Halbjahr 2018 etwas billiger geworden. Der Preis sank nach Angaben der Vergleichsportale …
Leichter Preisrückgang bei Strom und Gas im ersten Halbjahr

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.