Fettnäpfchen auf der Karriereleiter

- Frankfurt -­ Ein Freispruch, der dann auch vor dem Bundesgerichtshof Bestand hat, wäre Josef Ackermann mit Sicherheit lieber gewesen. Doch ein solches Urteil war ihm nicht vergönnt. Die nun absehbare Einstellung des Mannesmann-Prozesses gegen Auflagen dürfte immerhin die zweitbeste Lösung für den Vorstandschef der Deutschen Bank sein: Er kann nun bis 2010 im Amt bleiben und gewinnt damit noch etwas Zeit, den internationalen Erfolg des größten deutschen Finanzhauses auch hierzulande stärker herauszustellen und einen Nachfolger aufzubauen.

Der Mannesmann-Prozess dürfte für den 58-jährigen Ackermann die schwerste Belastung seiner Karriere gewesen sein ­ vor allem wegen seines auf fast allen Titelblättern verewigten Siegeszeichens zu Beginn des Verfahrens, das ihn wohl noch Jahre verfolgen wird. Mit der gleichzeitigen Verkündung von Stellenabbau und einem Milliardengewinn sowie der historisch einmaligen Schließung eines Immobilienfonds im Jahr 2005 brachte Ackermann dann erneut die deutsche Öffentlichkeit gegen sich auf. Während die Deutsche Bank im Ausland als Aufsteiger in die Spitzengruppe der Investmentbanken gefeiert wurde, musste Ackermann sich in Deutschland anhören, er habe den Heimatmarkt sträflich vernachlässigt.

Erst in den vergangenen Monaten war der Banker häufiger bei Veranstaltungen in Deutschland zu sehen, und die Übernahmen der Berliner Bank und der Norisbank halfen, seine Kritiker zu besänftigen. Ob dieser Sinneswandel bereits im Zusammenhang mit der Neuauflage des Mannesmann-Prozesses stand und auch die Staatsanwaltschaft gnädig stimmen sollte, wird wohl das Geheimnis von Ackermann bleiben.

Seit 2002 ist der Schweizer, der sein Jahresgehalt mit 15 bis 20 Millionen Euro angab, der mächtigste Deutsche-Bank-Chef aller Zeiten. Extra für ihn wurde eine neue Führungsstruktur geschaffen. Ackermann war 1996 von der Schweizer Großbank Credit Suisse nach Frankfurt gewechselt. Er stieg dort zwar rasch auf, fühlte sich aber nach Aussagen von Vertrauten nie richtig wohl in seiner neuen Wahlheimat. Dennoch glückte es dem Opernfan, sich gegen Kontrahenten wie den einflussreichen Aufsichtsrat Ulrich Cartellieri durchzusetzen ­ der nahm im Herbst 2004 seinen Hut.

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