Fiat: "Das Jahr der Wende"

- Turin - Fiat ist wieder auf dem Vormarsch: Nach vier Jahren roter Zahlen hat die Autosparte des Turiner Traditionskonzerns erstmals wieder ein positives Ergebnis im laufenden Geschäft vorgelegt. Im vierten Quartal 2005 verbuchte Fiat Auto einen operativen Gewinn von 21 Millionen Euro, teilte das Turiner Traditionshaus am Montag mit. Zuvor hatte die Sparte 17 Quartale in Folge Verluste eingefahren. Im Gesamtjahr verbesserte sich das operative Ergebnis von minus 822 Millionen Euro auf einen Verlust von nur noch 281 Millionen Euro.

Auch in Deutschland hat die Fiat Automobil AG ihr operatives Ergebnis im vergangenen Jahr verbessert. "Wir schreiben schwarze Zahlen und haben 2005 gegenüber dem Vorjahr zugelegt", sagte ein Fiat-Sprecher in Frankfurt, ohne Zahlen zu nennen. Die genauen Daten würden erst im Mai veröffentlicht. Der Umsatz sei 2005 leicht über den Vorjahreswert von 1,37 Milliarden Euro gestiegen - obwohl der Absatz zurückging. "Die Ausstattung der Wagen ist immer höherwertiger", sagte der Sprecher zur Begründung.

Die gesamte Fiat-Gruppe hat ihr Nettoergebnis nach schweren Verlusten 2004 um fast drei Milliarden Euro verbessert und verbuchte einen Überschuss von 1,4 Milliarden Euro. Die Verschuldung ging 2005 um zwei Drittel zurück und lag Ende des Jahres noch bei 3,2 Milliarden Euro. "Ich bin höchst zufrieden mit diesen Ergebnissen. Alle Geschäftsbereiche haben sich verbessert", freute sich FiatPräsident Luca di Montezemolo.

Der Umsatz der Autosparte ging im Gesamtjahr leicht um 0,8 Prozent auf 19,5 Milliarden Euro zurück, verbesserte sich jedoch im letzten Quartal um drei Prozent auf 5,56 Milliarden Euro. Die Gruppe Fiat steigerte ihre Umsätze 2005 um zwei Prozent auf 46,5 Milliarden Euro. Die Liquidität der Turiner belief sich im vergangenen Dezember auf sieben Milliarden Euro - 6,1 Milliarden mehr als Ende 2004, hieß es.

"Für Fiat war 2005 das Jahr der Wende", hieß es in der Mitteilung. Alle wichtigen strategischen und finanziellen Fragen seien gelöst worden, so vor allem "die Angelegenheit GM". Der US-Riese General Motors und Fiat hatten im Februar 2005 ihren Streit um eine Verkaufsoption der Italiener für ihre damals hoch verschuldete Autosparte beigelegt. GM zahlte letztlich 1,56 Milliarden Euro, um Fiat Auto nicht übernehmen zu müssen.

"Viel ist bereits getan, viel bleibt noch zu tun", teilte das Unternehmen mit. Die tief greifende Umstrukturierung von Fiat Auto werde fortgeführt, wobei sich die neuen Modelle bereits als Erfolgsträger bewiesen hätten. In diesem Jahr werde der Konzern mit seiner aggressiven Kostensenkungs-Strategie in allen für das Kerngeschäft nicht wichtigen Bereichen fortfahren, hieß es weiter.

Auch Fiat Deutschland hat sich für 2006 ehrgeizige Ziele gesetzt. Der Absatz soll um ein Drittel auf 120 000 Fahrzeuge klettern. Das hat der neue Vorstandschef Werner Frey kürzlich angekündigt. Motor des Aufschwungs sollen vor allem die neuen Volumenmodelle Fiat Grande Punto und Alfa Romeo 159 sein. Im vergangenen Jahr musste Fiat noch Absatzrückgänge von mehr als zehn Prozent hinnehmen. Der Marktanteil von Fiat, Alfa Romeo und Lancia sank auf 2,3 Prozent. Man habe die Tageszulassungen und unrentable Verkäufe an Mietwagen-Firmen zurückgefahren, hieß es zur Begründung.

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