Fiduka-Chef: 2006 wird für Aktien nur ein mäßiges Jahr

- München - Unerschütterlicher Optimismus für die Aktienmärkte war in den letzten Jahren ein Kennzeichen von Gottfried Heller. Der Chef der Fiduka Depotverwaltung schlägt nun vorsichtigere Töne an. Sorgfältige Auswahl sei entscheidend für den Erfolg. Doch eine Alternative zu Aktien sieht Heller nicht.

2005 war ein nur mäßig gutes Jahr für die Wirtschaft und ein besseres für die Börse, so Hellers Rückblick, 2006 werde es umgekehrt sein. Dabei könnten die Aktien in der Anlegergunst zwar weiter steigen. Doch fürchtet Heller nun "Spätkommer"-Anleger, die nun noch auf den fahrenden Zug aufspringen wollen. Die "Zittrigen" nannte sie sein Mentor André´ Kostolany. Für beide sind sie Alarmzeichen für stärkere Schwankungen. "Nun sollten Unternehmensgewinne die Hauptrolle bei der Auswahl spielen."

Doch schätzt Heller deutsche Aktien als vergleichsweise unterbewertet ein. Ein Malus von 30 Prozent (gemessen am Buchwert) im internationalen Vergleich werde durch die Reformen der Großen Koalition schwinden. Allein dadurch sieht Heller den Dax über 6000 Punkte steigen.

Außerdem seien Aktien die einzig "relativ billige Anlageklasse". Mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13 und einer Gewinnrendite von 7,7 % werfen Dax-Aktien mehr als das Doppelte dessen ab, was Anleihen an Zinsen bringen. "Von der Übertreibungsphase, in der Hochstimmung herrscht, sind wir noch ein gutes Stück entfernt", sagt Heller. Im Jahr 2000 lag das KGV im Dax bei 30.

Heller setzt also auf Aktien aus Europa, vor allem auf deutsche. Dann folgen in seiner Rangliste die Wachstumsmärkte in Asien und erst an dritter Stelle die USA und Japan. Als Einzeltitel nennt er Münchener Rück, Allianz und Depfa sowie Heineken, ENI und Royal Dutch.

Was aber sieht Heller als Alternative zu Aktien?

 Hedgefonds ringen ihm nur ein müdes Lächeln ab und einen Stoßseufzer über das Anlageverhalten vieler Deutscher: "Wir haben keine Aktienkultur, aber den längsten Zockerzettel der Welt."

Immobilien in Deutschland hält er für attraktiv. Doch von offenen Immobilienfonds rät er, die Finger zu lassen. Hier werde ein "illiquides Investment" (das Geld ist in Gebäuden und Grundstücken angelegt) als rückgebbar dargestellt. Hellers Rat zu Immobilien: "Ich würde sie nur direkt kaufen."

 Auch Anleihen seien unattraktiv. Die Zinsen zehnjähriger Bundesanleihen liegen bei 3,3 Prozent. "Bisher in der Nachkriegszeit ist der Abwärtstrend immer bei 5,5 Prozent gestoppt worden." Also auch hier eher fallende Kurse.

 Auch für Rohstoffe, die viele Experten auf ihrer Kaufliste führen, ist Heller skeptisch. Die Nachfrage werde anhalten und das Preisniveau hoch bleiben. Dennoch sei mittelfristig eine Korrektur der teilweise überzogenen Preise zu erwarten. Bei "Angstzertifikaten" wie Gold oder Silber sei alles möglich. "Mit Gold", wendet Heller aber ein, "konnte man noch nie ein Vermögen nachhaltig mehren."

Der Fiduka-Chef sieht aber auch generelle Risiken. Es habe selten eine Phase steigender Zinsen ohne Unglücksfall bei einem Finanzinstitut gegeben. "Ich warte, darauf dass es kracht. Bei einem Hedgefonds oder sonstwo."

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