Filmhändler Intertainment: Zwei Mal um sein Geld gebracht

- München - Am Mittwoch hatte Alicemarie H. Stotler, Richterin in Santa Ana im US-Bundesstaat Kalifornien, die Akten im Fall Intertainment AG geschlossen. Dem Filmhändler aus Ismaning stünden 120 Millionen Dollar an Schadenersatz von ehemaligen Geschäftspartnern zu, urteilte sie. Dreieinhalb Jahre juristischen Hauen und Stechens, in denen das Firmengeschäft nahezu vollständig erlahmte, waren damit vorüber. Und es schien, als könnte die Sonne noch einmal aufgehen über der Zentrale in Ismaning: Die Aktie stürmte wie in alten Zeiten um 15 Prozent nach oben; nicht auf 120 Euro wie im Champagnerjahr 2000, aber immerhin auf 4,25 Euro.

<P>Die kalte Dusche folgte Donnerstagnacht: Die Filmproduktion Franchise Pictures und mehrere ihrer Tochterfirmen hätten Konkurs angemeldet, erfuhr der Vorstand von Intertainment aus den USA. Dabei handelt es sich um eben jene Unternehmen, die am Vortag zu den Entschädigungszahlungen verurteilt worden waren. "Die Chancen von Intertainment, an ihr Geld zu kommen, haben sich nun deutlich verschlechtert", kommentierte Carsten Heise von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz die Nachricht. Das Papier stürzte am Freitag auf 2,19 Euro.<BR><BR>Branchenkenner überraschte die Flucht der US-Firmen in die Insolvenz nicht. "Das war vorhersehbar", hieß es in informierten Kreisen. Es wird damit gerechnet, dass die Amerikaner Vermögen auf die Seite geschafft haben. Die Chancen von Intertainment, aus der Insolvenzmasse den zugesprochenen Schadenersatz herauszuschlagen, gelten als gering: "Da ist wohl nicht mehr viel zu holen."<BR><BR>Bei der Filmfirma sieht man das anders. "Wir gehen davon aus, dass wir Geld sehen werden", verlautete aus dem Unternehmen. Mit welcher Summe gerechnet wird, wurde nicht bekannt. Intertainment meldete aber, dass man die Ansprüche im Rahmen des Konkursverfahrens geltend machen wolle. Nicht zuletzt davon hängt das Überleben der Firma ab: Ein 16-Millionen-Euro-Kredit der HypoVereinsbank, der schon im Juni fällig war, drückt.<BR><BR>Im Jahr 1999 waren die Kassen bei Intertainment noch voll gewesen. Damals träumte der Vorstand vom großen Filmgeschäft und handelte mit Elie Samaha, dem Chef von Franchise Pictures, ein imposantes Geschäft aus: Binnen fünf Jahren sollten die Hollywood-erfahrenen Amerikaner 60 Filme produzieren. Gegen eine Beteiligung an den Produktionskosten sollten die Deutschen die Europa-Lizenzen für die Streifen erhalten. Aber das Geschäft erwies sich als faul. Nach etwa einem Jahr erhärtete sich der Verdacht, dass Franchise Pictures den Münchnern überhöhte Rechnungen vorlegte. Es kam zu dem Prozess, den Intertainment gewann und wahrscheinlich doch verlor.<BR><BR>Allerdings rechnet sich die Firma eine zweite Chance auf Schadenersatz in Millionenhöhe aus. Im Januar startet sie eine Gerichtsverhandlung gegen eine US-amerikanische Bank und mehrere Versicherungen, die von den Betrügereien gewusst haben sollen - und sich als Finanzinstitute kaum in die Insolvenz flüchten können. "Aber das wird ein harter Prozess", glaubt ein Beobachter. Es sei nicht einfach, den Unternehmen eine mögliche Schuld nachzuweisen.<BR></P><P> </P>

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