Filmvermarkter IM Internationalmedia stellt Insolvenzantrag

München - Der krisengeschüttelte Filmvermarkter IM Internationalmedia hat wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag gestellt.

Der Vorstand habe sich zu dem Schritt entschieden, weil die Eluvium GmbH, die die insolvente IM- Produktionstochter Stopping Power übernommen hatte, ausgeübte Optionen nur zum Teil bezahlt habe, sagte IM-Alleinvorstand Sascha Prestel der Deutschen Presse-Agentur dpa. Ziel sei es jetzt, mit Hilfe des Insolvenzverwalters die Geschäfte des Unternehmens fortzuführen. Grund für den Insolvenzantrag sei zwar drohende Zahlungsunfähigkeit, "aber mit jeder Rechnung, die reinkommt, ist die Zahlungsunfähigkeit faktisch da".

Betroffen von dem Insolvenzantrag sei die AG mit vier Beschäftigten, nicht aber die beiden Töchter in den USA und in Großbritannien, die zusammen ein gutes Dutzend Mitarbeiter haben. IM Internationalmedia steckt mangels Filmproduktionen schon lange in der Krise. Einst einer der Stars am Neuen Markt, gehörte die Firma nach einem Pressebericht zuletzt zu den "Geldverbrennern der Deutschen Börse", wie Prestel einräumte. Unter Berücksichtigung von Aktiensplits war die Aktie im Jahr des Börsengangs 2000 bis zu 522 Euro wert, nach Bekanntgabe des Insolvenzantrags am Dienstag brach sie zeitweise um fast 66 Prozent auf 22 Cent ein.

Erst vor wenigen Tagen hatte der Vorstandschef des Unternehmens, Konstantin Thoeren, seine Ämter niedergelegt und damit die Führungskrise des Unternehmens weiter verschärft. Thoeren war auch Chef der beiden Auslandstöchter. Erst vor rund einem Jahr hatte Thoerens Vorgänger Martin Schürmann aufgegeben, wenige Monate später zog sich auch Finanzvorstand Sascha Konzack zurück.

Prestel trat sein Amt bei IM Internationalmedia erst Anfang März an. Den Halbjahresbericht musste er wegen der unklaren Vermögenslage stoppen. Im ersten Quartal schrieb IM Internationalmedia einen Verlust von 2,4 Millionen Euro. Über Darlehen, Wandelschuldverschreibungen und Optionsanleihen ist das Unternehmen verschuldet, die Höhe bezifferte Prestel aber nicht. Über die ausgeübten Optionen hätte Internationalmedia von Eluvium ursprünglich 6,9 Millionen Euro erhalten sollen, tatsächlich geflossen seien aber nur 3,4 Millionen Euro, sagte der Alleinvorstand.

Prestel hofft nun auf eine Fortführung der Firma mit einem neuem Geschäftsmodell. So könnte sich das Unternehmen auf die Verwaltung der Filmbibliothek konzentrieren, zu der beispielsweise die Kinofilme "Terminator III", "Basic Instinct II" und "Wedding Planner" gehören. Entscheiden müsse das aber der Insolvenzverwalter, sagte Prestel. "Ich bin nach wie vor der Meinung, dass man das Unternehmen restrukturieren kann, es fehlen uns aber die Mittel dafür, das muss jetzt ein Profi machen."

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