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Rettung oder Zerschlagung? Für Karstadt geht es in den nächsten Tagen um die finale Entscheidung.

Finale im Karstadt-Krimi - Angebote mit Tücken

Essen - Die Woche der Entscheidung für Karstadt steht bevor: Falls in den nächsten Tagen kein Investor den Zuschlag für die Warenhauskette erhält, droht die Zerschlagung.

Eine Verlängerung des seit fast genau einem Jahr dauernden Dramas wird nicht mehr geben, ist sich Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg sicher. Für die 25 000 Beschäftigten hat das lange Warten dann endlich ein Ende. Ob es aber Grund zum Jubeln gibt, wird sich noch herausstellen.

Für den 10. Juni ist hat das Essener Amtsgericht eigens den großen Schwurgerichtssaal reserviert. Die Richter sollen dann den Karstadt- Insolvenzplan und damit den Wendepunkt in einem der größten deutschen Insolvenzverfahren besiegeln. Doch bis dahin muss eine wesentliche Hürde genommen werden: Nur wenn ein Investor bis spätestens einen Tag vorher den Kaufvertrag für das Unternehmen mit bundesweit 120 Warenhäusern unterschreibt, sind die Bedingungen erfüllt. Wird der Rettungsplan nicht beschlossen, droht das Schreckgespenst der “Totalliquidation“.

An diesem Montag soll der Karstadt-Gläubigerausschuss seine Wahl unter den vier angetretenen Investoren treffen. Doch die Sitzung könnte turbulent werden. Beobachter rechnen damit, dass noch im letzten Moment Änderungen an den Angeboten vorgenommen werden könnten.

Kurzfristige Offerten haben in dem Verfahren mittlerweile Tradition. Kein Interessent legt in so einem erbitterten Bieterrennen gern vorzeitig seine Karten auf den Tisch. Nur wenige Stunden vor Beginn der letzten Sitzung des Gläubigerausschusses hatte der Karstadt-Vermieter Highstreet am 28. Mai sein Angebot eingereicht. Während der laufenden Sitzung brachte sich noch ein russisches Konsortium unter Führung des Petersburger Unternehmers Artur Pachomow als möglicher Investor ins Spiel.

Als ernsthafte Interessenten gelten bislang neben Highstreet aber nur die beiden Bieter Berggruen und Triton. Alle diese Angebote sind jedoch an Bedingungen geknüpft. Während der deutsch-schwedische Investor Triton und Highstreet weitere Zugeständnisse von den Beschäftigten fordern, will Berggruen die Belegschaft ungeschoren lassen.

Einig sind sich Triton und Berggruen bei ihrer Forderung nach Mietsenkungen - die Forderung richtet sich an die Adresse des Karstadt-Vermieters Highstreet. Aber auch Highstreet selbst soll Mietsenkungen von insgesamt 230 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren in Aussicht gestellt haben.

Die Besonderheit im Fall Karstadt: Der eigentliche Kaufpreis spielt bei der Entscheidung für einen Investor nur eine untergeordnete Rolle. Während sonst in derartigen Verfahren meist schlicht der Höchstbietende den Zuschlag erhält, geht es diesmal in erster Linie um den Erhalt des Unternehmens.

“In diesem Fall haben alle Interesse, dass es weitergeht, allen voran die Vermieter“, beschreibt Görg-Sprecher Thomas Schulz das Szenario. Der Immobilienfonds Highstreet besitzt 86 der 120 Karstadt- Warenhäuser, die er 2006 für einen Milliardenbetrag von dem ums Überleben kämpfenden Unternehmen übernommen hatte.

Mögliche Leerstände könnten nach Berechnungen des Insolvenzverwalters allein bei den Vermietern Schäden von mehr als 1,5 Milliarden Euro verursachen. Im Gläubigerausschuss haben ebenso wie Highstreet nahezu alle Mitglieder ein Interesse am Überleben von Karstadt: Arbeitnehmervertreter etwa, die um die 25 000 Karstadt-Jobs bangen, oder Lieferanten, die um ihre Abnehmer fürchten.

Keine Rettung mehr gab es im vergangenen Sommer für zuletzt noch 54 ehemalige Karstadt-Warenhäuser, die bereits 2005 an einen britisch-niederländischen Investor verkauft worden waren. Rund 2600 Beschäftigte der auf den Namen Hertie umgetauften Warenhauskette verloren ihre Jobs. Eine Einigung über Mietsenkungen zum Erhalt der Warenhauskette war nicht zustande gekommen.

dpa

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